"Der Schüler hat das Recht, in der Schule seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern." Was in der Allgemeinen Schulordnung (AScho) so selbstverständlich klingt, ist für viele Schüler oftmals ein heißer Tanz mit Lehrern und Schulleitungen. Das wurde am Mittwoch bei einem Empfang von Schülerzeitungsredakteuren deutlich, die in einem Gespräch mit Bürgermeister Herbert Napp von den Erfahrungen, Sorgen und Nöten bei der Erstellung ihrer Schülerzeitung berichteten. Bürgermeister Herbert Napp diskutierte mit Redakteuren von vier Neusser Schülerzeitungen. NGZ-Foto: A. Woitschützke
Die größte Hürde, die die Redakteure zu überwinden haben, liegen weniger in der Finanzierung oder Themensuche: Sie besteht in der drohenden Zensur durch die Schulleiter. Herbert Napp war am Ende des Erfahrungsaustausches sichtlich überrascht: "Ich habe gedacht, die Schülerzeitungen könnten sich heutzutage freier entwickeln als noch zu meiner Zeit." Napp gehörte in den 60er-Jahren selbst zum Redaktionsteam der Schülerzeitung "Ventil" des Quirinus-Gymnasiums", "von der die Schulleitung nicht gerade begeistert war."
Die Verhältnisse scheinen unverändert. "Bei manchem kritischen Artikel stoßen wir bei der Schulleitung nicht gerade auf Gegenliebe", sagte Mareike Dick, Redaktionsleiterin von "Globe", der Schülerzeitung des Quirinus-Gymnasiums. "Wir haben öfters Konflikte", ergänzte Nils Zündorf. An ihrer kritischen Haltung wollen sie nichts ändern und machten auch ihren "Kollegen" Mut.
An der Ganztags-Realschule in Norf, wo die Schülerzeitung "Feuerbach" im Rahmen einer Arbeitsgemeinschaft entsteht, muss der Inhalt von der Schulleitung genehmigt werden, ebenso am Marie-Curie-Gymnasium, wo die erste Ausgabe des "Leuchtturms" in Arbeit ist. Für die Quirinus-"Profis" unverständlich, sie verweisen auf die "AScho", in der es unmissverständlich heißt: "Die Schüler haben das Recht, Schülerzeitungen herauszugeben und auf dem Schulgrundstück zu verbreiten......Sie (die Schülerzeitungen) unterliegen nicht der Verantwortung der Schule......Die Herausgabe und der Vertrieb der Schülerzeitung bedürfen keiner Genehmigung. Eine Zensur findet nicht statt."
Man müsse auch mutig sein und sich nicht einschüchtern lassen, hieß es. Bei einigen Schüler klang allerdings die Sorge durch, dass sich kritische Artikel auf die eigene Schulnote negativ auswirken könnten. Die Meinung der Quirinus-Schüler war klar: "Gute Schüler haben es in einer Schülerzeitung leichter, sich kritisch zu äußern."
Die positive Ausnahme im gestrigen Kreis war die Janusz-Korczak-Gesamtschule: "Wir können alles schreiben, was wir wollen: Kritisch, aber nicht beleidigend", sagte Tanja Klüners. "Wir müssen unsere Zeitung ,Paranoia' auch nicht vorlegen." Nicht zum besten steht es oftmals auch um die Arbeitsbedingungen: Von einem Informatikraum mit 20 Computerarbeitsplätzen wie an der Korczak-Schule können andere, die mit vier Quadratmetern auskommen müssen, nur träumen.
Insgesamt sieht die Schülerzeitungs-Landschaft in Neuss eher traurig aus: Lediglich an fünf der 24 weiterführenden Schulen gibt es eine Schülerzeitung. Napp versprach, den Gedankenaustausch fortzusetzen. Über eine "Börse", wo Schülerzeitungsredakteure ihre Erfahrungen austauschen können und Interessierte, die an ihrer Schulen ein Produkt starten wollen, sich informieren können, müsse nachgedacht werden. -schum
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