Grimlinghausen. Die Volmerswerther Straße gibt es noch heute, und sie endet am Rhein - in Volmerswerth selbst wie im gegenüber liegenden Grimlinghausen. In dem heutigen Düsseldorfer Stadtteil war sie schon immer ein wichtiges Verbindungsglied zwischen der Stadt und den südlichen, ländlichen Bezirken.
In früheren Jahren kam ihr durch den Anschluss an die Rheinfähre noch eine zusätzliche Bedeutung zu. Während der Franzosenzeit war der untere Teil Zollbereich. Carl Heinrich von Mindel erwähnt in seinem "Wegweiser von Düsseldorf" von 1817 die damalige Volmerswerther Straße als die "Chaussee, die über die Neustadt bis Vollmerswerth an den Rhein nach Grimlinghausen, auf die Chaussee, welche von Neuss über Dormagen nach Cöln führt".
So steht es in dem Buch mit dem Titel "Volmerswerth - Insula Volmari", das anlässlich des 75-jährigen Bestehens der Volmerswerther Schützenbruderschaft über das Dorf herausgebracht wurde. Als die Idee aufkam, ein solches Buch zu verfassen, war das Echo im Ort äußerst positiv. Es wurden nicht nur viele alte Familienbilder zur Verfügung gestellt, sondern auch die Erinnerungen, die sich um diese ranken, mit Begeisterung erzählt. Es etablierte sich ein "Buch-Club", und sieben interessierte Volmerwerther Bürger griffen zur Feder, um "Geschichte und Geschichten" über das Dorf zu Papier zu bringen.
Das Resultat liegt jetzt vor: Ein Werk mit über 240 Seiten mit vielen schönen Abbildungen. Eines der Kapitel widmet sich auch der Verbindung zwischen Volmerswerth und Neuss, und da spielt die Volmerswerher Straße eine bedeutende Rolle - war sie dich der Weg, der hüben wie drüben zur Rheinfähre führte, dem Bindeglied zwischen Volmerswerth und Grimlinghausen. Der Fährverbindung von Grimlinghausen zur rechtsrheinischen Seite kam schon von altersher eine besondere Bedeutung zu.
Dort trafen sich in römischer Zeit bereits wichtige alte Heerstraßen, die an einem bestimmten Punkt bei Grimlinghausen eine Übergangsstelle begründeten. Die Hauptverbindungsstraße aus dem Jülicher Land fand ihre Fortsetzung in dem Holterweg, der auf der anderen Rheinseite nach Düsseldorf-Bilk und vor dort aus ins Bergische Land führte - die Volmerswerther Straße. Es sei deshalb davon auszugehen, schreiben die Autoren des Heimatbuches, dass von jeher zwischen Grimlinghausen und dem gegenüber liegenden Ufer eine Rheinfähre bestanden haben dürfte, die unabhängig von den Fährrechten von Hamm und Volmerswerth sowie der Quinheimer Fähre existierte.
Als der Rhein im Mittelalter seinen Lauf bei Neuss änderte und in etwa die Richtung einnahm, die er heute besitzt, kam der Fähre ein noch größerer wirtschaftlicher Wert zu. Der Verkehr vollzog sich im wesentlichen über die alte Fähre in Grimlinghausen und brachte dem Ort reiche Gewinne. Die Franzosen ersetzten während ihrer Besatzungszeit die Fähre nach 1794 zeitweise durch eine Schiffsbrücke, die sie nach ihrem Abzug 1806 zerstörten. Alle Bemühungen, den Fährbetrieb wieder aufzunehmen, scheiterten am Veto der preußischen Regierung. Endgültig abgelehnt wurden die Gesuche am 7. April 1842.
Erst sechs Jahrzehnte später gab der Staat die Erlaubnis zur Errichtung der angestrebten Ponte, doch infolge des bald darauf ausbrechenden 1. Weltkrieges kam diese Genehmigung zu spät. Nachdem Grimlinghausen beabsichtigte, die Fährverbindung wieder zu aktivieren, endete dies mit einem Rechtsstreit. Die Volmerswerther Erbberechtigten versuchten, die Fährrechte für sich allein von Volmerswerth bis Hamm in Anspruch zu nehmen. Grimlinghausen behielt jedoch seine "Fährgerechtigkeit".
Der Plan, von dort aus eine moderne Dampffähre einzusetzen und damit eine Basis für eine wirtschaftliche Verbesserung zu schaffen, führte 1904 zur Gründung einer Fährgenossenschaft. Am 13. Februar 1905 traf die Dampffähre "Maria Viktoria" in Grimlinghausen ein. Die Gesamtkosten betrugen einschließlich der Fährrampen 93.000 Reichmark. Auf das Fährschiff entfielen allein 39.000 Reichmark. Das Fährschiff, das von einer Dampfmaschine mit zwei Kesseln betrieben wurde, hatte eine Länge von 34 Metern und eine Breite von 8,10 Metern. Der Tiefgang berug beladen 0,72 Meter und die Tragfähigkeit 23 Tonnen. Immerhin 300 Personen und drei Fuhrwerken bot das Schiff Platz.
Nach der ersten Fahrt über den Rhein sprachen die Verantwortlichen Politiker von einer "Hochzeit zwischen Düsseldorf und Grimlinghausen". Den Ehering bildete das Fährschiff. Düsseldorf war die Jungfrau, die von dem vorzüglichen Brautwerber Grimlinghausen umworben wurde. Die besten Wünsche, welche die Fähre begleiteten, erfüllten sich nicht. Die rechtsrheinischen Verkehrsanbindungen waren unzugänglich und versagten der Fährverbindung den erwarteten Erfolg.
Bereits 1907 musste zur Abwendung des drohenden Konkurses die Fährgenossenschaft die Dampffähre, das Motorboot, die Anlegestellen auf beiden Rheinseiten und die Fährgerechtsame an die Stadt Düsseldorf verkaufen. Bis 1922 hielt die Stadt den Fährbetrieb aufrecht, um das Fährschiff dann ihrerseits zu veräußern. Bis zur Fertigstellung der Südbrücke im Jahr 1929 verkehrte nur noch ein Nachen zum anderen Rheinufer.
Auch die Geschichte über den Nachen, die Wiederaufnahme des Fährbetriebes nach dem 2. Weltkrieg und die endgültige Einstellung am 1. September 1962 wird ausführlich in dem Kapitel beschrieben. Das interessante und lesenswerte Heimatbuch über Volmerswerth ist zum Abholpreis von 40 Mark auch in Neuss zu erwerben, und zwar bei: Buchhandlung Ratka, Krämerstraße 8; Neusser Buchhandlung, Büchel 10; Raiffeisenbank Grimlinghausen, Cyriakusstraße 57. Gunther Klau
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