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Neuss: Gesprengte Automaten: Spur führt nach Rumänien

VON MARC PESCH - zuletzt aktualisiert: 26.02.2010 - 10:59

Neuss (NGZ). Gleich dreimal haben bislang unbekannte Täter in den letzten Wochen Geldautomaten verschiedener Neusser Banken gesprengt. Was für einen großen Schaden sorgt und die Menschen beunruhigt, ist für viele Ermittler nicht neu.

Seit 2005 wurden dutzende Bankautomaten im gesamten Bundesgebiet gesprengt, zuvor gab es ähnliche Serien im benachbarten Ausland. Die Spur der Täter führt nach Rumänien – sie kommen nach Deutschland, um hier ohne Rücksicht auf Verluste „Kasse“ zu machen.

„Wir hatten zwischen 2005 und 2007 eine Serie von Bankautomaten-Sprengungen in NRW“, erinnert sich Frank Scheulen vom Landeskriminalamt in Düsseldorf, „betroffen waren damals unter anderem Banken in Düsseldorf, Duisburg, Titz, Mönchengladbach oder Moers.“ Die Täter: Eine Bande aus Rumänien, die sich auf das „Aufsprengen“ von Geldautomaten spezialisiert hat.

„Die Männer leiten ein Gasgemisch ins Innere der Automaten, um sie damit zur Explosion zu bringen“, so Scheulen. Ist die Außenwand des Automaten zerstört, rauben die Täter blitzschnell das vorhandene Geld und machen sich aus dem Staub. Genaue Angaben zur Höhe der Beute macht die Polizei nur ungern.

„Klar ist aber: Wenn die Automaten gerade frisch aufgefüllt worden sind, können die Täter ordentlich Beute machen.“ Bei einer Automatensprengung in Mönchengladbach-Wickrath beispielsweise fielen der Bande auf diese Art und Weise 100.000 Euro in die Hände – vom Schaden am Automaten und am Bankgebäude ganz zu schweigen.

Die Ermittler halten es nun für wahrscheinlich, dass auch diesmal die bereits früher beteiligte Rumänen-Bande erneut am Werk ist. „Das ist durchaus vorstellbar“, bestätigt Frank Scheulen. Allerdings hatte die Polizei nach der Serie von Sprengungen zwischen 2005 und 2007 einen der Haupttäter gefasst. „Er sitzt auch nach wie vor in Haft. Allerdings werden von den dort tätigen Banden auch immer wieder neue Komplizen in der Heimat rekrutiert.“

Die Vorgehensweise bei den Taten in Holzheim und dem Neusser Hammfeld erinnert jedenfalls stark an die Serie von vor einigen Jahren. Auch diesmal wurden die Automaten wieder mit Gas gesprengt, genauso wie in der Vergangenheit. "Die Täter handeln ohne Rücksicht auf Verluste", so Scheulen.

Bestes Beispiel dafür sei ein Fall aus der Nähe von Koblenz: Hier hätte einer der Täter durch eine missglückte Explosion schwere Kopfverletzungen erlitten. "Den haben seine Komplizen mitgenommen und vor einem Bonner Krankenhaus abgeladen." Anschließend seien sie verschwunden, ohne sich weiter um ihn zu kümmern.

„Wir gehen in solchen Fällen von organisierten Kriminellen aus“, sagt auch Bernd Küppers, Sicherheitsexperte des rheinischen Sparkassen- und Giroverbands, „wir versuchen natürlich, unsere Geldinstitute bestmöglich gegen solche Täter zu schützen.“ Deshalb gäbe es beispielsweise auf einem Gelände in Ostdeutschland Testsprengungen von Geldautomaten, um deren Widerstandsfähigkeit zu verbessern.

Testsprengungen

„Die Bundesanstalt für Materialforschung und Prüfung analysiert diese Testsprengungen“, so Küppers, „Ziel ist es, Tresorschränke zu entwickeln, die ähnlichen Sprengungen künftig standhalten.“ Allerdings würde es wohl noch einige Zeit dauern, bis flächendeckend modernere Geldautomaten und Tresore in den einzelnen Banken und Sparkassen stehen würden. „Die Geldinstitute können nicht von jetzt auf gleich einen Austausch vornehmen. Das ist zu teuer.“

Eine „heiße Spur“ auf der Suche nach den bislang unbekannten Tätern hat die Polizei nach Angaben von Sprecher Hans-Willi Arnold indes noch nicht. Die Ermittlungen gestalten sich schwierig, zumal die Täter auch diesmal wieder überregional agieren. So wurde vor wenigen Tagen ein Geldautomat in Stolberg in die Luft gejagt, im Dezember sprengten vermutlich die gleichen Täter einen Automaten in Würselen bei Aachen.

Die Hoffnungen auf einen schnellen Fahndungserfolg wurden Anfang der Woche im Kreis Kleve zerschlagen: Hier nahm die Polizei zwar mehrere Mitglieder einer Bande fest, die Männer hatten sich allerdings auf Banken-Einbrüche und nicht auf Sprengungen spezialisiert. „Sie kommen für die bekannte Masche nicht in Frage“, so Frank Scheulen vom LKA – die Suche geht weiter.

Quelle: NGZ

 
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