Neuss (NGZ). Mia Henke ist eines der "Topmodels" in der Ausstellung "Augenblick – Würde im Alter". Der Düsseldorfer
Fotograf Christoph Bünten will damit zeigen, dass auch die Bewohner eines Seniorenheims in Würde altern können.Trotz ihrer 90 Jahre tritt Mia Henke ohne Make-up vor die Kamera. Beim Foto-Shooting mit dem Düsseldorfer Fotografen Christoph Bünten verlässt sich die gebürtige Neusserin ganz auf ihr natürliches Aussehen. Wie ein Profi lächelt sie auf Zuruf oder schaut etwas ernst in die Linse des Fotografen. Scheu oder Allüren kennt die 90-Jährige auch vor der Kamera nicht: "Ich habe schon immer gerne mit Menschen zusammengearbeitet. Ob einer eine Kamera in der Hand hat, stört mich nicht und macht mich auch nicht nervös." Mia Henke ist eines der Fotomodels aus einem Krefelder Seniorenheim, die zurzeit in der Ausstellung "Augenblick – Würde im Alter" zu sehen sind.
Die Ausstellung
Wo Gerhard-Tersteegen-Haus, Virchowstraße 109, Krefeld
Kontakt beim Seniorenheim unter Tel. 02151 82080
Wann Bei "Augenblick – Würde im Alter" handelt es sich um eine Dauerausstellung. Sie kann zurzeit montags bis sonntags in der Zeit von 8 bis 18 Uhr besucht werden.
Mehr Informationen auf der Homepage des Künstlers:
Krankheiten beiseite schieben
Ihr eigenes Porträt auf einer großformatigen Fototafel zu sehen und von fremden Menschen gesehen zu werden: "Das ist schon etwas ungewohnt, aber auch schön." Mit ihren 90 Jahren hat Mia Henke, geborene Jüdermann, es geschafft – als Profimodel in eine Ausstellung des Düsseldorfer Fotografen Christoph Bünten. Dass das Bild sie nicht in der Blüte ihrer Jugend zeigt, findet sie überhaupt nicht bedauerlich. "Ich finde, dass auch wir älteren Menschen gut und schön sind. Viele Menschen haben mir schon gesagt, dass ihnen die Fotos von mir und den anderen Bewohnern aus dem Seniorenheim gefallen. Das fühlt sich gut an. Warum sollten nur junge Menschen vor die Kamera?"
In Würde altern – das habe sie geschafft, sagt Henke. "Ich habe ein gutes Leben hinter mir, mit meinem Mann. Wir sind viel in der Weltgeschichte herumgereist. Er starb erst vor drei Jahren. Darüber denke ich nach und sage mir: Du hast es doch gut gehabt. Und ich habe es noch gut. Und mein Gesicht zeigt das." Ihr Mann, das war Eberhard Henke. Viele Jahrzehnte war er Geschäftsführer der Turngemeinde Neuss, Ehrenmitglied der Gemeinde und auch des Kreissportbunds und des Stadtsportverbands. Er starb in dem Seniorenheim, in dem Mia Henke nun seit vier Jahren lebt.
In Würde zu altern, dass sei auch im Alter mit Krankheiten und im Seniorenheim möglich: "Ich bin schwerkrank. Vor vielen Jahren hatte ich einen Unfall. Ein Autofahrer fuhr mich auf dem Bürgersteig an. Beckenbruch. Doch meine Krankheit schiebe ich immer beiseite. Und im Heim ist man gut zu mir."
Wenn sie Heimweh nach Neuss hat, telefoniert sie mit Freundinnen. "Sie sagen mir dann: ,Du brauchst nicht traurig sein, es gibt hier kaum noch wen, den Du kennst.'" In einem Krefelder Seniorenheim zu leben, älter zu werden, hat Mia Henke sich nie vorgestellt. "Krefeld kannte ich bis vor ein paar Jahren gar nicht. Ich wusste wirklich nicht, wo die Stadt lag."
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