Neuss (NGZ). Vor 20 Jahren taufte Dorothee Reinartz eine Boeing 737-300 der Lufthansa auf den Namen der Quirinusstadt. 45 250 Starts und Landungen später, ist der Jet immer noch in der Luft. Heute startet er um 7.10 Uhr in Mailand.
Boeing 737-300 "Neuss"
Länge 33,40 Meter
Spannweite 28,90 Meter
Geschwindigkeit 795 km/h
Reichweite 2590 Kilometer
Sitzplätze 127
Flugstunden rund 52 800
Lufthansa-Flüge etwa 45 250
In der Lufthansa-Flotte mit mehr als 300 Maschinen sind noch immer 33 vom Typ Boeing 737-300 unterwegs.
Übernachtet hat sie in Mailand. Und bis heute Abend die Triebwerke der Boeing 737-300 wieder abgestellt werden können, hat der Lufthansa-Jet mit Namen Neuss die Alpen überquert und von seinem Heimatflughafen Frankfurt aus Hannover angeflogen und danach noch zwei Mal Berlin. Denn die Neuss ist ein tüchtiger Lastesel – und das schon seit 20 Jahren.
Die Tradition, Flugzeuge der Lufthansa mit den Namen deutscher Städte und Bundesländer zu versehen, ist genau 50 Jahre alt. Damals wurde eine "707" auf den Namen Berlin getauft. Taufpate war Willy Brandt. Und seitdem ist es Prinzip der Flotte, dass eine einmal übernommene Patenschaft weiter besteht – auch wenn das so getaufte Flugzeug ausgemustert wurde. "Dann gibt es eine Namensübertragung auf eine andere Maschine", erklärt Patrick Meschenmoser, der Patenschaftsbeauftragte der Lufthansa. Aber die "Neuss", versichert er, ist immer noch das Original.
Mit Quirinussekt getauft hat den Flieger mit dem Kennzeichen "D-ABXL", der seitdem mit dem Wappen der Stadt auf Kurz- und Mittelstreckenflügen unterwegs ist, Dorothee Reinartz. Schöne Erinnerungen hat die Frau des damaligen Bürgermeisters an diesen Festakt in der Wartungshalle 5 des Düsseldorfer Flughafens: "Das war ein Erlebnis." Doch den Tag der Taufe verbindet sie mit anderen Ereignissen. Denn am Abend dieses 9. November 1989 fiel in Berlin die Mauer.
Geflogen ist Reinartz mit der Neuss nur einmal und das zehn Jahre später. Als sie beim Einstieg den Schriftzug "Neuss" erkannte, entfuhr es ihr eine Spur zu laut: "Die habe ich getauft." Und prompt kam der Kapitän um sie persönlich zu begrüßen.
An eine solche Zufallebegegnung mit der Neuss erinnert sich auch Wolfgang Maes. Die Urlaubsreise nach Griechenland war sein zweiter Neuss-Flug, denn als Fotograf der NGZ hatte der Neusser den Jungfernflug miterlebt und die Maschine vom Boing-Werk Seattle nach Hamburg überführt. "Ein totales Abenteuer", erinnert er sich, denn die in den USA übernommene Maschine war innen noch nicht ausgebaut. Zu viert in dem großen Flieger, nur provisorisch gesichert, so kam er mit dem fabrikneuen Jet über den großen Teich.
Bis heute hält die Lufthansa Kontakt. Jahr für Jahr geht beim Bürgermeister ein Weihnachtsgruß des Chefpiloten ein – und wird prompt beantwortet. Im Rheinland zu sehen ist die Neuss selten. Als hätte sich das Bürgermeister Berthold Reinartz gewünscht, als er 1989 sagte: "Fliegen Sie um Neuss ruhig einen größeren Bogen."
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