Lokalsport (NGZO). Beim Neusser Reiter- und Rennverein scheint man zufrieden, wenn die Wettumsätze stimmen. Galopprennen als gesellschaftliches Ereignis interessieren nur am Rande. Die NGZ zeigt auf, wie es anders geht.
Die Voraussetzungen könnten besser kaum sein: Keine andere Rennbahn in Deutschland liegt so verkehrsgünstig und trotzdem nahe der Innenstadt. Trotzdem zeigen die Neusser seit dem Umbau den Galoppern die kalte Schulter. Selbst der sonst so stimmungsvolle und gut besuchte Silvesterrenntag kam eher trist und mit mäßigem Publikumszuspruch daher.
Eigentlich kein Wunder, denn außer Pferden, die irgendwo im weiten Rund loslaufen und Minuten später durchs Ziel vor dem neuen "Haus am Rennbahnpark" galoppieren, wird den Besuchern nichts geboten. Das soll so sein, sagen die "Hardliner" der Galoppszene, die den Erfolg eines Renntages allein am Wettumsatz messen. "Man kann doch nicht jede Woche ein Kamelrennen veranstalten", sagt Peter Rebig, Geschäftsführer der Gesellschaft für Stadt-Marketing, die das Gelände von den städtischen Liegenschaften gepachtet und den Auftrag hat, es möglichst gewinnbringend zu vermarkten.
Ihre Ideen sind gefragt
Dem Neusser Reiter- und Rennverein scheint nicht viel einzufallen, wenn es um die Präsentation von Galopprennen geht. Vielleicht haben die NGZ-Leser mehr und bessere Ideen, wie aus den Renntagen auf der Neusser Bahn ein Fest für die gesamte Familie werden kann, ohne den Ablauf der Pferderennen zu stören.
Schicken Sie Ihre Ideen einfach per Mail an die NGZ-Sportredaktion: sportredaktion@ngz-online.de.
Die besten Ideen werden veröffentlicht.
25 Veranstaltungen im Jahr sind für den Reiter- und Rennverein vorgesehen, dessen Terminwünsche im Winter bevorzugt berücksichtigt werden. Sollte er zukünftig wieder Sommerrenntage anbieten – dafür muss allerdings die Grasbahn kernsaniert werden – muss er sich dafür mit den anderen Veranstaltern arrangieren. Zum Beispiel, wenn es zur Fußball-Weltmeisterschaft doch ein "public viewing" geben sollte. Oder mit dem Shakespeare-Festival. Insider sprechen deshalb davon, dass die "Galopper nicht mehr das Sagen haben. Hier regiert jetzt die Macbeth-Mafia."
Doch an den Renntagen liegt die Lufthoheit weiter beim Reiter- und Rennverein. Dort aber scheint es an zündenden Ideen zu mangeln, aus Galopprennen ein familienfreundliches "Event" zu machen. Nicht mal einen Kinderspielplatz gibt es auf dem Gelände, von Kinderbetreuung, wie sie viele Sportveranstalter anbieten – zum Beispiel die "Villa Purzelbaum" während der Handball-Bundesligaspiele des TSV Dormagen – ganz zu schweigen.
Das Globe-Theater würde sich für ein Rahmenprogramm anbieten – doch es steht unbenutzt in der Ecke, "die meisten Rennbahnbesucher wissen doch gar nicht, was das für ein Gebäude ist", meint ein ständiger Besucher. Eine Hüpfburg gab es nur am Tag der Wiedereröffnung. Und als zum Silvesterrenntag das Stadt-Marketing eine Jazzband spendierte, fühlte die sich eher wie ein ungebetener Gast.
Letztlich scheinen die Galopp-Insider unter sich bleiben zu wollen. Doch die Stadt hat 7,5 Millionen Euro aus Steuermitteln aufgewendet, um aus der Galopprennbahn einen "Rennbahnpark" zu machen. "Ihn mit Leben zu füllen, heißt, einen Spagat zwischen vielen unterschiedlichen Interessen hinzukriegen", sagt Peter Rebig. Der Rennverein scheint damit überfordert. Kein Wunder, besteht er im Grunde genommen doch nur aus einem "Berater der Geschäftsführung" (Bernd Koenemann) und einer Sekretärin. Auf Dauer zu wenig, trotz bester City-Lage.
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