Neuss (NGZ). Hombroich Hans-Heinrich Grosse-Brockhoff ist überrascht; Professor Wolfgang Schulhoff und Dieter Patt sind es ebenso, aber alle drei bleiben optimistisch: Von der Ablehnung des Projektes Raumortlabor seitens des NRW-Umwelt- und Landwirtschaftsministers Eckhard Uhlenberg haben der NRW-Kulturstaatssekretär sowie der Vorsitzende der Stiftung Hombroich und auch der Landrat erst durch die NGZ erfahren.
Dass es in Uhlenbergs Haus Bedenken gegen die Planung gibt, auf einer Fläche von 440 Hektar auf der Raketenstation ein von internationalen Architekten erdachtes Wohn- und Arbeitsquartier für rund 15 000 Menschen zu bauen, wussten zwar alle, aber dass es eine negative Entscheidung gibt, ist ihnen neu.
So reagiert Grosse-Brockhoff zunächst ganz pragmatisch: Es werden Gespräche geführt werden müssen, sagt er. Darauf setzen auch Schulhoff und der Landrat. Denn formell liegt die Entscheidung beim Wirtschaftsministerium, erklärt Patt, „es holt sich jedoch die Stellungnahmen der betroffenen anderen Ministerien ein“.
Für den Landrat waren die Signale von der Landesregierung bisher immer positiv: „Es ist sogar die Rede davon, das Raumorlabor zu einem richtungsweisenden Projekt für ganz NRW zu machen.“
So glaubt er auch daran, dass gerade dieses Projekt unter den Aspekten „Zukunftsfähigkeit und Nachhaltigkeit“ weiterhin große Chancen hat: „Ich bin der letzte, der unseren bewährten Landwirtschaftsstandort in Frage stellt“, betont er, aber je früher und intensiver man sich mit der Zukunft befasse, desto besser sei es.
Zudem hätten auch die bislang beteiligten politischen Gremien den Planungen zugestimmt. „Das ist doch ein Verfahren auf lange Sicht“, stellt er klar, „und ich werbe dafür, dass die Planung unvoreingenommen betrachtet wird“. Dazu gehört für ihn auch, unter Umständen Gutachter für die „schwer gewichtigen Themen“ heranzuziehen.
Auch der Vorsitzende der Stiftung Hombroich, Professor Wolfgang Schulhoff, sieht für das Projekt noch lange nicht das Aus gekommen. „Natürlich wissen wir von den Bedenken des Umwelt- und Landwirtschaftsministers“, sagt er, „aber ich weiß auch, dass Ministerpräsident Rüttgers hinter dem Projekt steht“. Nun gelte es, in Gesprächen diese Bedenken auszuräumen.
Schulhoff rechnet zwar damit, dass das Projekt gerade in der derzeitigen Diskussion über die Nutzung landwirtschaftlicher Flächen „politisiert“ werde, aber es solle ja auch nicht „von jetzt auf gleich“ realisiert werden, schränkt er ein und setzt darauf, dass am Ende Einigkeit erzielt wird.
Als „ganz, ganz einseitig“ empfindet Stefan Pfitzner, Neusser Planungsdezernent, die Stellungnahme des Ministers. Er sieht in dessen Einschätzung einen „erheblichen Eingriff in die regionale Planungshoheit“ und findet zudem, dass der Verlauf der Planung dem Bemühen, das Raumortlabor zu einem „Testfeld für ökologische Stadtplanung und ökologische Baumaßnahmen“ werden zu lassen, entspreche.
Wolfgang Wappenschmidt, Vorsitzender der Kreisbauernschaft Neuss/Mönchengladbach, dagegen teilt die Meinung des Ministers, dass für das Projekt viel zu viel Fläche verbraucht werde: „Und das was in der Planung als landwirtschaftlicher Bereich ausgewiesen wird, ist keine Alternative zum derzeitigen“, stellt er klar.
Wappenschmidt betont zwar, dass das Projekt „architektonisch hochinteressant ist“, aber er hält es nicht für zukunftsweisend, weil es dem sinnvollen und von der Landesregierung so auch erklärtem Willen zuwider laufe, mit Flächen in der Siedlungspolitik sorgsamer umzugehen. Gleichwohl will er dafür sorgen, dass sich die Bauernschaft in die Planungen „sachlich einbringt“.
Für Wappenschmidt birgt die Stellungnahme aus dem Uhlenberg-Haus, vor allem die Chance, dass „noch einmal intensiv über Pro und Contra nachgedacht wird“. Es habe zwar viele und intensive Gespräche mit allen Akteuren gegeben - auch seien Anregungen im Flächennutzungsplan aufgenommen worden -, „aber letztlich habe ich den Eindruck, dass wir mit unseren Argumenten nicht ganz durchgedrungen sind“.
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