Neuss (NGZ). Neuss Was für eine Zumutung! Ausgerechnet in Utzbach, einem stupiden Kaff fern der großen Bühnen soll Theatermacher Bruscon sein großes Stück Bühnenkunst präsentieren. „Schwarzer Hirsch“, heißt das modrige Lokal, in dem er auftreten soll.
Ein Name, der passt, denn schwarz ist wirklich alles in Utzbach, so schwarz wie die Stockflecken an den Wänden des Lokals, gleich neben dem Hitlerbild, das hier niemanden stört: „Der Theatermacher“, Thomas Bernhards grandiose Schmährede, ist das Stück, mit dem das Team von RLT-Intendantin Ulrike Schanko im September in seine letzte Neusser Spielzeit startet.
Weitermachen trotz alledem, das war das Motto eines Lieds von Jacques Brel, mit dem Hermann Große-Berg zum Auftakt der Spielplanpräsentation am Sonntag im Studio des Schauspielhauses die Richtung wies.
Und leicht, soviel steht fest, werden Ulrike Schanko und ihr engagiertes, brillantes Team den Neussern den Abschied keineswegs machen. Denn wie zu einem furiosen Finale haben sie für die kommende Spielzeit eine faszinierende und packende Mischung von Inszenierungen geplant.
Start im September
Mit dem „Theatermacher“ von Thomas Bernhard beginnt am Freitag, 12. September, im Rheinischen Landestheater, die neue Spielzeit. Schon eine Woche später steht dann die Premiere von „Endstation Sehnsucht“ auf dem Abendprogramm.
Klassiker und brandaktuelle Stücke, Spannendes, Nachdenkliches und Humorvolles, kurz: einfach eine fabelhafte Mischung von Geschichten, die neugierig machen, stellten die Intendantin, Chefdramaturg Harald Wolff, sowie die Dramaturginnen Freya Paschen und Bettina Maurer mit großem Charme und Witz vor. Kleine Kostproben präsentierten Hermann Große-Berg, Anna Warntjen und Jochen Ganser. Durchaus gespannt sein etwa darf man auf „Die Nervensäge“, die skurrile Geschichte eines verhinderten Berufskillers, verfilmt unter dem Titel „Die Filzlaus“, fürs RLT inszeniert von dem Neusser Kabarettisten Martin Maier-Bode.
Jede Menge Spaß verspricht auch Philippe Adriens „Sonntags am Meer“, ein Stück über den ganz normalen Familienwahnsinn, das Oberspielleiterin Sylvia Richter inszenieren wird. Spannung bis zur letzten Minute, - und damit ganz in Einklang mit der kommenden Spielzeit - hat das Stück „Verbrennungen“ des frankokanadischen Ex-Libanesen Wajdi Mouawad zu bieten, das packend wie ein Krimi, zugleich erschütternd eine Geschichte von Krieg, Exil, Rache und Gewalt erzählt. Tabus und Verstöße, der Mut, sie zu durchbrechen und die Angst vor dem sozialen Abseits stehen im Mittelpunkt der Tragikomödie „Fettes Schwein“, einem witzigen wie berührenden Stück über eine unmögliche Liebe.
Hiphop, der Sound der Straße, längst mehr als eine Jugendkultur, ist das Thema eines gemeinsamen Projekts von Schauspiel und Tanz, für das Sebastian Zarzutzki mit „Crayfish“ ein Stück geschrieben hat, dessen Uraufführung zu sehen sein wird.
In gewohnter Manier gibt es auch wieder Außergewöhnliches für Kinder und Jugendliche: In „Hannah und Hanna“ sind Fremdenhass und Rassismus der problematische Hintergrund, vor dem sich zwei Mädchen in Südengland begegnen, eine aus dem Kosovo, eine aus England.
Poetisch und humorvoll beschäftigt sich „Cinderellas Schuhe“, mit Fragen nach dem Aufwachsen und geschwisterlicher Eifersucht. Das Glück und wie man es erlangt, ein rotes Schaf und enie Prinzessin, die nicht lachen kann, stehen im Mittelpunkt des Weihnachtsstücks für Zuschauer ab 6 Jahren, „Das rote Schaf“.
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