Wiedereröffnung der Neusser Galopprennbahn (NGZO). Es waren viele Zuschauer da und es regnete. Beides zusammen deckte die Schwachstellen der runderneuerten Galopprennbahn auf. Ob das nur Anlaufschwierigkeiten waren oder das neue „Rennbahnhaus” an den Anforderungen vorbei gebaut wurde, werden die nächsten Renntage zeigen.
Zumindest einer unter den gut 7000 Besuchern strahlte gestern Nachmittag auf der Neusser Galopprennbahn: Richard Hesse. Der Schachtleiter der Konrad Fritzsche GmbH und seine acht Kollegen hatten ganze Arbeit geleistet. Bis zum Samstagnachmittag hatten sie in rund siebzig Arbeitsstunden das heftig in der Kritik stehende Sandbahngeläuf in einen Zustand versetzt, der neun Pferde-, ein Kamelrennen und die ausgiebigen Regenfälle des gestrigen Tages überstand. Auch Engelbert Halm strahlte.
„Wunderbar” fand der Chefmanager des Galopper-Dachverbandes die runderneuerte Neusser Rennbahn, schwärmte vom „tollen Ambiente” und den ebenso „tollen Farben”. Natürlich, meinte Halm, könne man das eine oder andere auch kritisch sehen. Doch erst einmal sei er froh, „dass so etwas überhaupt noch gemacht” würde wie in Neuss. Sie sind bescheiden geworden, die offiziellen Vertreter des deutschen Turfs.
In einer Zeit, in der selbst die Renommierbahn von Iffezheim unter Insolvenzverwaltung steht, sind Investitionen von 7,5 Millionen Euro in eine Galoppsportanlage hochwillkommen. „Ich finde es toll, dass eine Stadt eine Menge Geld in die Hand nimmt, um den Rennsport zu unterstützen”, sagt Albrecht Woeste, ehemaliger Henkel-Manager und seit dem Vorjahr Präsident des Galopperdachverbandes. Was dabei herauskommt, was mit dem Geld gebaut wird, scheint den Galoppfunktionären da erst einmal nebensächlich. Die meisten Rennbahnbesucher sahen das gestern weitaus kritischer. Kein Wunder, schließlich fühlten sie sich im Regen stehen gelassen und das im Wortsinne.
Denn das gestern seiner Bestimmung übergebene „Haus am Rennbahnpark” bietet nur einem Bruchteil von ihnen Schutz vor den Unbilden des Wetters was vielen seltsam anmutet bei einer Bahn, deren Veranstaltungsschwerpunkt von November bis März liegt. Im rheinischen Winter mithin, der oft Regen, manchmal Schnee, mitunter Kälte mit sich bringt. Davor schützt das „Haus an der Rennbahn” nur den, der sich innerhalb seiner vier Wände befindet. Der Nachteil: Es passen nur ein paar Hundert Besucher hinein und die können weder aus dem „Atelier” noch aus dem Restaurant „Equipe”, das ohnehin den Charme eines Wartesaals versprüht, einen Blick aufs Geläuf werfen.
Von der hochgelobten, noch höher frequentierten (weil überdachten) Terrasse ist das auch nur jenen 250 möglich, die sich rechtzeitig einen Platz in der ersten Reihe ergattert haben. Der Rest drängt sich auf den vier Stufen zwischen Geläuf und Gebäude, die nur durch ein paar schmale Zugänge zu erreichen sind wer nach dem Zieleinlauf schnell zum Wettschalter will, seinen Gewinn abzuholen, oder zum Führring, um die Vierbeiner für das nächste Rennen in Augenschein zu nehmen, muss sich in Geduld üben.
Wie auch der, der Hunger verspürt eine halbe Stunde Wartezeit für eine Currywurst, die es dann nicht gab, war gestern Nachmittag der Durchschnitt. Das mögen Kinderkrankheiten sein. Doch die vorgebliche „Multifunktionalität” des Rennbahnhauses offenbart ein strukturelles Problem: Es soll ein „Gebäude für alle Bürger” sein, ein „Ort, mit dem man sich identifiziert”, wie der Neusser Bürgermeister Herbert Napp sagt. Das Gegenteil ist zumindest an den Renntagen der Fall. Drinnen sitzen die, die Pferderennen am Bildschirm verfolgen das kann man freilich auch in jedem Buchmacherladen tun (übrigens auch auf der Rennbahn, wo so drangvolle Enge herrschte, dass Inhaber Michael Sieberts schon von „zu klein” sprach).
Die anderen, die Gelegenheitsbesucher und „Sehleute”, bleiben außen vor und werden mangels Überdachung im Regen stehen gelassen falls sie demnächst nicht gleich zu Hause bleiben. Richard Hesse will bis Mittwochnachmittag das Geläuf in optimalen Zustand gebracht haben. Ob das mit dem restlichen „Bürgerpark” gelingt, werden die nächsten Renntage zeigen. Reinhard Bochmann, in dessen Zeit als Geschäftsführer die Sandbahn gebaut wurde, heute Vorstandsmitglied des Reiter- und Rennvereins, zog jedenfalls schonungslos Bilanz: „Hier ist noch eine Menge zu verbessern.”
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