Neuss (NGZO). Vor fünf Jahren sagte die Verwaltung dem Geruch, der aus dem Hafen in die Stadt waberte, den Kampf an. 14 Betriebe wurden als Geruchsquelle identifiziert und überzeugt, zum Teil mit Millionenbeträgen die Geruchsbelästigung zu senken. Es stinkt zwar noch – aber immer seltener.
Neuss mit geschlossenen Augen zu erkennen – das war früher kein Problem. Ein tiefer Atemzug durch die Nase reichte oft schon. Doch das hat sich sehr geändert.
"Neuss hat etwas verloren – seinen typischen Geruch", sagte heute Bürgermeister Herbert Napp ganz ohne Bedauern. Aber er musste einschränken: "Zumindest in der Dichte." Es stinkt zwar immer noch im Hafen, doch längst nicht mehr so oft wie früher. Man kann auch sagen: Es stinkt nur noch vorschriftsmäßig, denn eine aktuelle Untersuchung eines Mönchengladbacher Büros im Auftrag des Umweltamtes zeigt, dass die Grenzwerte, die die Geruchsimmissions-Richtlinie vorgibt, eingehalten werden. Das ist schön für die Neusser und ihre Gäste, aber auch für die Stadtverwaltung. Denn Planungen, die die starke Geruchsbelastung früher behindert hätte, sind nun machbar. Etwa eine Wohnbebauung auf Münsterschul-Areal.
Die Grenzwerte
Das Jahr hat 8760 Stunden. Gestank müssen Menschen in Wohn- und Mischgebieten in zehn Prozent dieser Stunden aushalten, in Gewerbe- und Industriegebieten sind Gerüche in 15 Prozent der Stunden zumutbar. Diese Grenzwerte gibt die Geruchsimmissions-Richtlinie vor. Nicht aber, ob Unternehmen drei Wochen lang am Stück Mief ablassen oder ob sie nur 2,2 Stunden täglich müffeln.
2004 hatte die Stadt dem Mief aus dem Hafen den Kampf angesagt. Das staatliche Umweltamt Krefeld hatte 2002 die Geruchssitation untersucht, dessen Ursachen ermittelt und 14 Betriebe identifiziert, die als Quelle anzusehen waren. Das war die Ausgangsbasis.
Jedes einzelne dieser Unternehmen hätte vielleicht die Grenzwerte nicht überschritten, doch in der Summe überlagerte und ergänzte sich das, was den Schloten dieser Firmen entströmte, zu einer nahezu permanenten "Note". Manchmal so penetrant, dass in benachbarten Schulen Klassenarbeiten abgesagt wurden. Napp: "Neuss ist eben der Standort mit der größten Ölmühlendichte in Deutschland."
Die Unternehmen einfach zum Schließen dieser Geruchsquellen zu zwingen, ging nicht. Denn Gerüche sind nur lästig aber keineswegs gesundheitsgefährdent. So war kein Druck aufzubauen. Wenn der Verwaltung von den Unternehmen Bauanträge vorgelegt wurden, konnte über die Genehmigung auch das Thema Geruchsminderung platziert werden. Letztlich aber führte auch ein Geschäft auf Gegenseitigkeit zum Erfolg. "Wir erklären, den Lebensmittelbereich ausbauen und gut positionieren zu wollen", hatte Napp an der Wiege von "Food-City" erklärt. Als Gegenleistung bat er dafür um ein Entgegenkommen beim Thema Mief.
Überzeugen ließen sich alle 14 Unternehmen. In den fünf Jahren seitdem investierten sie Millionen, die auch die Gerüche milderten. Abluftströme wurde gesammelt, Biofilter eingebaut, höhere Schornsteine aufgestellt, Kläreinrichtungen eingekapselt. Mit Erfolg. Bei einer aktuellen Vergleichsuntersuchung, angestellt nach der gleichen Methode wie bei der Untersuchung im Jahr 2002, zeigte sich ein ganz anderes Bild. Bis auf wenige Ausnahmen wurden überall die Grenzwerte eingehalten. Zwei "Ausreißer" etwas abseits gibt es noch: die Pferdeställe an der Rennbahn. Aber die müssen nicht damit rechen, Biofilter verordnet zu bekommen. "Außenbereich", sagt Umweltamtsleiterin Dagmar Vogt-Sädler.
Zur Sache Weg frei gemacht
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