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Von Kellern und Kapitellen: Die beiden Seiten eines Feuers

VON CHRISTOPH KLEINAU - zuletzt aktualisiert: 02.10.2009 - 21:30

Von Kellern und Kapitellen (NGZO). Der Brand des Sanitätshauses Wilhelmi kommt für den Besitzer einer Katastrophe nahe. Der Stadtgeschichtsforschung aber bot er die Chance, ein Baudenkmal zu untersuchen.

Baustelle und Forschungsobjekt: das Sanitätshaus Wilhelmi. Inhaber Jochem Hartmann will mit seinem Unternehmen am Jahresende wieder in dem Geschäftshaus am Markt einziehen.    Foto:  A. Woitschützke
Baustelle und Forschungsobjekt: das Sanitätshaus Wilhelmi. Inhaber Jochem Hartmann will mit seinem Unternehmen am Jahresende wieder in dem Geschäftshaus am Markt einziehen. Foto: A. Woitschützke

Ende Januar brannte das Sanitätshaus Wilhelmi. Eine Katastrophe für den Besitzer, den der Wiederaufbau des zum Teil ausgebrannten Geschäftshauses am Markt nach derzeitiger Schätzung rund eine halbe Million Euro kosten wird. "Hätte ich die Fassade wegnehmen können, wäre ein Neubau fast preiswerter geworden", sagt Jochem Hartmann, Besitzer des Baudenkmals und Inhaber des Sanitätshauses. Doch er durfte nicht – der Denkmalschutz war dagegen. Trotz solcher Auflagen denkt Hartmann aber nicht daran, den Standort aufzugeben. "Wir sind seit 90 Jahren am Markt", sagt er. "Die Kunden suchen uns dort." Das Lager allerdings wird er künftig auslagern wollen. Denn Geschäft und Werkstatt sollen mehr Platz bekommen.

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Büro in Holzheim

Nach dem Brand kann Jochem Hartmann die Werkstatt am Markt benutzen. Das Büro des Unternehmens ist aber in Holzheim.

Ende Januar brannte das Sanitätshaus Wilhelmi. Der Stadtgeschichtsforschung bot sich damit die Chance, die Substanz des Hauses genau zu untersuchen. "Wir haben immer gedacht, das Haus ist aus dem Jahr 1720", berichtet Jochem Hartmann. Heute weiß er es besser. "Die Häuser wurden Anfang des 18. Jahrhunderts aufgestellt", gibt ihm Dr. Carl Pause, Archäologe am Clemens-Sels-Museum, einerseits recht. Aber er hat tiefer geblickt. Der Keller, so seine Erkenntnis, ist 100 Jahre älter.

Die Baugeschichte und die Geschichte der Bauherren arbeitet Pause gerade für das Jahrbuch "Novaesium" auf. "Man soll archäologische Befunde nicht von Archivalien" trennen, erklärt Pause, der das Schriftgut des Archivs auswertete, um die am Objekt nachgewiesenen Bauabschnitte mit Daten hinterlegen zu können.

Die Fassade, die derzeit mit einer aufwendigen Stahlträgerkonstruktion abgestützt wird, sei schon in vornapoleonischer Zeit in Neuss so aufgebaut worden, wie sie sich heute präsentiert, behauptet Pause. Den Nachweis glaubt er in einer Gebäudeschätzung aus dem Jahr 1816 gefunden zu haben. "Alle drei Häuser", so zitiert er daraus für die heute zum Sanitätshaus Wilhelmi zusammengefassten Ursprungsgebäude, "sind aus Fachwerk, zum Teil aber auch massiv."

Bei diesem Umbau Anfang des 19. Jahrhunderts – einer Zeit reger Bautätigkeit in Neuss – wurde das Gebäude auch in Richtung Quirinusmünster erweitert. Dabei verschwand die Kaiserstraße, eine Gasse ohne Funktion, die von den angrenzenden Hausbesitzern Stück für Stück schon überplant worden war. Pause ist fast überzeugt, dass diese Gasse den Verlauf des Grabens rund um die mittelalterliche Befestigung am Quirinusmünster nachzeichnet.

Der Keller des Hauses am Markt wiederum ist wohl schon Anfang des 17. Jahrhunderts mit Backsteinen ausgemauert worden. Eine Baustelle des Wiederaufbaus nach dem großen Stadtbrand im Jahr 1586. Das Säulenkapitell, das in diesem Keller gefunden wurde, ist nach Überzeugung der Stadtarchäologen deshalb auch ein Relikt der bei dem Brand vernichteten Marienkapelle am heutigen Markt.

Dieses Relikt soll geborgen werden, wenn der Keller, der weit unter den Markt ragt und bis vor gut 15 Jahren noch von dem Sanitätshaus benutzt werden konnte, aus Gründen der Tragfähigkeit verfüllt werden soll. Dazu wird die Decke des Kellers geöffnet und das Füllmaterial von oben eingebracht. Aber erst, wenn das Sanitätshaus eine neue Kellerwand bekommen hat. Und wenn die Stützkonstruktion überflüssig geworden ist. Darüber werde aber wohl November werden, vermutet Hartmann, der seine Pläne schwinden sieht: "Ich wollte Ende des Jahres mit dem Geschäft wieder drin sein."

Quelle: RP

 
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