Neuss (NGZ). Die Neusser Agentur De-Media will mit einem Energieverbraucherportal , das regionale und Umwelt-Aspekte berücksichtigt, für Klarheit beim Strompreis sorgen. Vertriebspartnerschaften mit Versorgern lehnt die Agentur ab.
Neuss Monatelang haben die Verbraucherzentralen die Werbetrommel gerührt, immer wieder für einen Wechsel überteuerter Energieversorger geworben, vor einigen Tagen hat Deutschlands zweitgrößter Energieversorger RWE die Quittung kassiert: 200 000 Kunden hat der Konzern allein im ersten Quartal dieses Jahres an die Konkurrenz verloren - auch weil Vergleichsportale im Internet den Preisvergleich immer transparenter machen.
Für Dr. Uwe Pöhls, Geschäftsführer der Agentur De-Media, ist das allerdings nicht genug. Ein Jahr haben die Neusser an einem Portal geschraubt, das noch mehr Transparenz in den Markt bringen soll.
Neben dem Preis gehen beim Vergleich Kriterien wie „Umwelt“, „Regionales Engagement“ und „Service“ in die Bewertung ein. Geht es nach Dr. Uwe Pöhls, so ist die Frage nach dem besten Angebot „ganzheitlich“ zu betrachten. Nicht nur Geld spielt eine Rolle.
Der Faktor Preis wird jedoch mit 80 Prozent am stärksten gewichtet. Und wer nicht Wärme zum Wohlfühlen und fürs gute Gewissen möchte, kann auch gezielt nach dem Kriterium Preis suchen.
Eine weitere Besonderheit: „Wir gehen keine Vertriebspartnerschaften mit Versorgern ein“, erklärt Pöhls. Während viele andere Portale Direktlinks zu den Tarifen gelisteter Firmen anbieten und ein Button „Jetzt wechseln“ auf den Internetportalen prangt, soll das Energieverbraucherportal.de unabhängig bleiben. Lediglich über Werbung finanziert sich die Seite.
Dementsprechend kritisch sieht Pöhls den vorschnellen Wechsel zu einem anderen Versorger. „Dieser Wechselhype führt in die Irre“, meint er. Zunächst sollten Verbraucher weitere Möglichkeiten prüfen.
Dazu gehört auch, das Gespräch mit dem Versorger vor Ort zu suchen. „Viele Versorger kommen und gehen“, sagt Jörg Utecht, Redaktionsleiter bei De-Media. Kritisch beurteilen die Experten auch reine Online-Tarife und Versorger, die ihren Strom via Vorauskasse durch das Netz leiten.
So kommt es, dass an Platz eins in Neuss der Tarif „RWE Strom Pur-Haushalt“ gelistet ist, obwohl er bei einem Verbrauch von 3400 Kilowattstunden satte 88 Euro teurer im Jahr ist als der Tarif „SWK Direkt Strom“. Ein Grund: das starke regionale Engagement.
Warum Verbraucher beim Hausversorger nicht automatisch im günstigsten Tarif landen, kann Dr. Pöhls allerdings nicht erklären. Denn zu berechnen, dass am Heiligabend der Stromverbrauch um 25 Prozent ansteigt - die so genannte Gänsebratenspitze -, sei für die Versorger kein Problem. Dementsprechend müsste auch eine optimierte Versorgung möglich sein.
Die Datenbank auf dem aktuellen Stand zu halten, ist nicht immer einfach. Knapp eine Million Tarife sind im Portal gelistet, die De-Media Redaktion recherchiert selber, bezieht aber auch Daten von der Bundesnetzagentur oder Dienstleistern.
Eine traurige Wahrheit bleibt am Ende: „Die Zeiten billiger Energie sind vorbei.“
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