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Neuss: Frei und instinktsicher

VON WILM KÖSTERS - zuletzt aktualisiert: 01.10.2009 - 21:30

Neuss (NGZO). Drei Musiker, die alle hohen Erwartungen erfüllten: Klarinettist Lajos Dudas begeisterte zusammen mit Philipp van Endert (Gitarre) und Leonard Jones (Bass) das Publikum beim Konzert in der Jazz-Reihe "Blue in Green" in der Alten Post.

In Neuss immer wieder ein gern gesehener Gast: Klarinettist Lajos Dudas, der inzwischen am Bodensee wohnt.   Foto:  privat
In Neuss immer wieder ein gern gesehener Gast: Klarinettist Lajos Dudas, der inzwischen am Bodensee wohnt. Foto: privat

Schön, wenn man Namen auf einer Konzertankündigung liest und sofort weiß: Das kann nur gut werden. Lajos Dudas und Philipp van Endert sind definitiv solche Namen und haben in der Alten Post diese Regel voll bestätigt. Gemeinsam mit dem Bassisten Leonard Jones wurde herrlich unprätentiös musiziert, je nach Lust zwischen Standards, Eigenkompositionen und Klassikern gependelt, von Dudas in gewohnt schnoddriger Art kommentiert: "nachdem wir diesen schönen Standard zerlegt haben, spielen wir…"

Diese entspannte, pointierte Art findet sich auch in seinem Klarinettenspiel wieder. Eine freie, unverkrampfte Phrasierung, seine Fähigkeit, mit wenigen, leisen Tönen das Solo eines Mitmusikers zu untermalen und der nie versiegende Einfallsreichtum sind Welten entfernt von routiniertem Abspulen oder Angebertum. Ebenso wie Dudas ist der Gitarrist van Endert ein weiträumig und melodisch improvisierender Musiker. Neben seinen typischen Nachhall- und Crescendo-Effekten und schrägen Intervallen, die sperrig im Raum stehen, um dann lyrisch aufgelöst zu werden, ist auch van Endert am Fluss der Musik interessiert, nicht am Knalleffekt oder hektischer Virtuosität. Die Fähigkeit, den harmonischen Kontext auf spannende Weise zu verlassen, dann aber auch schlüssig zurückzukehren, ist beiden Musikern gemein und spielt für den Hörgenuss eine wichtige Rolle.

Info

Nächstes Konzert

Das nächste Konzert in der Jazz-Reihe "Blue in Green" findet am Mittwoch, 4. November, statt. Das Philipp-van-Endert-Trio (mit André Nendza, bass, und Kurt Bilker, drums) hat sich als besonderen Gast Saxophonist Rick Margitza aus den USA eingeladen. Beginn ist um 20 Uhr.

Wenn Dudas Stücke ankündigt, die man "gemütlich nachpfeifen könne", ist das sicher nicht herablassend gemeint, sondern urmusikalisch. In diesem Spannungsfeld zwischen eingängiger, lyrischer Melodik und Experimentierfreude bewegen sich die drei Musiker frei und instinktsicher. Aus Klassikern wie "All The Things You Are" oder dem Davis-Stück "Solar" holt das Trio eben nicht "alles raus", sondern lässt sich vom Reiz der Stücke inspirieren. Van Endert phantasierte sich in Letzterem in eines der besten Soli des Abends hinein, ohne verloren zu gehen oder den Rahmen zu sprengen. Das ist große Kunst, die auch Dudas zu Begeisterungsgrummeln hinriss.

Der vornehm im Hintergrund spielende und mit einem unbestechlichen Timing gesegnete Bassist Jones ließ derweil in wenigen, aber umso eindringlicheren Soli seine improvisatorische Klasse aufblitzen und hielt das Gefüge routiniert zusammen.

Es folgte noch Skurriles wie das Stück "Hotzenplotz" und eine wunderbar verjazzte Bach-Bourrée. Und mit dem Michael Jackson gewidmeten, naiv-melancholischen Charlie-Chaplin-Song "Smile" verabschiedete sich das "Lajos Dudas Trio" dann von seinem begeisterten Publikum.

Quelle: RP

 
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