Neuss (NGZ). Neuss (-nau) „Ich bin frei“: Dieses Zitat mit Schlagzeilencharakter hatten wohl die meisten der 200 Gäste gelesen, die am Sonntag zur Verabschiedung von Dr. Gisela Götte ins Clemens-Sels-Museum kamen. Und einige Redner griffen diesen Ausruf gerne auf.
So etwa Bürgermeister Herbert Napp - „Ich entlasse Sie nun in Ihre Freiheit“ - oder Dr. Hans-Georg Monßen, der Vorsitzende des Museums-Fördervereins, der der scheidenden Museumsdirektorin den Vorschlag machte: „Wenn Sie mal nicht wissen, wie Sie Ihre Freiheit nutzen können - wir hätten da was.“
Seit 1984 hatte Götte im Clemens-Sels-Museum gewirkt, zuletzt als dessen Leiterin. Jahre der Unfreiheit waren das nicht. Im Gegenteil. „Handlungs- und fachliche Weisungsfreiheit, diese hohen und unverzichtbaren Güter, waren in der Stadt Neuss immer gewährleistet“, hob die 66-Jährige an ihrem letzten Tag im Amt dankend hervor.
Dass sie diese Handlungsfreiheit schöpferisch nutzte, machten am Sonntag die Redner zur Verabschiedung mit vielerlei Beispielen kenntlich. Das vielleicht größte Lob spendet Professor Hans Körner vom Seminar für Kunstgeschichte der Düsseldorfer Heinrich-Heine-Universität, der das „CSM“ nicht ohne Götte kennt. Im Ballungsraum Rhein-Ruhr, der „vermutlich dichtesten Museumsregion der Welt“, sei ihm als Zugezogenem eine gewisse Uniformität aufgefallen, vieles wiederhole sich.
Ganz anders dagegen nahm und nimmt er das Clemens-Sels-Museum wahr, das mit seinen Sammlungen eigene Schwerpunkte setzt. Eine Kunstsammlung, die nicht dem Mainstream verpflichtet sei, so Körner, „verlangt ein eigenes, klares Urteil“. Und für diesen Mut zur Entscheidung steht für ihn auch der Name Gisela Götte.
Wissenschaftlerin, Publizistin, Museumspädagogin, Kuratorin von mehr als 80 Ausstellungen aber auch geschäftstüchtige Direktorin mit einem besonderen Talent, Sponsoren für das Haus zu begeistern: Es waren viele Seiten dieser vielseitigen Frau zu würdigen. Das gelang, ohne aus Gisela Götte schon ein Denkmal zu machen.
Es blieb herzlich, es blieb menschlich, auch dank Anekdoten, wie sie etwa ihr dienstältester Wegbeleiter Dr. Rainer Wiertz einstreute: Götte habe sehr engagiert in der Institutsleiterkonferenz mitgearbeitet, während der Sitzungen aber auch gerne wissenschaftliche Aufsätze gelesen.
Streng wissenschaftlich war denn auch das Präsent, das Göttes Arbeit dauerhaft in Erinnerung halten wird. Unter dem Titel „Oberfläche und Symbol“ fassten einige ihrer Wegbegleiter kunst- und kulturhistorische Beiträge zur Sammlung des Clemens-Sels-Museums zusammen. Ein Sonderdruck. Gisela Götte gewidmet.
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