Neuss (NGZ). Neuss „Wo zum Teufel hast du so gut Saxophon spielen gelernt?“, fragte Jazz-Legende Miles Davis 1989 den damals 27-jährigen Rick Margitza und engagierte ihn vom Fleck weg für eine sechswöchige Tournee. Wie er es gelernt hat, das verriet der amerikanische Saxophonist jetzt in einer Masterclass rund zwanzig Studenten.
Nach dem umjubelten Konzert in der Alten Post, das den Auftakt zu einer kleinen Tour bildete, blieb den Musikern vor der Weiterreise nach Bonn, Bamberg und Neuburg an der Donau noch etwas Zeit, so dass sie sich bereit erklärten, in der Alten Post einen Jazzworkshop zu geben. Der war nicht nur Saxophonisten gedacht, denn Margitzas Übungskonzept lässt sich auf fast alle Instrumente übertragen.
Zum Einstieg spielte der 45-Jährige, der direkt von Las Vegas nach Neuss gekommen war, mit dem Philipp-van-Endert-Trio den Jazz-Standard „Song For My Father“, der auch das Stichwort für die autobiographische Einführung gab: Margitzas Vater war als klassischer Violinist 30 Jahre lang Mitglied des Detroit Symphony Orchestra, wirkte jedoch auch bei Popmusikproduktionen des Motown-Labels mit. So gehörten neben klassischer Musik auch Stevie Wonder’s Hits zum Soundtrack von Rick Margitzas Kindheit.
Rick Margitza
Als Bandleader und Komponist hat der 1961 in Detroit geborene Rick Margitza
zehn Solo-Alben veröffentlicht, zwei Symphonien für Orchester und ein Saxophonkonzert geschrieben. Mit seiner Band gastierte er in der ganzen Welt, arbeitet zudem mit berühmten Musikern zusammen.
Übergesiedelt
Zum Saxophon kam er durch eine Charlie-Parker-Platte aus der Sammlung seines Großvaters mütterlicherseits, eines Jazzbassisten. (Auch sein anderer Großvater war Musiker, spielte ungarische Zigeunermusik auf der Violine.) Margitza studierte in Detroit, Boston und Miami und hatte die Tournee mit Miles Davis sowie seine ersten Blue-Note-Aufnahmen bereits hinter sich, als er nach New York ging.
Weil er oft in Europa zu tun hat, siedelte Margitza vor vier Jahren von Amerika nach Paris über. Das hatte es übrigens Philipp van Endert erst möglich gemacht, den Saxophonisten zu einer Zusammenarbeit zu bewegen. Per E-Mail hatte van Endert bei ihm wegen eines „Stargastauftritts“ für die CD „Khilebor“ angefragt: „Erst wollte er Hörproben von uns haben“, erklärt der Gitarrist lachend, „aber danach hat er sofort zugesagt“. Zwei Jahre mit drei Tourneen und einer CD ist das jetzt her.
Doch zurück zum Workshop: Margitza hat für die angehenden Jazzmusiker einen probaten Rat: üben mit System. Am Saxophon zeigte er, wie man in festgefügten Sequenzen Intervalle und Tonleitern übt, um sich mit dem Material vertraut zu machen. Wenn man weiß, zu welchen verschiedenen Skalen ein Ton gehört, so Margitza, dann kann man ihn als „Fenster von einer Tonart zur anderen“ verwenden. „Jazz zu lernen ist, wie eine Sprache zu lernen“, sagt er und empfiehlt, möglichst viele Soli von CDs zu transkribieren, um den eigenen musikalischen Wortschatz zu erweitern.
Im Gespräch richtete sich Margitza ganz nach den Bedürfnissen der Workshop-Teilnehmer. So fügte er speziell für Saxophonisten einen Exkurs über die so genannten False Fingerings ein, bei denen man ein und denselben Ton mehrmals nacheinander mit verschiedenen Griffen spielt, um die Klangfarbe zu variieren. Und nach einem abschließenden Blues im Quartett gab Margitza den Studenten einen Leitsatz Cannonball Adderleys mit auf den Weg: „Vermeide es, Klischees zu spielen. Du musst klingen wie du selbst!“
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