Neuss (NGZ). Neuss „Das ist eine super Veranstaltung, man lernt viele Leute und Kneipen kennen, und geht in Kneipen, die man sonst niemals von innen sehen würde.“ So wie Erika Hanter (36) dürften viele Neusser und Gäste von außerhalb die dritte Lokalrunde am Samstag Abend erlebt haben.
Im Herzen der Quirinusstadt hatten 16 Bands und Solokünstler eine lautstarke Antwort auf launisches Aprilwetter parat: Heiße Klänge, ob nun exotisch, tanzbar oder rockig. Eine solche stilistische Vielfalt hatte es weder beim Debüt noch bei der Nachfolgeveranstaltung gegeben. Von Italo Pop, Folk, Country, Oldies über Salsa, Boogie und Jazz bis hin zu Deutsch-Punk und Hardrock klang und dröhnte alles aus den Gaststätten, was Musikfans zwischen 20 und 70 Jahren gefällt.
Auch wenn es auf den Straßen dank des Wetters nicht ganz so lebendig zuging wie im vergangenen Oktober, es war doch in vielen Gaststätten um Punkt 20 Uhr schon so voll wie zur Party-Rushhour-Zeit. Bestes Beispiel waren die vielen Zaungäste, die es trotz der schmeichelnden Akustikgitarren-Arrangements der Coverband „Rockaway“ kaum wagten, einen Fuß ins übervolle „Maxx“ zu setzen. Gefühlvoll-elegant umgesetzte Balladen von „Extreme“ und den „Eagles“ sorgten dafür, dass die Kneipe im Laufe des Abends kaum leerer wurde.
Ideen zur vierten Runde
„Man könnte vielleicht in Zukunft Verlosungen mit Preisen ausschreiben“, rät Gastronom Berry Behrens (OkieDokie), der die Veranstaltung als „unkompliziert und erfolgreich“ ansieht. „Ich fände es sinnvoll, mehr Plakate aufzuhängen“, meint dagegen Christian Gohlke (27). „Wir wussten gar nicht, dass hier etwas passiert.“
Im „Spiegel“ scheiterten die Gäste zeitweise gar am Türsteher - es wurde schlichtweg zu voll. So lauschten viele Gäste den vertrauten Evergreens lieber von draußen, während die vielen Rockfans vor der Bühne ihre Favoriten Wort für Wort mitsangen.
„Man sollte sich das Programm anschauen und sich auf eine Kneipe festlegen, weil man mit etwas Pech woanders gar keinen Platz mehr bekommt“, rät Katrin Sintern (32) zwischen den Strophen von „Knockin’ on Heaven’s Door“. Spätestens mit dem eifrig mitgeschmetterten Janis Joplin-Klassiker „Mercedes Benz“ holte sich „The Strangers“-Frontsängerin Eyleen die a-cappella-Krone als Stimme des Abends. Zudem veredelte Ex-„Ötteband“-Flitzefinger Markus Exner superbe Hendrix-Interpretationen mit Saitenkünsten der hohen Schule.
Der Begeisterung ihres Neusser Publikums entsprechend legten viele Bands Sonderschichten ein. Erst um kurz nach Mitternacht begannen die musikalischen Chamäleons von der „Gary Cooper Band“ in der „Musikkneipe Hamtorkrug“ mit dem letzten Set. So kamen auch die späten Gäste bei kristallklarem Klang in den Genuss brillianter Westernhagen- oder Gary Moore-Interpretationen.
Neben dem B.B. King-beeinflussten, erdigen Blues von „The Fabulous Harpooneers“ im „Markt 27“ bereicherten gerade auch die kleineren Besetzungen das Programm: Ob nun die rasanten Klavierläufe des Boogie-Duos „The Original Contemporaries“ im „Marienbildchen“, oder die charmante „Guantanamera“-Version von „Rumbambe“, die so manchem Gast die Caipirinha im Café Wunderbar versüßte.
Kaum verwunderlich, dass die Lokalrunde auf dem besten Wege ist, viel mehr als nur eine Konzertnacht zu werden: Schon jetzt ist das Event eine Fußnote im Kalender vieler Neusser, eine Veranstaltung, die unter anderem auch zufällige Treffen mit längst verschollenen Freunden oder Schulkameraden verspricht.
Auch Doris Neugebauer (36), die sich als regelmäßige Konzertgängerin in der Neusser Szene auskennt, empfindet die jüngste Auflage als Steigerung: „Es gibt viel weniger Casio-Keyboards zu hören“, sagt sie und spielt auf die Quote der Ein-Mann-Bands an. „Das Duo im Büttger 9 hat sogar einen Song vom ,Alan Parsons Project’ auf einer Gitarre umgesetzt.“ Als Gastronom und Veranstalter hat Berry Behrens vom „OkieDokie“ eine altbekannte Formel parat: „Dabei sein ist alles!“ „Kneipenhopping“ vom Feinsten.
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