Neuss (NGZ). Antonio hat Recht gehabt. Und damit ein kleines Vermögen gewonnen. Denn der Vater der scharfzüngigen Beatrice hat gewettet, dass seine Tochter sich in Benedick verlieben wird und dieser sich in sie. Danach sah es am Anfang zwar nicht aus, denn die beiden kratzen sich sinnbildlich die Augen aus, wann immer sie aufeinandertreffen, aber dank der liebevoll-intriganten Unterstützung von Familie und Freunden schließen sich die beiden am guten Schluss doch in die Arme. Und Antonio sammelt zufrieden lächelnd bei den Seinen den Wetteinsatz ein.
Mit seiner Version der Komödie "Much Ado about Nothing" hat Regisseur Stephen Jameson mit seiner neuen Truppe "Alma Mater" aus London dem Shakespeare-Festival einen ersten Höhepunkt beschert. Auch er hat das Stück ins 20. Jahrhundert geholt (wie Raz Shaw den "Sommernachtstraum" zu Beginn des Festivals), ist aber sehr konsequent vorgegangen. Irgendwann in einer Zeit, als "Der Pate" noch existiert, und das "Rat Pack" um Frank Sinatra die Menschen beglückt, irgendwo in der gleißenden Hitze Italiens rekeln sich Beatrice und Benedick zusammen und spinnt Don Juan seine Intrige, um das zweite Liebespaar Claudio und Hero auseinanderzubringen.
Nächste Termine: heute, 20 Uhr, morgen 15 und 20 Uhr
Jameson schöpft dafür aus dem Vollen. Hausherr Leonarto hat ein bisschen was von Marlon Brandos Don Corleone, die Frauen dürfen viele verschiedene Kleider zeigen, die Bühne erglüht in unterschiedlichen (Scheinwerfer-)Farben. Vor allem aber: Es wird viel gesungen, wobei die Darsteller auch darin viel Format zeigen. "Viel Lärm um nichts" wird bei Jameson zum Musical, und dafür hat er tief in die Songkiste der "All Time Favourits" gegriffen. So jubelt Claudio "Poetry in Motion", nachdem er sich in Hero verliebt hat, schwärmt Benedick "The Lady is a Tramp", als er von der Beatrices Liebe zu ihm hört, und gesteht Claudio "Smoke gets in your Eyes", als er an der Bahre der vermeintlich toten Hero steht.
Der Regisseur hat die Songs so wunder- wie effektvoll ins Geschehen eingebunden und dabei auch sinnigerweise auf das komische Element der Komödie schlechthin verzichtet. Das einfältige Wächterduo Holzapfel und Schlehwein, dass bei Shakespeare letztlich die Intrige von Don Juan entlarvt, ist zusammengeschnurrt auf einen aufgeregt italienisch parlierenden Boten. Alles andere hätte die leichte Eleganz der Inszenierung, ihren subtilen Witz auch nur kaputtgemacht.
Einziger Wermutstropfen: Die Aufführung passt besser in ein Guckkastentheater. Auch wenn das Bühnenbild mit langem Tisch und mehreren Stühlen sparsam ist – die Stühle stehen immer wieder im Blickfeld des Zuschauers. Die Darsteller spielen oft mit dem Rücken zum Publikum, und ein Teil von diesem wird durch einen Scheinwerfer auf der Bühne geblendet.
Die neuesten Nachrichten und Berichte aus Politik, Wirtschaft, Panorama, Sport, Kultur, Gesellschaft, Wissenschaft, Multimedia, Auto,
Reise und Beruf - im Archiv auch gratis recherchierbar. Dazu die besten Bilder, Live-Ticker, Kolumnen und Hintergrundberichte.