Neuss (NGZ). Neuss Zu später Stunde erhob sich Achim Tilmes. Der Rekeliser-Ordensträger trug einige Gedanken „über den Sinn dieses Abends“ zusammen. Schließlich hatten sich rund 50 Heimatfreunde auf Einladung der Brauchtums- und Karnevalsgruppe (BKG) im „Herzog von Burgund“ zusammengefunden. Dieser Abend sei - so Tilmes - für „‘ne herrliche Nüsser Kall“ gedacht.
Und so rekelten nicht nur die offiziellen Redner, Lothar Bäsken und Heinz Dieter Nehr, sondern auch die Gäste aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Bereits zum dritten Mal hatten die BKG-Heimatfreunde zur Sessionseröffnung in das Restaurant der altehrwürdigen „Gesellschaft Erholung“ geladen. Einer der Redner des jeweiligen Abends avancierte im Jahr drauf dann stets zum neuen Rekeliser-Ordensträger: zunächst Achim Tilmes, dann Heinz Gilges, dessen Ordensverleihung für den Januar mit Spannung erwartet wird.
Es lag also nahe, wenn sich Achim Tilmes in seinem Zwischenruf darüber Gedanken machte, wer also der nächste Kandidat für die begehrte Rekel-Auszeichnung sein könne. So wurde das Treffen zum Schaulaufen der Neusser Rekeleien im „Plüschsalon zum Tiefenbacher“.
Verbindung ins Jenseits
Fast unmerklich begann Heinz Dieter Nehr seine kurze und prägnante Rekelei. Wie nebenbei zückte er sein Handy und telefonierte mit halblauter Stimme. Als klar wurde, dass am anderen Ende der Leitung Jean Dahmen sein sollte, wurden die Gäste aufmerksamer. Schließlich ist der legendäre „Schäng“ Dahmen - langjähriger Sitzungspräsident des „Nüsser Ovends“ - schon seit geraumer Zeit in die Ewigkeit abberufen. Eine Verbindung ins Jenseits schien Interessantes zu versprechen. Dahmen ließ sich von Nehr auf den neuesten Stand der Dinge bringen. „Nee, Horten jüddet ni mie.
Do sen jetzt et Theater un die Kreisverwaltung drin. - Eja, has recht, dat is eh datselbe.“ Natürlich wollte „dä Schäng“ auch einiges über den „Nüsser Ovend“ hören. Dass nicht einmal mehr das erfolgsverwöhnte Trio „ABC“ (Ackermann, Baaken, Hüsch) auftritt, kommentierte Nehr so: „Die haben das burn-out-Syndrom. Die hant keine Lust mehr.“
Mit Lothar Bäsken hatte die BKG einen wortgewaltigen Karnevalisten eingeladen, der diesmal jedoch die leiseren Zwischentöne bevorzugte.So fiel dem ehemaligen Karnevalsprinzen anlässlich eines Polizeiempfanges des Landrates eine alte Uniform der DDR-Volkspolizei in die Hände. Mit dieser machte er sichnach Ostdeutschland auf, um dort in alter Kluft neue Verkehrskontrollen durchzuführen. Nicht alle Ostdeutschen hatten Verständnis für diesen rheinischen Humor.
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