Neuss (NGZ). Neuss Weihnachten steht vor der Tür, und in Neuss sprießen die Rosen. Und „Malediva“ sind im Rheinischen Landestheater, um dem letzten verträumten Romantiker endgültig das „Frohe Fest“ zu versalzen. „Lebkuchen“ hieß das Weihnachts-Programm in der Reihe „Kabarett 20.30“ , das eigentlich aber gar keines war.
Vor der Kulisse einer hübsch-hässlichen weißen Kunsttanne im Schwarzlicht, schwebten Lo Malinke und Tetta Müller engelsgleich geschminkt und mit angeklebten Flügeln auf die Bühne des Rheinischen Landestheaters. Die alljährliche Festnachts-Persiflage mit ihrem abgedroschenen und faden Humor? Die lag glücklicherweise nicht auf dem Gabentisch der Gäste.
Aber wirklich witzig oder pointenreich wurde die Show der beiden Diven dann auch nicht. Was die Zuschauer im nahezu voll besetzten Saal zu sehen und vor allem zu hören bekamen, beschränkte sich im Grunde auf ein etwas skurriles Zwiegespräch zweier Comedians. Zickige Debatten über Discounter-Tannen ohne Nadeln und den unvermeidlichen Elternbesuch an Heiligabend begeisterten das Publikum - milde ausgedrückt - nur sehr eingeschränkt.
Wer darf nun den Klamauk erzählen, wer mit Details ausschmücken, wer wird sich verhaspeln und wer hat am Ende den längeren Atem innerhalb der Diskussion?
Mangels anderer Pointen ertappte sich sicher so mancher Zuhörer bei solchen Gedanken. Spätestens nach einer guten halben Stunde wirkte das hoch geschaukelte, sich selbst überholende Gequassel wirklich ermüdend, wenn es denn keine Aggressionen weckte. Sofern die Inhalte bei den Gästen rein akustisch überhaupt ankamen, fehlte ihnen immer jeglicher Zusammenhang.
Witzige Episoden, etwa zur weihnachtlichen „Mutti-Vorhölle“ („Ich bin nicht böse auf dich, wenn du nicht kommst, ich bin nur enttäuscht“) und dem nachfolgenden Lied über „Svetlana“, die auf dem Weg nach Westen dummerweise in Richtung Wladiwostok abbog, mussten gänzlich ohne roten Faden auskommen.
Zur Ehrenrettung der beiden Charakterköpfe: Ihre fantasievollen Chanson-Geschichten mit Florian Ludewig am Flügel kamen dank ausgefeilter und unkonventioneller Arrangements schrill und temperamentvoll an. Da bewegen sie sich wirklich auf ganz eigenem Terrain. Nur: Von der Idee eines unterhaltsamen Gesamtkunstwerks mochten sich viele Gäste nicht anstecken lassen. Die zahlreichen Zuschauer, die in der Pause bereits gen Ausgang strömten, sprachen für sich.
Um diese Show nicht toll zu finden, muss man weder konservativ noch ein engstirniger oder altbackener Kleinkunst-Traditionalist sein. Vom aktuellen Träger des „Deutschen Kleinkunstpreis“ darf einfach ein wenig mehr erwartet werden. Tatsächlich ist Lo Malenkes Kolumne auf der „Malediva“-Homepage entschieden unterhaltsamer, als es das Gastspiel im Rheinischen Landestheater war.
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