Neuss (NGZO). Die städtischen Tochterunternehmen im Konzern Stadt sollen der Mutter in der Krise helfen. Doch die sind in ihren Möglichkeiten eingeschränkt. Vier Strategien, ein Ergebnis: Mehr wird nicht zu holen sein.
Die Stadt steckt in der Klemme. 25 Millionen Euro fehlen am Jahresende in der Kasse. Helfen, so hatte sich das der Bürgermeister gewünscht, sollen die städtischen Tochterunternehmen. Doch die zieren sich. In die gestrige Sitzung des Hauptausschusses, in der hinter verschlossenen Türen mit allen Töchtern über das vergangene und kommende Geschäftsjahre gesprochen wurde, ging jeder mit einer eigenen Strategie. Denn alle wissen von den Begehrlichkeiten der Mutter im Konzern Stadt. "Der Wunsch wurde an uns herangetragen", berichtete Stephan Lommetz, der für den Konzern Stadtwerke und die Abfall- und Wertstofflogistik (AWL) als Geschäftsführer sprach. "Wir sollen prüfen, was da möglich ist."
Sparkasse: Eigenkapital
Die Sparkasse ist keine städtische Tochter, doch Neuss als Miteigentümer erhält jährlich eine Ausschüttung. Nicht so für 2008. Die Eigentümer verzichten. Sie wollten, so Unternehmenssprecher Stefan Meiser, "lieber die Stabilität der Sparkasse ausbauen". Der Gewinn wurde Eigenkapital.
Strategie 1 Wir dürfen nicht! Fein raus ist in dieser noch jungen Debatte das städtische Lukaskrankenhaus. Ihm bleibt, wie der Verwaltungsratsvorsitzende Dr. Heinz Günther Hüsch gestern darlegte, ein Reingewinn in Höhe von 500 000 Euro, doch davon sieht der Kämmerer keinen Cent. "Wir sind ein gemeinnütziges Unternehmen, alles muss im Lukas bleiben", stellt Geschäftsführer Sigurd Rüsken dar.
Strategie 2 Wir sind anders! Der Neusser Bauverein hat ganz andere Probleme als die Stadt. Mit einem Baubestand, so erklärte Vorstand Frank Lubig, von dem 60 Prozent vor 1970 erbaut wurden, steht das Tochterunternehmen weiterhin vor großen Investitionen. Ein Aspekt: energetische Sanierung. Ein anderer Punkt: Barrierefreiheit. Das Geschäft sei stabil, die Ertragslage auch. 770 000 Euro führte der Bauverein von seinem Gewinn ab. Ist mehr drin? Man dürfe das Unternehmen nicht nur unter finanziellen Aspekten sehen, betont Lubig und verweist auf die soziale Rendite, die der Bauverein erwirtschaftet. "Wir bringen einen Mehrwert", sagt er und meint die soziale Stabilisierung der Stadt. Diesen Mehrwert soll ein gerade in Auftrag gegebenes Gutachten in Euro ausdrücken.
Strategie 3 Wir können nicht! Die Neuss Düsseldorfer Häfen, für die gestern Ulrich Gross vortrug, konnten im Vorjahr 1,3 Millionen Euro Gewinn an die Eigentümer in Neuss und Düsseldorf ausschütten. Das entsprach 100 Prozent. Im laufenden Jahr, so kündigte er mit Blick auf die konjunkturelle Lage an, werde sich dieser Gewinn sicher mindestens halbieren. Wie die Häfen das Ergebnis verbessern könnten, um den Gesellschaftern zu helfen? "In dem sie Immobilien verkaufen. Aber man schlachtet nicht die Kuh, die man melken will", sagt Groß.
Strategie 4 Wir würden ja! Der Konzern Stadtwerke, der sich auch den Überschuss der AWL in Höhe von einer Million Euro mit der Stadt teilen konnte, hilft schon, indem er zum Beispiel die Verluste aus dem Bäderbetrieb und dem ÖPNV ausgleicht. Um das Konzernergebnis im Sinne der Eigentümerin Stadt zu steigern, müssten die Verbraucher-Preise angehoben werden. "Wir können uns aber nicht vom Markt entfernen", stellt Lommetz klar. 30 Strom- und sieben Gasanbieter in Neuss machen die Räume eng.
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