Special (NGZ). Neuss Die Besucher drängten sich schon vor dem Saal in der Alten Post, als Bassist André Nendza zu einer „kleinen Ansage“ anhob: Der Flügel sei nicht gestimmt, so müsse zunächst ein E-Klavier gesucht werden.
„Vor 20.30 Uhr wird es wohl nicht losgehen“, bedauerte er. Doch die vielen Zuhörer, die sich zu dem Konzert mit dem André Nendza Quartett und dem italienischen Trompeter Paolo Fresu eingefunden hatten, harrten geduldig aus, bis pünktlich zum angekündigten Zeitpunkt das gesuchte Instrument eintraf.
Philipp van Endert, Initiator der Jazzreihe „Blue in green“, brachte es mit und konnte so auch die Jazzfreunde in der gut besuchten „Alten Post“ auf die zu erwartende Musik beim letzten Konzert dieses Jahres einstimmen und sich grundsätzlich für das große Interesse an der Reihe bedanken.
Der schwergewichtige und bei seinen Ansagen sehr witzige André Nendza am Bass hatte für eine Tournee als Gast für sein Quartett den 1961 in Sardinien geborenen Trompeter Paolo Fresu, einen der herausragendsten italienischen Jazzmusiker, verpflichtet.
Fresu gehört auch zu den Solisten des internationalen von Ali Haurand geleiteten European Jazz Ensemble. Vor einigen Tagen trat die Nendza-Gruppe mit dem italienischen Gast in der Düsseldorfer „Jazzschmiede“ auf, und ein dortiger Kritiker schwärmte begeistert und empfahl den Lesern den Besuch in Neuss. Ganz offensichtlich kamen dem auch viele nach.
Die überwiegend von Nendza komponierten Stücke ließen viel Raum für lange, herrliche Improvisationen. Ohne sich in den Vordergrund zu spielen, beherrschte er von seinem Bass aus den Ablauf.
Pianist Hendrik Soll, der viel mit dem Engstfeld-Weiss-Quartett arbeitet, hatte keine Schwierigkeiten mit dem kleinen E-Piano, obwohl der große Flügel seinem feinen, gefühlvollen Spiel sicher noch mehr gerecht geworden wäre.
An Tenorsaxofon und Bassklarinette überzeugte Claudius Valk zwischen sehr freien Ausbrüchen und geradlinigem groovenden Sound. An Vielseitigkeit ist Schlagzeuger Christoph Hillmann kaum zu übertreffen.
Der auch auf der letzten van-Endert-CD „Khilebor“ vertretene Könner empfahl sich durch sein feinfühliges Spiel. Trompeter Paolo Fresu glänzte vor allem in lyrischen Passagen. Dann wieder erinnerte er an Miles Davis, ohne allerdings diesen zu imitieren.
Überwiegend spielte die Gruppe einen hochkarätigen swingenden Jazz in der klassischen Besetzung mit zwei Bläsern, Piano, Bass und Schlagzeug. Vor der Pause bildete „The Invention of the Rooms“ das Titelstück der ersten CD dieser Gruppe, einen viel bejubelten Höhepunkt. Für die Reihe „blue in green“ war das sicherlich ein krönender Abschluss, der heute schon Erwartungen auf das neue Jahr weckt.
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