Neuss (NGZ). Heike Krosch aus Neuss musste von staatlicher Unterstützung leben. Eine clevere Geschäfts-Idee hat sie gerettet. Seit gut drei Jahren bietet die 45-Jährige einen Rundum-Hilfsservice für Senioren an. Eine Erfolgsgeschichte.
"Nicht vermittelbar". Dieser Satz klingt Heike Krosch noch heute in den Ohren. Denn, wer vom Sachbearbeiter beim Arbeitsamt "nicht vermittelbar" an den Kopf geknallt bekommt, befindet sich normalerweise auf direktem Weg in die Abteilung Hartz IV. Nach 18 Jahren im Beruf, drei Jahren Elternzeit, circa 70 Bewerbungen und genauso vielen Absagen war das für die 45-jährige gelernte Arzthelferin aus Neuss eine schlimme Erfahrung. "Meine Familie", sagt sie, "hat ein Jahr lang von staatlicher Unterstützung gelebt. Das ist etwas, was ich wirklich niemandem wünsche. Deshalb habe ich selbst nach einem Ausweg gesucht."
Die Richter der Bundesverfassungsgerichts und FDP-Chef Guido Westerwelle haben die Diskussion angestoßen. Derzeit streitet ganz Deutschland über Hartz IV. Wie viel Geld braucht eine Familie, um menschenwürdig leben zu können? Müssen Unterstützungs-Empfänger, die Arbeit verweigern, härter bestraft werden? Heike Krosch hat dazu ihre eigene Meinung. "Nur zu Hause rumsitzen und keine Aufgabe zu haben, ist das Schlimmste", sagt sie. "Ich kann mir gar nicht vorstellen, dass das jemand anders sieht."
Selbstständig machen
Beratung bietet zum Beispiel das Amt für Wirtschaftsförderung an. Ansprechpartnerinnen: Beatrix Schuren, Tel. 02131 903110, Sylvia Groten, Tel. 02131 903119. Existenzgründerinnen und Unternehmerinnen treffen sich an jedem ersten Donnerstag ab 19 Uhr in der Gaststätte "Im Dom", Michaelstraße 75-77. www.neuss.de/wirtschaft/existenzgruendung
Finanzielle Starthilfe
Die 45-jährige Mutter einer elfjährigen Tochter jedenfalls hat sich am eigenen Schopf aus dem Depressions-Sumpf gezogen, ein Existenzgründerseminar besucht und finanzielle Starthilfe beantragt. Heute macht sie beruflich, was sie gerne tut: für andere dasein – und das mit Erfolg. Im Juni 2007 meldete Krosch ihr Gewerbe an.
"Heike hilft" heißt der Senioren- und Dienstleistungsservice, den die clevere Geschäftsfrau quasi am Küchentisch gegründet hat. Vom Arbeitsamtszuschuss druckte sie 1000 selbst entworfene Flyer, die sie rund um ihren Wohnort im Stadionviertel verteilte. Einkaufen gehen, Behördengänge und Schriftverkehr erledigen, Zierpflanzen gießen, Vorlesen, Spazierengehen, Wohnungen oder Kleintiere betreuen gehört seither zu Heikes Komplett-Angebot.
"Ich bin keine Altenpflegerin", sagt Krosch. "Aber ich kann gut mit Menschen umgehen." Und das spricht sich rum. Fünf bis sechs feste Stammkunden hat die frühere Hartz-IV-Empfängerin mittlerweile pro Woche. "Mein Terminkalender", sagt sie, "ist proppevoll. Das Geld, das ich jetzt verdiene, ist nicht das Wichtigste. Die Krise hat mich stark und kreativ gemacht."
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