Neuss (NGZO). 63 Fußgruppen, 15 Garden, zwölf Musikgruppen und 35 große und kleinere Wagen begeisterten die rund 100 000 Zuschauer beim Neusser Kappessonntagszug. Dabei ging es karnevalistisch tolerant und friedlich zu.
Ob jung ob alt, ob Mann ob Frau, ob mit oder ohne Behinderung - ganz egal. In Neuss feierten gestern über 100 000 Menschen zusammen Karneval. Die strahlende Sonne sorgte bis kurz vor Ende des Zuges für große Freude und wich dann leichten Schneefall. Doch der konnte den Neusser Jecken nichts anhaben.
Auch den 60 Teilnehmern der St. Augustinus Behinderten- und Seniorenhilfe nicht. Als Pharaonen in weißen Gewändern, mit golden-blauem Schulter- und Kopfschmuck feierten Betreuer, Senioren und Menschen mit behinderung zusammen Karneval, wie alle anderen Jecken auch.
Aufgeteilt auf einen Bagagewagen, einen Motivwagen und eine Fußtruppe wurde Kamelle geworfen und gefeiert wie es sich gehört. „Wir bringen Leben in die Wüste“, war das Motto. Die menschen mit Behinderung waren Mittendrin, freute sich Eva Schäfer, die den Zug organisiert hat. „Mittendrin ist das Schlagwort der behindertenhilfe“, erklärte sie. In allen Lebensbereichen führe man die Patienten so nahe wie möglich an ein ganz normales Leben heran. Dazu gehöre dann auch der Karneval.
Bestes Beispiel ist da Frank Plaas. Trotz geistiger Behinderung, ist der 32-jährige im Schützenverein aktiv und durfte gestern auf dem großen Motivwagen mitfahren. Er genoss es sichtlich. „Ich mag das schunkeln, singen und tanzen“, sagte er und, dass er im kommenden Jahr unbedingt wieder dabei sein möchte. Bevor man noch weiter nachfragen konnte war er auch schon auf und davon. Schließlich tönte aus der Musikanlage sein Lieblingslied: „Schatzi schenk mir ein Foto.“ Laut singend und glücklich zog er von dannen.
Der größte Tag in der Regentschaft war es für das Prinzenpaar Christian I. und Stephanie II.. „Es war einfach nur wunderbar“, freute sich Stefanie nach dem Zug. Für sie war es die erste Fahrt auf einem Karnevalswagen und dann sofort der größte. „Wenn schon dann richtig“, kommentierte Stefanie augenzwinkernd. Über eine Tonne Kamelle haben beide gestern geworfen und damit ihren größten Karnevalstermin gefeiert. Am Aschermittwoch ist alles vorbei. Daran dachten sie aber gestern bestimmt noch nicht.
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