Neuss (NGZ). Harald Meschke war schon jenseits der 40, als er das Instrument Hang für sich entdeckte. Mit ihm geht er gerne an die Erft und macht aus seinem Lieblingsplatz mit seiner Musik einen beinahe magischen Ort.
Wer mit offenen Augen auf dem Rundwanderweg A 6 an der Erft entlang geht, erkennt die Schönheit des Ortes schnell: ein umgestürzter Baumstamm, wie eine Parkbank am Ufer platziert, über das Eichen und eine Wildkirsche ihre Äste bis ins Wasser hängen lassen. Harald Meschke liebt diesen Ort – und er macht einen magischen daraus, wenn er mit den beinahe himmlischen Klängen seines Instrumentes fast jeden Spaziergänger zum Innehalten bringt.
Der gelernte Gärtner war schon immer naturverbunden. Er hält Bienen und zieht an warmen Abenden los, um mit seinem Bat-Detektor Fledermäuse zu orten, zu "belauschen" und zu bestimmen. Von diesen Exkursionen, deren Ergebnisse er auch Schulklassen vermittelt und auf seiner Internetseite verbreitet, kannte der 52-Jährige den Platz an der Erft schon länger.
Fakten zum Instrument
Das Hang 1999 in der Berner Steelpan-Werkstatt von Felix Rohner und Sabrina Schärer erfunden.
Aufbau Sieben Tonfelder sind um das mittlere Bassfeld angeordnet. Es wird mit Fingern gespielt. Klangbeispiele Im Internet unter www.hangharry.de
Doch große Anziehungskraft bekam die Stelle am Ufer für ihn erst, als er das Musizieren mit dem Hang für sich entdeckte. Gerade in der Zeit der Pappelblüte, wenn deren Samen wie ein weißer Teppich auf der Erft dahintreiben, zieht es ihn zum Musizieren dorthin. "Da kann man dann ganz versinken."
Seltsam nennt der Küster an der evangelischen Erlöserkirche in Reuschenberg, dass er dieses Instrument erst jenseits der 40 für sich entdeckte. Das war im Jahr 2007, als er zum ersten Mal einem Hang-Spieler auf der Domplatte in Köln lauschte.
Er durfte sich vorsichtig an diesem in der Schweiz erfundenen Instrument ausprobieren, fing Feuer und hat es seitdem zu einer gewissen Virtuosität auf dem Hang gebracht, das zumindest äußerlich mit einem umgestülpten Wok vergleichbar ist.
Mit seinem Hang wurde Harald Meschke schon oft zu kirchlichen und kulturellen Veranstaltungen eingeladen. Mit ihm im Gepäck bereist er als Straßenmusikant in seinen Urlaubswochen Deutschland, auf ihm hat er sich ein Repertoire von gut 20 Stücken erarbeitet, das es inzwischen auch als CD gibt. Einfach weil er schon so oft auf seine Musik angesprochen wurde.
Aktuell hat er eine Einladung vorliegen, auf der Wasserkuppe in der Rhön in einer seit Ende des Kalten Krieges nicht mehr gebrauchten Radarstation zu spielen. Eine interessante Akustik sei das, sagt Meschke, der vergleichbare Klangräume auch auf der Insel Hombroich und der Raketenstation für sich entdeckt hat.
Aber an der Erft, wo er – nicht aus Unhöflichkeit – mit dem Rücken zum Publikum sitzt, kommt das Schauen dazu. So kommt er zum Entspannen dorthin und zu Fuß. Denn sein Lieblingsorte liegt für ihn "gleich um die Ecke".
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