Neuss (NGZ). Norf Punkt sieben Uhr nahm Bernd Hübner am Montag Morgen seinen Dienst auf. Als der Hausmeister sein Büro aufschließen wollte, „sah ich schon die ganze Bescherung“. Einbrecher hatten am Wochenende die Ganztagsrealschule Norf heimgesucht und in einigen Räumen wie die Vandalen gehaust. Das traurige Ergebnis in der Weihnachtswoche: zerschlagene Türen, defekte Rahmen, aufgebrochene Schränke, Graffiti-Schmierereien, gestohlene Flachbildschirme. Hübner alarmierte über Notruf sofort die Polizei.
Schulleiter Werner Wehres konnte es kaum fassen, als er zur Schule kam. Die Kriminalpolizei war schon vor Ort und gemeinsam gingen sie die ganze Schule ab. Sie sind offenbar über einen Zaun gestiegen und dann in die Räume der „Sofa“, der Sozialarbeiter- und Freizeitabteilung, eingedrungen. Eine Tür zerstörten sie mit brachialer Gewalt komplett und ließen sie in Einzelteilen zurück, eine andere wurde aus dem Rahmen gebrochen.
„Wir haben am Vormittag so rasch wie möglich aufgeräumt, um den Kindern nachher wieder die gewohnte Umgebung zu bieten“, sagte Schulsozialarbeiter Karsten Börgershausen. Die Täter hatten offenbar auch Hunger, griffen sich Thunfischdosen, Toasts und Snacks.
Die Vandalen drangen in das Hausmeister-Büro ein, besorgten sich dort Schlüssel für andere Räume. Den für das Büro von Rektor Wehres hatten sie allerdings nicht, so dass sie die Tür ebenfalls mit Gewalt öffneten.
Die Ganztagsrealschule ist kein Einzelfall. Ebenfalls am Wochenende drangen Unbekannte in die Herbert-Karrenberg-Schule an der Neusser Weyhe ein, durchwühlten Büros und den Lehrertrakt und entwendeten Geld sowie zwei Flachbildschirme.
Noch viel schlimmer erwischte es die Leoschule. Wie die NGZ erfuhr, wurde die katholische Grundschule in den vergangenen drei Wochen gleich vier Mal von Einbrechern aufgesucht. Das ist rekordverdächtig. Das erste Mal kamen die Einbrecher am letzten November-Wochenende, das zweite Mal in der Zeit zwischen dem 8. und 12. Dezember, ehe sie den Takt erhöhten und an zwei aufeinander folgenden Nächten die Leoschule heimsuchten: 11./12. und 12./13. Dezember.
Nach Angaben des Schulverwaltungsamtes wurden inzwischen „besondere Maßnahmen“ ergriffen, so Amtsleiter Gottfried Scheulen. Gestohlen wurden vorwiegend Flachbildschirme.
Die Polizei hat in diesem Jahr 32 Einbrüche in Schulen registriert, neun davon in der Nordstadt. Besorgniserregend sei dies nicht, sagt Polizei-Sprecher Bernd Schmutzler, „das ist normal“. Daher gebe es auch kein spezielles Präventionskonzept für Schulen. Schmutzler: „Die Kollegen des Kommissariats Vorbeugung bieten eine Beratung zum Einbruchsschutz an.“ Die Schulverwaltung hält sich zurück. Befragt zu den jüngsten Einbrüchen sagte Dezernentin Dr. Christiane Zangs: „Dazu will ich nichts sagen.“ Mit Blick auf den aktuellen Fall in Norf äußerte sie sich „tief bestürzt und traurig. Die Täter zerstören Allgemeingut“.
Werner Wehres ließ sich am Montag Vormittag nicht aus der Ruhe bringen. Während die Kriminalbeamten auf Spurensuche gingen, schickte er alle Schüler auf den Schulhof beziehungsweise in die Turnhalle. Als die Polizei ihre Untersuchungen abgeschlossen hatte, begann um kurz nach 9 Uhr der normale Unterricht. „Die Schüler haben das alles mit großer Disziplin überstanden“, lobte Wehres. Stressiger war es für Hausmeister Hübner. Der musste gleich nach Dienstschluss zur Hauptwache, um den Beamten noch einmal Rede und Antwort zu stehen.
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