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Neuss: Geigende Sängerinnen

VON HELGA BITTNER - zuletzt aktualisiert: 27.07.2007 - 21:30

Neuss (NGZ). Neuss Sie sind jung (22, 28, 29 und 30), bildhübsch, können singen - und Geige spielen. Von Kindesbeinen an vertraut mit einem Instrument, das häufig genug die Pubertät eines jungen Mädchens nicht übersteht, gewinnen Sonja, Angie, Ophelia, Anna (im Foto v.l.) ihren Geigen heute Töne ab, die aus Evergreens wie „A whiter Shade of Pale“ von Procal Harum, „Let’s spend the Night together“ von den Stones oder „He ain’t heavy, he’s my Brother“ von den Hollies fast schon neue Songs machen.

Babaji heißt die Band von vier Violinistinnen Sonja, Angie, Ophelia, Anna (v.l.), die für ihre frisch gepresste CD „Turn around“ bekannte Songs der 60er und 70er Jahre neu arrangiert haben und damit den Popmusikmarkt erobern wollen. Foto: NGZ
Babaji heißt die Band von vier Violinistinnen Sonja, Angie, Ophelia, Anna (v.l.), die für ihre frisch gepresste CD „Turn around“ bekannte Songs der 60er und 70er Jahre neu arrangiert haben und damit den Popmusikmarkt erobern wollen. Foto: NGZ

„Babaji“ nennt sich die Band der vier Frauen, von denen jede für sich nach normaler klassischer Geigenausbildung irgendwann entschieden hat, in die Pop-Musikbranche einzusteigen. Immer wieder wurden sie über ihre Agenturen für die Background-Orchester berühmter Popkünstler wie Seal oder Tony Braxton vermittelt, liefen sich das erste Mal über den Weg, als jede für den Auftritt von Herbert Grönemeyer bei „Wetten dass ...“ engagiert wurde. Vier Jahre ist das jetzt her, und was zunächst nach einem normalen Job aussah, wurde die Geburtsstunde von Babaji.

„Wir haben uns sofort verstanden“, erzählt die aus Neuss stammende Angie, „und wir hatten einen Gedanken gemeinsam: Warum soll die Geige nicht auch ein richtiges Popinstrument sein können? Die Gitarre war schließlich auch mal ein klassisches Instrument und wurde für den Rock zum elektronischen gebaut.“ Die 28-Jährige hat schon früher Erfahrungen mit einer E-Geige gemacht: „Ich war die erste in Neuss, die sich eine E-Geige von Yamaha bestellt hat“, sagt sie nicht ohne Stolz.

Info

CD und Auftritte

Die CD „Turn around“ ist seit gestern erhältlich (BMG/Sony). Die Tracklist umfasst: A whiter Shade of Pale, Let’s spend the Night together, The Sound Of Silence, Nights in white Satin, He ain’t heavy, he’s my Brother, Now that we found Love, And the Beat goes on, Baby, I love your Way, Need you, You’re no good, Love Potion Number 9. Live sind Babaji am 1. September beim Stadtfest „Kaarst total“ und am 15. September im Alten Kesselhaus in den Bühler-Werken (Meerbusch) zu erleben. Zudem spielen sie am 8. Oktober für den Rhein- Kreis Neuss auf der Immobilien-Messe in München.

Bei der After-Show-Party zur DVD-Produktion von Sarah Connor überzeugten sie auch Produzent Sascha Dücker von der Idee. „Mir war aber auch klar, dass man schon vier Eskimos mit Holzbein zeigen muss, wenn man auf dem Markt damit Erfolg haben will“, erzählt der Neusser trocken. Er kennt das Geschäft schließlich auch als Künstler, arbeitet als Opernsänger und Regisseur und hat zudem mit der Revival-Band A tribute to Supertramp beachtlichen Erfolg. So wusste er genau, dass es mit der Neuauflage etwa einer vierfachen Vanessa Mae nicht getan ist, um eine Plattenfirma für Babaji zu gewinnen. (Dass die vier Frauen ihrer Band einen Namen gaben, der mit dem von Supertramps ersten Song übereinstimmt, ist übrigens eine Sache, die den Musikerinnen nicht bewusst war, aber Dücker natürlich begeistert hat.) Doch neben ihrem versierten Geigenspiel warfen die vier Frauen noch ein anderes Pfund auf die Waage: Jede von ihnen kann singen. „Und die Kombination von Gesang und Geigenspiel ist wirklich einmalig“, sagt Dücker.

Dennoch mussten Babaji manche Absage hinnehmen, aber mit BMG Sony hat dann letztlich ein großes Label angebissen: „Ihren Vertrag haben sie die Vier wirklich erspielt“, erzählt Dücker, „denn Babaji durften auf der Weihnachtsfeier der Plattenfirma auftreten und haben damit alle restlos überzeugt.“ Live, so sagen alle übereinstimmend, kommen viele der Songs auch noch „viel härter und direkter rüber“.

„Turn around“ heißt die CD, die seit Freitag im Handel ist und von Angie, Ophelia, Anna und Sonja, nicht nur eingespielt, sondern auch arrangiert worden ist. Jede von ihnen hatte zu Beginn des Projekts eine Liste mit Lieblingssongs aus den 60er und 70er Jahren zusammen gestellt. Dann wurde alles zusammen geworfen und gemeinsam beratschlagt - vor allem unter dem Aspekt: Was lässt sich für Geige umschreiben?

„Es war schwierig, sich das schon beim Hören der Originale vorzustellen“, gibt die in Köln lebende Ophelia zu. Aber der Band geht es nicht ums Covern, sondern um neue Arrangements der Songs: „Dafür mussten wir uns die Genehmigung der Komponisten holen“, erzählt Anna, die nur zwei Straßen von Angie in Neuss wohnt. Sie ist nicht weniger stolz als ihre Kolleginnen, dass weder Mick Jagger und Keith Richards noch Paul Simon (The Sound of Silence) Einwände hatten. Allerdings mussten sie in anderen Fällen schon mal ein bisschen nachfeilen ... Für die Bearbeitung haben sich die vier Musikerinnen sogar eine besondere Geige anfertigen lassen: mit Oktavsaiten, die zum Beispiel ein Cello ersetzen kann.

Quelle: NGZ


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