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Neuss: Ein Krankenhaus verschenkt

VON CHRISTOPH KLEINAU - zuletzt aktualisiert: 13.04.2008 - 21:30

Neuss (NGZ). Ciacova in Rumänien : ein ärmlicher Ort im ländlichen Banat. Dort wurde aus Geldern der „Ellen und Peter Czygan-Stiftung - Medical Care“ ein Haus zur medizinischen Erstversorgung er- und eingerichtet. Samstag war Eröffnung .

„Zwei Drittel der Welt sind bedürftig“: Dr. Ellen und Professor Peter Czygan 
engagierten sich letztlich mit ihrer Stiftung in Rumänien. Nach der Eröffnung 
„ihrer“ Krankeneinrichtung, kehren sie am Montag mit einem Lastwagenkonvoi zurück.  Foto: NGZ
„Zwei Drittel der Welt sind bedürftig“: Dr. Ellen und Professor Peter Czygan engagierten sich letztlich mit ihrer Stiftung in Rumänien. Nach der Eröffnung „ihrer“ Krankeneinrichtung, kehren sie am Montag mit einem Lastwagenkonvoi zurück. Foto: NGZ

Neuss/Ciacova Festtag in Ciacova. Der 12 000 Seelen zählende Ort im rumänischen Banat hat seit Samstag eine eigene, moderne Krankenstation. Sechs Jahre lang wurde geplant, verhandelt und gebaut, am Samstag das Werk in Anwesenheit des deutschen Konsuls und zahlreicher Fernsehsender seiner Bestimmung übergeben.

Auch für Dr. Ellen und Professor Peter Czygan krönte der Samstag eine lange Entwicklung, denn das Ambulatorium ist ihr Werk. Nicht nur, dass die „Ellen und Peter Czygan Stiftung - Medical Care“ das kleine Krankenhaus zur Primärversorgung bezahlt hat und damit auch viel privates Geld der beiden Neusser Ärzte in dem Vorhaben steckt.

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Ciacova

Der Ort im ehemals deutschsprachigen Banat liegt im Grenzgebiet zu Serbien und Ungarn. Folge sind sprachliche, ethnische und religiöse Probleme, die die Lage auf dem Land weiter verschärfen. Dort leben viele Menschen in ärmlichen Verhältnissen. Czygan: „Wie vor dem Ersten Weltkrieg.“

Auch bei Planung, Bau und Einrichtung behielten beide die Fäden in der Hand. Damit ist Schluss. „Wir wollen, dass die Einrichtung selbständig wird“, sagt Ellen Czygan. Auch wenn sie im Besitz der Stiftung bleibt.

Seit 34 Jahren bereisen die Neusser die Welt, sind vor allem in Entwicklungsländern unterwegs. Projekte und Vorhaben in Süd- und Mittelamerika fanden ihre Unterstützung, bis Czygans zu der Überzeugung kamen: „Die Dritte Welt liegt auch in Europa. Ganz in unserer Nähe - in Rumänien.“

Hans Rosenkranz, Technischer Direktor des Clemens-Hospitals in Oberhausen, hatte beiden zu dieser Einsicht verholfen. Dieser Mann, der seit 20 Jahren zwei Mal im Jahr im Auftrag der Caritasauslandshilfe des Bistums Essen Hilfsgütertransporte nach Ciacova organisiert und von dort aus im Land verteilt, wurde zum Anstifter für das Krankenhausprojekt, dessen Realisierung wiederum 2001 zunächst die Gründung der Stiftung „Medical Care“ auslöste.

Mit Rosenkranz hatten die Czygans einen verlässlichen Partner, der schon viele Wege gebahnt hatte. Ein zweiter Helfer wurde mit Pastor Georg Kobor gefunden, der die Caritas in Ciacova leitet. Er wird das Ambulatorium vor Ort betreuen und auch entscheiden, welcher Patient so bedürftig ist, dass die Czygan-Stiftung seine Behandlung bezahlt.

Ein einfaches Unterfangen war der Bau trotzdem nicht. Von den vielen Entscheidungen, die in der Folge den Eheleuten abverlangt wurde, war die beste, so Czygan, „uns nur noch auf uns selbst zu verlassen.“

Da lagen schon zwei frustrierende Jahre hinter beiden, in denen sie letztlich erfolglos mit örtlichen Behörden verhandelt hatten, die zunächst ein Gebäude zum Umbau zur Verfügung stellen wollten. Czygans gründeten 2004 eine weitere Stiftung in Rumänien, um ihr Projekt abzusichern, kauften Grundstücke, rissen die darauf stehenden Häuser ab und begannen 2005 mit dem Neubau.

Der sollte deutschen Standard haben, denn, so Peter Czygan: „Wir wollten etwas schaffen, das Bestand hat.“ Ein Hochwasser im Jahr 2005 stellte zwar einen Rückschlag dar, doch das Ziel war im Blick.

Von heute an wird ein von der Stiftung bezahlter Arzt in dem Haus arbeiten, das allen Ärzten am Ort als Behandlungsort offen steht, aber auch einen Behandlungsplatz für Zahnärzte oder Räume für Krankengymnasten vorsieht. Fachärzte halten abwechselnd ihre Sprechstunden.

Viele tragbare Geräte wurden angeschafft, damit auch Hausbesuche gemacht werden können. Begonnen aber wird auf Rechnung der Stiftung mit einer Reihenuntersuchung der 12 000 Menschen im Einzugsgebiet. Denn auch wenn die Krankenversorgung gesetztlich geregelt ist - vor Ort ist sie nicht existent. So kennt niemand den Bedarf.

Quelle: NGZ


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