Neuss (NGZ). Für die Rettung zweier ins Eis eingebrochener Jungen wurden Taucher aus Düsseldorf, nicht aber die direkt am Reuschenberger See stationierte Wasserwacht alarmiert. Die Polizei prüft, ob die Rettungskette funktioniert hat.
Freitagmorgen in der Kreisleitstelle der Feuerwehr: Beamte der Kriminalpolizei durchsuchen die Räume im Hammfeld, sichten Unterlagen und Einsatzpläne, halten Ausschau nach Anhaltspunkten dafür, dass beim Eis-Rettungseinsatz am Donnerstagnachmittag irgendetwas schief gelaufen ist. Die Frage ist: Warum wurden, als es darum ging, zwei in den zugefrorenen Reuschenberger See eingebrochene Kinder möglichst schnell aus dem Wasser zu ziehen, Taucher der Feuerwehr Düsseldorf angefordert, nicht aber die ehrenamtlichen Retter der DRK-Wasserwacht Neuss. Letztere haben ihre Station am Südpark, keine 300 Meter Luftlinie von der Unglücksstelle entfernt.
Glück im Unglück
Die verunglückten Jungen waren am Donnerstag mit dem Fahrrad unterwegs. Die Tatsache, dass der Neunjährige einen leuchtend blauen Helm trug, war Glück im Unglück: So konnten ihn die Retter unter Wasser schnell finden.
Dem Zehnjährigen Jungen soll es körperlich gut gehen. Er steht allerdings noch unter Schock.
Zwei neun- und zehnjährige Jungen waren am Donnerstagnachmittag beim verbotenen Spielen auf dem zugefrorenen Reuschenberger See durch die Eisdecke gebrochen. Die Feuerwehr rückte unter anderem mit zwei Rüstzügen an. Der Zehnjährige konnte mit einem Rettungsring ans Ufer gezogen werden. Der Neunjährige geriet unter das Eis und musste, nachdem er mit einem Boot geborgen wurde, wiederbelebt werden. Ein Hubschrauber brachte ihn in die Düsseldorfer Uniklinik. Dort liegt er momentan auf der Intensivstation. Sein Zustand ist nach wie vor kritisch.
Derweil wird unter den Lesern von NGZ-Online bereits seit Donnerstagabend heftig über den Ablauf des Einsatzes diskutiert. "renespoerke 1985" zum Beispiel schreibt: "Das muss mir mal einer erklären. Da wird die Wasserrettung aus Düsseldorf angefordert und wirklich nur wenige Meter weiter ist die DRK-Wasserwacht." "Pfützensani" fragt: "Wie will man das den Eltern der Kinder erklären?" "EJJSB" meint: "Alle Helfer haben hier hervorragend zusammengearbeitet und Großes geleistet."
Michael Dilbens ist Leiter der Kreisleitstelle. Er sagt: "Meine Mitarbeiter haben alles richtig gemacht." Fakt ist: Für jede Feuerwache gibt es eine Alarm- und Ausrückordnung, die genau vorschreibt, was bei welcher Art von Einsatz zu geschehen hat. "Wenn Taucher benötigt werden, wird die Staffel der Berufsfeuerwehr Düsseldorf zuerst alarmiert, weil sie sofort anrücken kann", sagt Stadtbrandmeister Peter Schöppkens.
Die ehrenamtlichen Retter der DLRG und die DRK-Wasserwacht, die laut Schöppkens eigentlich ebenfalls eingesetzt werden sollten, müssen von ihren Wohnorten aus zuerst in ihre Rettungswacht fahren, sind aber von dort aus sehr schnell vor Ort. Warum die Wasserwacht am Donnerstag nicht informiert wurde, ist nach wie vor unklar. Offenbar gab es ein Missverständnis in der Leitstelle. Für die Polizei gibt es derzeit keine Anhaltspunkte für Versäumnisse. Der Fall, heißt es, werde aber weiter geprüft.
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