Neuss (NGZ). Neuss Was sie sagen, spiegelt sich auch in ihren Gesichtern wider: „Wir sind rundum zufrieden!“ Immer wieder gehen ihre Blicke durch den Raum, ziehen die Füße hinterher und lassen die eine hier, die andere da stehenbleiben und begeistert auf ein Detail in der Arbeit der anderen deuten - drei Künstlerinnen, deren Arbeiten auf den ersten Blick nicht viel gemeinsam haben, haben es geschafft, im Ausstellungsraum des städtischen Atelierhauses - auch gerne Hansa 9 genannt (weil an der Hansastraße gelegen) - eine Schau zu konzipieren und den Eindruck zu erwecken, als sei nichts naheliegender, die Werke zweier Bildhauerinnen und einer Fotografin zusammen zu präsentieren.
Das Atelierhaus brachte sie zusammen, aber dass es zum gemeinsamen Ausstellungsprojekt kam, ist vor allem der Fotografin Sabine Köberling zu verdanken. „Ich fand die Arbeiten von Anja Maria Strauss von Anfang an unglaublich gut“, erzählt sie. Ihre Begeisterung über deren „Natural Art“ ist schließlich in Fotoarbeiten gemündet - obwohl ihr Metier doch eigentlich das Porträt ist.
Andererseits: Auch die Aufnahmen von den filigranen Werken Strauss’, die ihr Material in der Natur findet und dann zu ganz eigenwilligen, äußerst reizvollen Kompositionen verarbeitet, sind Porträts. Da sind zum Beispiel die Lotuskolben, die auf kleinen dünnen Stäben zu schwingen scheinen und auf den Schwarzweiß-Fotos Köberlings zu tanzenden Derwischen werden.
Ausstellung
Die Ausstellung mit den Arbeiten von Sabine Köberling, Carola Eggeling und Anja Maria Strauss wird morgen um 12 Uhr eröffnet. Die Einführung hält die Kunstwissenschaftlerin Dr. Carola Gries. Die Ausstellung läuft bis zum 15. Juni und ist mittwochs von 17 bis 20 Uhr und samstags und sonntags von 14 bis 18 Uhr zu besichtigen.
Mit dem Erfolg, dass man den Blick von den Fotos abwendet und die Gesichter im Original in den Stielansätzen sucht, weil man meint, selbige doch ganz bestimmt auf den Aufnahmen entdeckt zu haben ... Das ist auch genau das, was Köberling beabsichtigt: den Besucher neugierig machen, ihn etwas entdecken lassen, das er vorher nicht gesehen hat. Oder jedenfalls nicht so.
Ähnlich ging es der Fotografin auch mit den Plastiken von Carola Eggeling. Die Bildhauerin arbeitet mit Gips, Alpaka oder Bronze, erschafft Rundplastiken, die in ihrer Glätte und Klarheit zum Berühren geradezu herausfordern (ist aber natürlich verboten) und je nach Perspektive immer wieder neue Eindrücke vermitteln.
Eggelings Arbeiten und die von Strauss mit den Fotoarbeiten von Köberling als Klammer in einer Ausstellung - die Idee der Fotografin stieß bei den anderen beiden sofort auf Zustimmung; mit der Kunstwissenschaftlerin Dr. Carola Gries holten sie sich zudem jemanden an die Seite, der - darauf legt diese Wert „nur beratend tätig war“.
An Eggelings Arbeiten ist Sabine Köberling ähnlich herangegangen wie an jene von Strauss. Sie hat Detailaufnahmen gemacht, die eine Skulptur zu Stöckelschuhen werden lassen, eine andere auf den Kopf stellen.
Allen drei Künstlerinnen ist allen Unterschieden ihrer Arbeiten zum Trotz eine spannungsreiche Ausstellung gelungen. Dazu trägt ganz wesentlich auch die kluge Platzierung ihrer Arbeiten bei, die auch dem überaus schönen Schau-Raum im Atelierhaus eine Reverenz erweist. Wie sagte doch Kulturamtsleiter Harald Müller so passend, nachdem er den Raum betreten hatte: „Wie schön! Es ist richtig was los im Atelierhaus!“
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