Neuss (NGZ). Die Theaterpädagogin des Rheinischen Landestheaters, Stefanie Schnitzler, zieht nach ihrer ersten Neusser Spielzeit Bilanz und hat daraus Konsequenzen für die heute startende Saison gezogen.
Das Konzept stimmt, die Formate funktionieren: Mit ihrer ersten Saison als Theaterpädagogin am Rheinischen Landestheater ist Stefanie Schnitzler zwar zufrieden, aber keineswegs blind gegenüber den Schwächen, die sich bei der Umsetzung mancher Idee in die Wirklichkeit gezeigt haben. Das wichtigste Standbein ihres Konzeptes aber hat getragen: "Die Idee, Patenklassen oder -Kindergartengruppen für die Aufführung im Kinder- und Jugendtheater zu gewinnen, hat geklappt", sagt sie.
Kein Wunder also, dass die 40-Jährige, die mit der Verpflichtung am RLT nach Jahren außerhalb wieder in ihre Geburtsstadt zurückgekehrt ist, auch in der gerade anlaufenden Saison an der Idee festhält. Für die Inszenierung von Schillers "Die Verschwörung des Fiesco zu Genua" hat sie genau wie zum "Törleß" Paten im Quirinus-Gymnasium gefunden – die Jahrgangsstufe 11.
Mitspieler gesucht
Der Seniorenclub "Doppelherz" sucht noch Mitspieler – vor allem Männer zwischen 55 und 90 Jahren.
Am morgigen Samstag und am Sonntag gibt es einen Workshop von jeweils 14.30 bis 17.30 Uhr auf der Probebühne Wolberostraße 1. Neueinsteiger zahlen eine Gebühr von zehn Euro. Anmeldung unter s.schnitzler@rlt-neuss.de
"Das Konzept geht in beiden Richtungen auf", sagt sie, denn das Theater werde nach draußen getragen und gleichzeitig brächten die Schüler durch ihre Besuche und Gespräche "ein Stück Alltagswelt in unsere Kunstwelt". Und für die Schauspieler bedeuten die jungen Paten zudem schon zu einem frühen Zeitpunkt den Kontakt zum Publikum. Was Stefanie Schnitzler hingegen wurmt: "Ich stelle zur jeder Produktion Materialmappen für die Vorbereitung im Unterricht zusammen, die man sich im Internet über unsere Homepage herunterladen kann, aber kaum ein Lehrer hat das genutzt."
Von ihrer "Traumstunde für Frühaufsteher" an den unterschiedlichsten Orten wie Barfußpfad oder Kloster Knechtsteden hat sie sich hingegen ganz verabschiedet. "Die Treffen waren immer sehr schön", sagt sie mit leichter Wehmut, "aber der Aufwand auch für mich zu groß für die teilweise doch recht geringe Resonanz." Stattdessen gibt es in der neuen Saison eine Singstunde mit einem Schauspieler, wobei es da nicht ums Vorsingen, sondern um das gemeinsame Singen geht. Als Erste singt Melanie Vollmer mit den Besuchern, Termin ist am Montag, 29. September, 19 Uhr.
Die mit der VHS organisierte "Theatergemeinschaft", in der Singles sich zu Besuchen von vier Aufführungen zusammenschließen, ist gleich im ersten Anlauf ein großer Erfolg gewesen. "Deswegen gibt es den Kursus auch weiterhin", sagt Schnitzler, die eben auch weiß: "Man genießt Kunst viel mehr, wenn man mit anderen darüber reden kann, was sie mit einem macht."
Dass Senioren und Jugendliche gleichermaßen nicht nur gerne Theater besuchen, sondern auch spielen, zeigen die beiden Laienclubs "Bühnenstürmer" für Jugendliche und "Doppelherz" für Senioren. Zwar mussten beide sich von der engagierten Leiterin Katrin Singer trennen (sie hat eine feste Stelle als Theaterpädagogin in Heilbronn bekommen), aber Stefanie Schnitzler hat im Verein mit den beiden Clubs neue Leiter gefunden.
"Wir haben für beide ein Art Casting gemacht", sagt sie schmunzelnd, "und zu meiner Überraschung haben sich die Jugendlichen für eine Frau, die Älteren für einen Mann entschieden." In beiden Fällen handelt es natürlich um Profis. Die "Bühnenstürmer" werden von der 35-jährigen Schauspielerin, Theaterpädagogin und Sängerin Vivien Schröder geleitet. "Doppelherz" hat sich für den 32-jährigen Schauspieler, Regisseur und Theaterpädagogen Aydin Isik entschieden.
Info Alle theaterpädagogischen Projekte sind in einem Info-Heft zu finden, das im RLT ausliegt.
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