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Neuss: Gladiatoren der Gegenwart

VON KLAUS D. SCHUMILAS - zuletzt aktualisiert: 14.10.2008 - 11:14

Neuss (NGZ). Neuss Katharina sitzt entspannt am Tisch, löffelt aus einem Schälchen scharfes asiatische Gemüse mit Geflügel in sich hinein. Sie ist entspannt, Spuren sind in ihrem Gesicht nicht auszumachen. „Ich habe keine Schmerzen“, sagt die 21-Jährige. Die liegen vielleicht in ihrem Inneren, denn die junge, zierliche Frau hat zuvor den ersten Wettkampf ihres Lebens verloren, musste sich bei ihrer Premiere im „K 1“ einer erfahreneren Kämpferin nach Punkten geschlagen geben. Sie wird wieder in den Ring steigen, schon bald, „es hat Spaß gemacht. Trotzdem.“

Ein kritischer, aber ruhiger Beobachter der Aktionen seines Schützlings: Peter Aerts, Weltklasse-Kämpfer im K 1, am Samstagabend zu Gast in der Neusser Eventhalle.  Foto:  L. Berns
Ein kritischer, aber ruhiger Beobachter der Aktionen seines Schützlings: Peter Aerts, Weltklasse-Kämpfer im K 1, am Samstagabend zu Gast in der Neusser Eventhalle. Foto: L. Berns

In den zu Kabinen umgestalteten Vorratsräumen der Eventhalle bereiten sich die Sportler auf ihren Einsatz vor. Es riecht intensiv nach Thai-Öl und Schweiß der Athleten. Aus einer Nebelkanone ziehen Schwaden in Richtung Kampfring.

Eric Abel läuft hektisch zwischen den Stuhlreihen entlang, tauscht hier ein Mikrofon aus, spricht dort kurz mit einem Sportler. Dann wird er zum Eingang gerufen, wo Gäste auf das rote VIP-Bändchen warten. Abel ist Mit-Organisator der ersten „Fight Night“ nach K 1-Regeln in der Eventhalle.

Mit einigen Mitstreitern hat er am Samstagabend ein Kampfturnier auf die Beine gestellt, zu der acht Athleten (plus weitere Vorkämpfer) aus ganz Deutschland und aus den Niederlanden angereist waren.

Sie mussten mindestens drei mal drei Minuten im Ring stehen und sich vom Viertelfinale bis ins Finale behaupten, um dort die Chance auf 5000 Euro Siegprämie und einen mächtigen Pokal zu haben. Das gelang dem Niederländer Mounir, der sich erst in der Zusatzrunde gegen den 23 Jahre alten Studenten Kevin Klinger aus Hamburg nach Punkten durchsetzte.

Im Unterschied zum reinen Boxen ist beim K 1 auch der Einsatz von Füßen und Knien erlaubt. Wer jedoch wüste und blutige Ringschlachten erwartet hatte, sah sich getäuscht. Es gab spannende, immer faire Kämpfe, bei denen die Trainer - trotz markiger Namen ihrer Trainingscamps auf den Trainingsanzügen („Fighter Legion“, „Pit Bull“) - Rücksicht auf die Gesundheit nahmen und zwei-, dreimal frühzeitig das Handtuch warfen, um den Kampf zu beenden und Schäden zu vermeiden.

Das größte Interesse der gut 500 (überwiegend auswärtigen) Zuschauer galt bald weniger den aktiven Kämpfern, sondern zwei Top-Stars der internationalen K 1 Szene: Stefan Leko aus Krefeld und der Niederländer Peter Aerts.

Leko, einer der beiden besten deutschen Kämpfer und schon Teilnehmer am Grand Prix-World-Finale in Japan, ließ sich die Premieren-Veranstaltung in Neuss ebenso wenig entgehen wie Peter Aerts. Der 37-Jährige war ein heiß begehrtes Objekt von (überwiegend) weiblichen Fans.

„Ich kenne Sie! Sie sind Peter Aerts - kann ich bitte ein Foto schießen“, sagte ein junge Japanerin ganz verzückt. „Bei den Turnieren in Japan sind 60, 70 Prozent der Zuschauer Frauen“, erklärte Aerts seine Popularität im Gespräch mit der NGZ.

Er muss immer wieder mit Leko und dem dritten Top-Kämpfer Aram Arab sowie leicht bekleideten jungen Damen vor Formula-Rennbooten oder einem Porsche 996 GTR posieren. Aerts, ganz der Profi, macht alles geduldig mit.

Er war am Samstagabend zwar nur als Trainer in Neuss im Einsatz, ist aber selbst noch bestens im Geschäft. Bei einem Qualifikationsturnier in Seoul besiegte Aerts vor drei Wochen überraschend den Weltmeister der vergangenen drei Jahre und Landsmann Semmy Schilt. Er ist nun als einer von acht Kämpfern (drei Niederländer) beim Welt-Finale Anfang Dezember in Yokohama vor dann über 50 000 Zuschauern dabei.

Gegenüber der NGZ sagte der sympathische Holländer: „Das ist hier in Neuss eine gute Veranstaltung mit guten Kämpfen. Die Halle gefällt mir. Die Organisatoren haben sich viel Mühe gegeben.“

Eric Abel zeigte sich denn auch zufrieden: „Wir haben vieles richtig gemacht, anderes müssen wir ändern. Angesichts der vielen parallel Veranstaltungen in der Region war die Resonanz gut.“ Auch wenn die angekündigten B- und C-Promis nicht erschienen waren. „Ich habe schriftliche Zusagen - aber was will man machen“, sagte er. Eines ist klar: „In der Eventhalle wird es bald wieder eine Fight Night geben.“

Quelle: NGZ


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