Neuss (NGZ). Neuss Maren Jungclaus dürfte mit ihrer Einleitung nicht wenige der zahlreichen Zuhörer in der Stadtbibliothek verwirrt haben.
Arnon Grünberg hat das Buch gar nicht selbst geschrieben? Sondern ist nur der Herausgeber eines Manuskriptes von zwei jungen Illegalen aus Amerika, die nicht namentlich in Erscheinung treten können?
Aber es steht doch sein Name an ganz normaler Autorenstelle auf dem Cover ...
Nein, die künstlerische Leiterin des Literarischen Sommers hat vor der Lesung des gebürtigen Niederländers aus seinem jüngst in Deutschland erschienenen Roman „Der Heilige des Unmöglichen“ nur des Autors eigenen Scherz weitergeführt.
Grünberg selbst hat nämlich in einem kleinen Nachwort vorgegeben, dass ihm das Manuskript zu dem Buch zugespielt worden sei und er nur als Herausgeber, nicht aber als Autor fungiere.
Warum er das getan hat? Fast wird er verlegen. Irgendwie wollte er der Erzählform des Buches, das aus der persönlichen Perspektive von zwei Jungen names Paul und Tito geschrieben ist, noch mehr Gewicht verleihen.
Denn für die beiden Jungen gibt es reale Vorbilder, die Grünberg in einem italienischen Restaurant in New York kennen gelernt hatte.
„Es war meine Inspiration, dass ich das Leben von den beiden gestohlen habe“, erklärt der in New York lebende 36-Jährige im einwandfreien Deutsch mit hübschen holländischen Akzent.
Doch bevor der Abend an diesen Punkt kommt, und Grünberg erklärt, wie das Buch, das er bereits 1997 geschrieben hat, zustande kam, lernen die Zuhörer die beiden Hauptfiguren der Geschichte erst einmal kennen.
Grünberg, der prinzipiell lieber stehend liest (was auch für die hinteren Reihen schöner ist, denn Grünberg ist nicht besonders groß) und sich erst zum Erzählen und Beantworten von Fragen auf den bereit gestellten Stuhl setzt, wählt dafür sinnigerweise das erste Kapitel.
Es führt alle Personen ein, die für die Geschichte wichtig sind: Tito und Paul Andino, 18 und 19 Jahre alt, ihre Mutter Raffaella, die Kroatin Kristin, die sie in einem Englisch-Sprachkursus kennen lernen und die später „alles mit uns machen“ wird - was sich Tito und Paul nämlich sehnlichst wünschen.
So konsequent, wie die Geschichte von den Sehnsüchten und Gedanken der beiden Jugendlichen aus ihrer Sicht dargestellt wird, so konsequent ist Grünberg auch in der Sprache: Er schreibt sie in der Rolle von als Wir-Erzählern, die gleichwohl wie ein Ich daherkommen.
Nicht wenige Zuhörer sind deswegen irritiert, wenn plötzlich zwischen Paul und Tito differenziert wird ... Und Grünberg kann das offensichtlich nachvollziehen: „Noch ein Wir-Buch werde ich nicht schreiben.“
Aber trotzdem: Auch nach zehn Jahren Abstand zum Buch findet er immer noch: „Es hat was Melancholisches, dass die beiden Brüder so tun, als ob sie eins sind. Denn es klar, dass sich das nicht lange durchhalten lassen wird.“
Was Grünbergs lakonisch-humorige, gleichwohl liebevolle und genaue literarischer Sprache verspricht, hält sie auch im direkten Kontakt: Der Autor begeistert seine Zuhörer mit einer Mischung aus schlaksiger Unbekümmertheit und genau durchdachten Antworten.
Info Nächste Lesung: Otto de Kat stellt sein Buch „Sehnsucht nach Kapstadt“ vor. Mittwoch, 1. August, 20 Uhr
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