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Neuss: Ein Stück Grün im Hafen

VON JASCHA HUSCHAUER - zuletzt aktualisiert: 11.04.2011

Neuss (NGZ). Eine kleine Gruppe von NGZ-Lesern konnte gestern an einer Exkursion durch das Naturschutzgebiet der Neusser Ölgangsinsel teilnehmen. Dank Fernglas waren Vögel beim Nestbau und im Flug gut sichtbar.

Sie bekamen bei dem Ausflug viel zu sehen: Hans Hubert Loevenich, Wilfried Ehmke, Biologe Oliver Tillmanns , Elisabeth und Karlheinz Kurth (v.l.).   Foto:  Lber
Sie bekamen bei dem Ausflug viel zu sehen: Hans Hubert Loevenich, Wilfried Ehmke, Biologe Oliver Tillmanns , Elisabeth und Karlheinz Kurth (v.l.). Foto: Lber

Nicht nur Biologen begeistert die Ölgangsinsel. Den einzigen schwarzen Milan im gesamten Rhein-Kreis und viele andere Tierarten bietet das Neusser Naturschutzgebiet am Rhein. Hinter dem Hafen, vorbei an Fabriken und Produktionshallen, tut sich eine der schönsten Grünflächen von Neuss auf. Unter Anleitung des Biologen Oliver Tillmanns konnten gestern einige NGZ-Leser in die beeindruckende Tierwelt eintauchen. Am frühen Sonntagmorgen hat sich die illustere Runde getroffen, um den grünen Zipfel von Neuss zu durchwandern.

Die Ölgangsinsel umfasst ein rund 60 Hektar großes Gebiet. Unter Naturschutz steht nur der 1000 Meter lange und 500 Meter breite Nordteil. Schließlich sind hier 231 Pflanzenarten, darunter acht gefährdete, beheimatet. Insgesamt sind 370 Tierarten nachgewiesen, von denen 67 gefährdet sind. In Zukunft soll das Gebiet durch mehr Wassermulden wieder feuchter werden. Denn der Tagebau in Garzweiler beeinflusst auch dort das Grundwasser. Vor allem für Wasservögel und Reptilien ist eine hohe Feuchtigkeit wichtig. Früher war das Gebiet nämlich tatsächlich eine Insel. In dem kleinen Nebenfluss des Rheins, dem Gang, gab es damals viele Aale – im Nüsser Platt "Öl" genannt, was der Ölgangsinsel den Namen gab.

Info

Oliver Tillmanns

Biologe Oliver Tillmanns veranstaltet regelmäßig naturkundliche Exkursionen. Er arbeitet in einem Gutachterbüro in Köln.

Arbeitsgebiet Zum Einsatz kommt er, wenn Planungsvorhaben auf ihre Umweltverträglichkeit getestet werden.

Ölgangsinsel Die Ölgangsinsel hat Tillmanns vor drei Jahren bei einem Monitoring kennengelernt.

Dank einer Sondergenehmigung der Stadt durfte die kleine Gruppe das Naturschutzgebiet betreten. Normalerweise ist das verboten. Aus gutem Grund, wie Oliver Tillmans weiß. In einigen Gebieten sei es zu Brutausfällen gekommen, weil Vögel sich nicht mehr an ihr Nest getraut hätten, nachdem dort Menschen waren. Die Teilnehmer der Exkursion aber lernten die Tiere gut kennen. Tillmanns kann alleine durch den Gesang erkennen, ob ein Raubvogel das Gebiet überfliegt, ein Vogel in seinem Nest oder auf der Balz ist. Mit Ferngläsern ließen sich die Vögel auch wie aus der Nähe betrachten. Besonders beeindruckt waren die Teilnehmer vom Nestbau der Reiher.

Der Höhepunkt aber war der schwarze Milan. Nachdem er sich zu Beginn nur kurz zwischen den Zweigen sehen ließ, flog er kurz vor Schluss noch eine Ehrenrunde am Himmel. Dank eines Mäusebussards, der kurze Zeit später einen Überflug über die Ölgangsinsel wagte, konnte man den Unterschied zwischen beiden Tieren gut erkennen.

Die Teilnehmer waren jedenfalls begeistert. "Toll, was Sie uns zeigen", lautete das Lob an Tillmanns. Der aber blieb bescheiden: "Die Artenvielfalt mache den Rundgang spannend." Doch die Teilnehmer waren sich einig: "Es braucht auch immer jemanden, der einem die Augen öffnet."

Quelle: NGZ


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