Neuss (NGZ). Neuss Über viele Jahrhunderte galt China als unbekanntes Land in Fernost. Eine Vielzahl geheimnisvoller Sagen und Geschichten ranken sich noch heute um das Reich der Mitte, ein Land mit etwa 1,3 Milliarden Einwohnern.
Der exotische Zauber, den die chinesische Kultur auch fernab der Heimat ausstrahlt, war am Samstag Abend in der Stadthalle zu spüren. Über 1500 Besucher waren angereist, um der Vorentscheidung zur Wahl der Miss China Germany beizuwohnen.
Die Halle war fast vollständig besetzt, als nach über drei Stunden endlich die Finalistinnen des Neusser Miss China Germany Wettbewerbes feststanden. Die siebenköpfige Jury, gebildet aus Vertretern der Wirtschaft, der Stadt und der Deutsch-Chinesischen Gesellschaft Neuss (DCGN), hatte es nicht leicht, waren zu dem Schönheitswettbewerb doch 17 reizende Kandidatinnen im Alter zwischen 18 und 28 Jahren angetreten. Durchgesetzt haben sich nur drei von ihnen, angeführt von der Siegerin Juemin Zhu.
Großes Engagement
Seit 2003 nimmt die Deutsch-Chinesische Gesellschaft Neuss vor allem integrative Aufgaben wahr. In dem am 14. November 2003 von Seiten der Stadt Neuss und offiziellen Vertretern der Volksrepublik China unterzeichneten„Letter of Intent“ ist eine enge Zusammenarbeit in den Bereichen Wissenschaft, Forschung und Weiterbildung.
Jurymitglied Bärbel Kohler ist seit der Gründung der DCGN im Jahr 2003 ehrenamtlich für die Organisation tätig. „Für mich bedeutet die Teilnahme an der Wahl Miss China Germany eine Premiere“, so Kohler zur NGZ.
In vier Durchgängen präsentierten sich die angetretenen Kandidatinnen in figurbetonter Bademode, in Abendkleidern, aber auch ganz typisch in chinesischer Tracht. Die schillernden, meist eng geschnittenen und oft mit chinesischer Symbolik bestickten „Qi Baos“ beeindruckten sowohl die deutschen wie auch die in der Überzahl anwesenden chinesischen Gäste.
Doch einmal abgesehen von allen optischen Reizen, wussten die jungen Frauen auch mit ehrgeizigen Zukunftsplänen zu überzeugen. Die überwiegende Mehrheit von ihnen studiert in Deutschland Fächer wie Musik, Biologie und sogar Maschinenbau und will später einmal hoch hinaus. So auch die 26 Jahre alte Peng Zhai, die im sechsten Semester Musik studiert und ständig zwischen Hamburg und Freiburg pendelt. Für sie war die Teilnahme an dem Schönheitswettbewerb eine spontane Entscheidung.
„Ich habe mich erst vor einer Woche dazu entschlossen, an der Wahl zur Miss China Germany teilzunehmen“, so die Studentin. Dennoch ist es der 26-Jährigen überaus wichtig, neben äußerlicher Schönheit auch immer durch Charisma und Bildung zu überzeugen. Den Ehrgeiz der jungen Chinesinnen kann auch Adolf Schätzlein, Wirtschaftsprüfer und Steuerberater aus Neuss, nur bestätigen.
„Die jungen Leute, die nach Deutschland kommen, orientieren sich überaus stark an der Zukunft“, so Schätzlein, der in einigen Wochen einen Lehrauftrag an zwei Universitäten in der Provinz Shanxi annehmen und dort Ökonomie, Wirtschaft und Recht lehren wird. Der Austausch von Wissen in Form von Geschichte, Kultur und Traditionen ist eines der wichtigen Anliegen, denen sich Schätzlein und Kohler seit Jahren widmen. Der DCGN gilt es vor allem, bestehende Verbindungen auszubauen und weitere Netzwerke aufzubauen.
Auch die an diesem Abend anwesende stellvertretende Bürgermeisterin Hannelore Staps weiß um den Wert des bisher Erreichten. „Die Deutsch-Chinesische Gesellschaft leistet wertvolle Arbeit und ist ein erster Anlaufpunkt für chinesische Firmen, die sich im Rhein-Kreis Neuss ansiedeln“, so Staps. Über 120 chinesische Firmen, angefangen vom Restaurant bis hin zum High-Tech-Unternehmen, haben bisher eine neue Heimat in und um Neuss gefunden.
An keinem anderen Ort der Bundesrepublik Deutschland leben mehr Chinesen als im Neusser Stadtgebiet und dem benachbarten Düsseldorf. Für die Zukunft plant die DCGN eine Intensivierung der Beziehungen zum viertgrößten Land der Erde.
„In naher Zukunft möchten wir besonders die Austauschprogramme fördern und ausbauen“, so Bärbel Kohler über die in nächster Zeit anstehenden Aufgaben. Ein Musterbeispiel für solche Projekte findet sich Krefeld, wo die Deutsch-Chinesische Gesellschaft bereits seit 20 Jahren den Austausch deutscher und chinesischer Jugendlicher fördert.
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