Neuss (NGZ). Udo Kanthak sorgt seit 1991 dafür, dass im Rathaus alles auf sicheren Bahnen abläuft. Er hat die Schlüssel zu allen Räumen, kümmert sich um technische Notfälle, aber auch um die grüne Welle für die Schützenparade.
Einmal im Jahr hat Udo Kanthak die Geschicke der Neusser in seiner Hand: Hinter der Uhr im Rathausturm ist er bei der Sonntagsparade des Schützenfestes dafür verantwortlich, dass die Ampel Grün zeigt und so den Schützen den Weg frei gibt.
Auch an den übrigen 364 Tagen aber ermöglichen er und seine zwei Kollegen als zumeist unsichtbare Helfer, dass die rund 2000 städtischen Mitarbeiter des Neusser Rathauses störungsfrei ihre Arbeit tun können, niemand im Aufzug stecken bleibt und alle nur erdenklichen Notfälle und Probleme schnellstmöglich beseitigt werden.
„Eigentlich ist jeder Tag voller Überraschungen“, erzählt Kanthak, ausgebildeter Mess- und Regelungsmechaniker, der seit 1991 Hausmeister und Mann für alle Fälle in dem riesigen Gebäudekomplex zwischen Markt und Michaelstraße ist.
Das heutige Rathausgebäude mit den Arcaden wurde 1954 erbaut. Sein Vorgänger stammt aus dem 17. Jahrhundert und bekam 1780 eine klassizistisches Fassade. Das alte Rathaus wurde bei einem Bombenangriff Ende 1944 zerstört. Die angrenzenen Gebäudeteile in ihrer Rundform wurden in den Jahren 1987 bis 1993 erbaut.
In drei Schichten teilt sich die Arbeit auf: „Morgens um 5.45 Uhr beginnt der Schließgang“, erläutert Kanthak. Bis 6.20 Uhr ist der diensthabende Hausmeister unterwegs. Allerdings gibt es auch Räume, die grundsätzlich nicht der Öffentlichkeit, ja nicht einmal den Mitarbeitern offen stehen: Die Asservatenkammer etwa, in der alle Geschenke an die Stadt aufbewahrt werden oder die Räume für die Notstromaggregate.
So sind Kanthak und seine Kollegen die einzigen Menschen, die in dem verwinkelten Komplex buchstäblich jede noch so verborgene Ecke kennen. Ist er also der Herr der 1000 Schlüssel? „So viele sind es gar nicht“, sagt Udo Kanthak gelassen und zieht einen Ring mit etwa drei bis vier Dutzend Schlüsseln aus der Tasche. Bleibt das Rathaus also geschlossen, wenn er einmal verschlafen sollte?
Kanthaks Lächeln stellt klar, dass ihm dies in all den Jahren noch nicht passiert ist: „Dann würde wenig später das Telefon klingeln ebenso wie bei einem Notfall.“ Zusätzlich zu den Diensten hat er jede dritte Woche Rufbereitschaft für den Fall, dass im Rathaus oder einem der weiteren städtischen Gebäude, die von ihm und seinen Kollegen betreut, eine technische oder andere Störung gemeldet wird.
Und wann immer Mikrofone oder Scheinwerfer gebraucht werden, Fenster klemmen oder die Heizung ausfällt, sind Kanthak und seine Kollegen zur Stelle, können als Ersthelfer bei medizinischen Notfällen helfen und wissen genau, wie man Menschen beruhigt, die im Aufzug feststecken. Auch wenn das eher selten geschieht, geht in der Spätschicht ein arbeitsreicher Tag für Kanthak voll immer neuer Herausforderungen zu Ende, wenn die Reinigungskräfte fertig sind und alle Türen zugeschlossen werden.
Eine Tür oder ein Fenster dabei zu übersehen, ist für ihn undenkbar: „Ich kenne jede Ecke dieser Gebäude und spüre schon im Gang einen veränderten Luftzug, wenn irgendwo noch ein Fenster aufsteht“, sagt der Herr der tausend Türen.
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