Neuss (NGZ). Neuss (emd) Die Zeiten, in denen Nisrin zum Einschlafen Geschichten vorgelesen wurden, sind längst vorbei. Heute greift die Neunjährige selbst zum Buch und liest ihren jüngeren Geschwistern das Gute-Nacht-Märchen vor. Manchmal sitzen auch die Eltern dabei und hören der jungen Vorleserin zu.
Als die Viertklässerin allerdings am Samstag ihr Buch aufschlug, waren deutlich mehr Ohren als sonst gespitzt, denn Nisrin saß nicht im heimischen Kinderzimmer, sondern im Lesesaal der Stadtbibliothek. Seit vier Jahren veranstaltet der Förderverein der Stadtbibliothek einen Lesewettbewerb für Schüler der vierten Klassen. Rund zwanzig Neusser Grundschulen hatten im Vorfeld ihre besten Vorleser gekürt und zur Endausscheidung geschickt. Zahlreiche Freunde und Verwandte lauschten den jungen Leseratten bei ihren Vorträgen.
Keine Überraschung also, dass die Aufregung dann deutlich größer war, als noch bei den Vorbereitungen zu Hause. „Ich habe meinen Text gut geübt, aber nervös bin ich trotzdem“, verrät Jan (zehn Jahre), der aus „Der kleine Vampir“ vorlas. In der ersten Runde stellten die Kinder einen selbst gewählten Text vor, der meist nur wenige Probleme bereitete, da die Passagen sehr gut eingeübt waren.
Vanessa (9) brachten selbst die aufmerksamen Blicke der Jury nicht aus der Ruhe und so gab es anschließend großes Lob von Mutter Claudia: „Ich habe die ganze Zeit mitgefiebert und bin jetzt richtig stolz.“ Auch Nisrin konnte mit sich zufrieden sein, denn sogar ihre schärfsten Kritiker gratulierten - die Geschwister.
Die Buchauswahl der Schüler war auffallend vielseitig. Von den „Drei Fragezeichen“ über Pferdegeschichten, bis hin zu historisch geprägten Erzählungen war alles vertreten, was auch Jurymitglied Mechthild Swertz anerkennend bemerkte: „Ich kann nur jedem Erwachsenen empfehlen, ab und zu ein Kinderbuch in die Hand zu nehmen.“
Im zweiten Teil des Wettbewerbs war eine unbekannte Textstelle die Herausforderung - für viele Kinder ein Hindernis. „Hier zeigt sich, wer wirklich fit ist im Lesen“, sagt Sabine Hustedt, Vorsitzende des Fördervereins. Erneut galt es, sich zu konzentrieren und möglichst flüssig die fast drei Minuten zu lesen. Schwierige Wörter und längere Sätze wurden aber dann schon zu Stolpersteinen, bei denen das Publikum kurz den Atem anhielt.
Trotzdem: Alle Kinder haben mit sicheren Vorträgen bewiesen, dass sie ihre Schule zu Recht bei dem Wettbewerb vertreten durften. „Ich glaube, dass Lesen bei Kindern wieder beliebter geworden ist“, meint Sabine Hustedt mit Blick auf das gute Niveau der Nachwuchsleser. Am Ende des Wettbewerbs gab es zwei erste Sieger. „Beide sind gleich gut“, lautete das Urteil. Jan Boland (Adolf-Clarenbach Grundschule) und Marvin Hillebrand (Leoschule) dürfen sich von ihren Mitschülern ausgiebig als erfolgreiche Vorleser feiern lassen.
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