Neuss (NGZ). Agnes Groschke und Gerd Faruß geben dem weltweiten Kinderhilfswerk "terres des hommes" ein Gesicht. Sie wissen, dass es eines langen Atems bedarf und setzen auf eine Politik vieler kleiner Schritte.
Es sind oft die kleinen Schritte, die zu einem großen Ganzen führen. Für Gerd Faruß zum Beispiel die Fahrradbörse am kommenden Samstag auf dem Markt. Dort hofft der Neusser, möglichst viele Räder gespendet und wiederum verkauft zu bekommen. Damit viel Geld zusammen kommt, um in ein Straßenkinder-Projekt in Johannesburg in Südafrika zu fließen. "Die Kinder aus den Townships sollen lesen und schreiben lernen und eine Chance auf eine Ausbildung bekommen."
Gerd Faruß ist zusammen mit seiner Lebenspartnerin Agnes Groschke das Neusser Gesicht des weltweiten Kinderhilfsswerks terres des hommes. In einem Alter, in dem andere ihren Ruhestand mit den schönen Dingen des Lebens genießen, treibt sie die innere Überzeugung an, etwas Richtiges und Wirkungsvolles zu tun. "Ich bin eine politische Frau", sagt die 60 Jahre alte Agnes Groschke. "Ich komme aus der Anti-Atomkraft-Bewegung. Ich werde auch wieder auf die Straße gehen, um gegen eine Laufzeitverlängerung zu demonstrieren."
terres des hommes
Drittländer wie Indien oder Sambia entscheiden über ein Delegiertensystem mit, wo in Deutschland die Arbeitsschwerpunkte der Organisation gesetzt werden. Arme Länder können bei terres des hommes Anträge für eine Projektförderung stellen, "aber es dürfen nie staatliche Vorhaben sein", sagt Agnes Groschke. Sie hat in Indien ein unterstütztes Projekt besucht. "Alles läuft seriös."
Über Gerd Faruß (68) lernte sie vor 15 Jahren die Arbeit von terres des hommes kennen. "Meine Kinder sind behütet und gut aufgewachsen und die Ziele von terres des hommes trafen meine Vorstellung von Entwicklungshilfe am besten", sagt die Mutter von zwei 34 und 39 Jahre alten Kindern. Faruß ist schon seit 20 Jahren für die Organisation aktiv, er gehörte von 2002 bis 2006 sogar dem Deutschland-Vorstand an und war in dieser Zeit sehr viel unterwegs.
Ihr Engagement für das Kinderhilfswerk konnte Agnes Grosche verstärken, weil sie sich vor anderthalb Jahren mit ihrer Schwester aus dem "Kaffeehaus 1571" an der Michaelstraße zurückzog. "Keine leichte Entscheidung, denn das Konzept mit fair gehandelten Waren und Bioprodukten war auch eine Haltung." Aber im Sommer war es zu ruhig, im Winter zu voll. "Letztlich war es zu viel Arbeit, denn wir haben alles selbst gemacht."
Politisch stehen beide den Grünen nahe. Faruß und Groschke saßen beide zwischen 1990 und 2000 im Neusser Stadtrat, Groschke trug zeitweise als Fraktionsvorsitzende Verantwortung. "Eine gute Zeit, die mir viel gegeben hat", blickt Faruß gerne zurück. Die Erfahrung, dass es oft einen langen Atem benötigt, etwas zu verändern, konnten beide aus der Lokalpolitik mit in ihr neues Engagement nehmen.
"Wir brauchen nicht nur mehr Geld für die Hilfsprojekte, sondern es muss sich natürlich auch politisch etwas ändern, um die Lebensbedingungen von Kindern in Dritte-Welt-Ländern zu verändern", sagt Groschke. Nach Resignation klingt es nicht, denn für beide zählen (auch) die kleinen Schritte. "Der Name terres des hommes ist in Neuss bekannt", so Faruß, der früher in der Betriebsräte-Ausbildung tätig war.
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