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Neuss: Frohe Festtage - in Mekka

VON CHRISTOPH KLEINAU - zuletzt aktualisiert: 19.12.2006 - 21:30

Neuss (NGZ). Neuss „Frohe Feiertage“: Wen Abdulwahab Sbata so aus seinem Geschäft An der Münze verabschiedet, der darf ohne Hintergedanken „Ihnen auch“ antworten. Denn auch dem 48-jährigen Libyer und bekennendem Moslem stehen Festtage bevor.

Frohe Feiertage : Auch Abdulwahab Sbata stehen Festtage bevor, auch wenn er am Samstag sein Geschäft nicht schließt, um Weihnachten zu feiern. Der Libyer tritt die Hadsch an, die Pilgerreise der Moslems nach Mekka. 
 Foto: NGZ
Frohe Feiertage : Auch Abdulwahab Sbata stehen Festtage bevor, auch wenn er am Samstag sein Geschäft nicht schließt, um Weihnachten zu feiern. Der Libyer tritt die Hadsch an, die Pilgerreise der Moslems nach Mekka. Foto: NGZ

Am Samstag schließt er sein Geschäft „Hobbymarkt“, wie er im Aushang gleich dreisprachig bekannt macht, um auf Pilgerreise zu gehen. Die Hadsch hat begonnen, die jährliche Pilgerfahrt nach Mekka - und Sbata ist dabei. Zum ersten Mal und voller Freude, wie er betont.

Es ist ein seltener Zufall, dass Weihnachten und die Hadsch zusammen fallen. Ursache ist der arabische Kalender, dessen Monate nur 29 oder 30 Tage zählen. Das bringt Verschiebungen im Vergleich zur Datierung nach dem gregorianischen Kalender, von denen auch andere islamische Feste betroffen sind. Der Ramadan zum Beispiel, der Fastenmonat. Den Monatsbeginn markiert der auftretende Halbmond, der bei seinem nächsten Erscheinen Dhul al-Hidscha einläutet, den Monat der Hadsch.

Drei Millionen Moslems werden dann an den heiligen Stätten des Islam in Mekka erwartet, darunter auch viele aus Düsseldorf und dem Rhein-Kreis Neuss. Einige sind schon unterwegs, die meisten fliegen am Mittwoch ab. Abdulwahab Sbata folgt mit den letzten am Samstag. „Ich habe ein Geschäft, ich muss Geld verdienen.“

Die Hadsch ist jedem gläubigen Moslem einmal im Leben als Pflicht auferlegt. Sich dieser Pflicht zu stellen, entschied Sbata erst vor zwei Monaten. Anlass dazu gab seine Frau, die schwer an Krebs erkrankt ist. Sbata hat Sorge, dass ihr die Anstrengungen dieser Reise im nächsten Jahr schon zu viel sein könnten. Deshalb jetzt, und trotz des erst vierjährigen Sohnes, der eigentlich noch viel zu jung ist und bei dem die Teilnahme an der Hadsch auch nicht zählen wird. Mit ihm wird die Reise für die Eltern nicht einfacher. Sbata: „Kinder reagieren oft unerwartet.“

Er selbst tritt die Reise in der freudigen Erwartung an, seine Religion zu vervollständigen. Das macht ihn froh, das ist ihm der Preis von 2390 Euro pro Kopf für die Reise bis zum 10. Januar wert. Dass ihm und seiner Familie auf der weiten Reise nach Saudi-Arabien etwas zustoßen könnte, macht dem 48-Jährigen trotz tödlicher Zwischenfälle mit Hunderten von Opfern kaum Kopfzerbrechen. „inscha’Allah“, sagt er, „wenn Gott möchte, kommen wir heil zurück.“

Info

Grundpflicht für jeden

Die Hadsch, die Wallfahrt nach Mekka, ist jedem volljährigen Moslem
durch den Koran als Grundpflicht auferlegt. Sie ist - neben Bekenntnis, Gebet,
Mildtätigkeit und Beachtung des Fastenmonats - eine der fünf Säulen des Islam.
Die Hadsch geht auf die Pilgerreise des Propheten Mohammed im Jahr 632 unserer Zeitrechnung nach Mekka zurück. Die Riten, die er damals vollzog, gelten als verbindlich für die Pilger aller Zeiten. Ziel der Wallfahrt ist in erster Linie
die Kaaba, die nach islamischem Glauben von Abraham und seinem Sohn Ismael als Haus Gottes und der Menschen erbaut wurde. Die Kaaba ist Zentrum der großen Moschee und muss von jedem Pilger sieben Mal umrundet werden. Sieben Mal muss auch die Strecke zwischen Marwah und Safa in der Moschee zurückgelegt werden. Teil der großen Hadsch sind die Reise zum Berg Ararat, wo man vom Mittag bis zum Sonnenuntergang verharrt, und Al Jamarat, die symbolische Steinigung des Teufels.

Besuch in Medina

Abdulwahab Sbata, 1958 in der libyschen Stadt Misurata geboren, lebt seit 1988
in Deutschland und seit zehn Jahren in Neuss. Er besucht auch das Grab des Propheten Mohammed und die Gräber früher Märtyrer, auch wenn dieser Abstecher nicht Teil der Hadsch ist. Ein Höflichkeitsbesuch.

Quelle: NGZ


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