Neuss (NGZO). Die Stimmung beim ersten Abokonzert der Deutsche Kammerakademie (dkn) kam der beim Rosengartenkonzert zum Schluss der letzten Saison ganz nahe: Ein sehr origineller musikalischer Reigen aus Galoppaden, Pantomimen, Tanz- und Marschaufzügen bebildert Shakespeares "Hamlet" in der Suite von Dmitrij Schostakowitsch.
Die dkn führte diesen intellektuellen Musikspaß mit einer bei fröhlicher Gelassenheit perfekt gespielten Eleganz auf. Chefdirigent Lavard Skou-Larsen verantwortete den Großteil der Stimmung, verwob die Klangfarben des großen Orchester zu illustren Effekten, bereitete das "Gastmahl" als Kurkonzert, ließ die Posaune in der "Pantomime" jazzen, führte Klarinette und Flöten beim sentimentalen "Liedchen" knapp an die Kitschgrenze.
Aber warum nur war das Motto des Konzertes "Tanz mit dem Teufel"? Dafür standen die beiden den Abend umrahmenden Klavierkonzerte. Dmitrij Schostakowitsch (1906–1975) schwankte als einer der bedeutendsten Komponisten der Sowjetunion mehrfach zwischen Kritik am System und gepflegtem Patriotismus mit staatlichen Lorbeeren hin und her. Aus der 1. Phase stammt das "Konzert für Klavier, Trompete und Streichorchester" von 1933. Fast klassisch romantisierend bereiten Orchester und Klavier das Hauptthema vor, als unvermittelt die Trompete mit Fanfarengeschmetter dazwischen fährt. Im Lentosatz rächt sich das Klavier bei der folkloristisch singenden Solotrompete.
Dabei harmonierten die beiden Solisten in Wahrheit vorzüglich miteinander. Am Klavier saß die russische Pianistin Valentina Igoshina, die von der Kritik als "junges Talent" gefeiert wird. Dabei hat ihr explodierendes Temperament zugleich eine Ausdrucksreife, die atemlos macht. Ihre Präzision beherrscht den schweren, oft vollgriffigen Klavierstil vollkommen sicher. Die obligate Trompete spielt Thomas Hammes, Solotrompeter beim SWR, trotz karikierenden Übermuts kammermusikalisch rein. Zusammen mit der in Hochform aufgelegten DKN gipfelt das Konzert in einem wilden Finale.
Das "Konzert für Klavier und Orchester" entstand 1957, ist hingegen bei aller musikalischen Erfindungskraft Schostakowitschs fast akademisch konventionell, entspricht damit dem sozialistischen Kunstsinn. Gleichwohl fordern die turbulent vitalen Ecksätze hochvirtuos Orchester und Solistin. Im Mittelsatz ist alles dumpf, die Streicher zupfen nur noch, um die lyrische Entfaltung des Klaviers ja nicht zu stören. Das war dann die Parodie zum "Tanz mit dem Teufel", für den es frenetischen Jubel gab..
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