Neuss (NGZ). Während Fastenwillige früher nur auf Süßigkeiten und Fleisch verzichteten, sind heute neue Süchte hinzugekommen. Mittlerweile ist auch das Internet ein Thema. Vier Neusser erzählen von ihren Fasten-Plänen.
Fasten hat in ihrer Familie Tradition: "Ich finde es gut, mal auszuprobieren, was ich schaffen kann", sagt Adasophie Hieronimus. Drei Tage lang hat die 18-jährige Abiturientin im vergangenen Jahr aufs Essen verzichtet. "Dadurch wird einem bewusst, dass manche Dinge nicht selbstverständlich sind", sagt die Protestantin. In den nächsten sechs Wochen möchte sie auf "sinnloses Einkaufen" verzichten. "Ich werde nur Kleidung kaufen, die ohne Kinderarbeit hergestellt wurde", sagt sie.
Für Anna-Lena Jedrowiak spielt beim Fasten vor allem die religiöse Dimension eine Rolle. "Es geht darum, zu einer bewussteren Wahrnehmung der Umwelt und sich selbst zu kommen", sagt die Jugendreferentin der jungen Kirche in Neuss. Im vergangenen Jahr hat die 26-jährige Katholikin sechs Wochen lang auf Facebook und das Internet verzichtet. "In diesem Jahr habe ich mir vorgenommen, mir jeden Tag eine halbe Stunde Zeit für alte Freunde zu nehmen."
Armida van der Zee möchte sechs Wochen lang ohne Alkohol und Schokolade auskommen. "Ich habe auch schon mal auf Fernsehen verzichtet", sagt die 57-Jährige. "Es geht einfach darum zu zeigen, dass man das alles nicht braucht", betont die Neusserin.
Auf Alkohol will auch Martin Bienioschek in den kommenden Wochen verzichten. Außerdem möchte er keine Chips mehr anrühren – "das wird schwer für mich", meint der 45-Jährige, für den die Fastenzeit ein Mittel ist, sich zum Glauben zu bekennen. Gleichzeitig sieht der Katholik auch die praktische Seite: "Wenn ich dabei abnehme, freue ich mich", meint Bienioschek.
Fasten
Nach christlicher Tradition wird zwischen Aschermittwoch und Ostern eine Fastenzeit eingehalten. Die Fastenden sollten in dieser Zeit auf Genussmittel wie Fleisch, Alkohol oder Süßigkeiten verzichten. Die bewusste Einschränkung soll vor allem eine Schulung des Geistes bewirken. Fastenzeit ist eine Zeit der Buße und der Umkehr. Daher sollen Katholiken wenigstens einmal im Jahr das Bußsakrament und die heilige Kommunion empfangen.
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