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Neuss: Jugendarbeit – hier spart Neuss

VON JULIA HAGENACKER - zuletzt aktualisiert: 15.01.2010 - 21:30

Neuss (NGZO). Die Stadt will die Zuschüsse im Sozialbereich massiv kürzen. Rund 1,4 Millionen Euro sollen wegfallen. Viele Angebote wären nicht mehr zu stemmen. Die NGZ sagt, welche Einrichtungen und Projekte es am härtesten trifft.

Noch sind sie zu viert: die Streetworker Jochen Baur, Marion Hardegen, Ellen Bente und Ritvan Ucar. Demnächst werden möglicherweise drei Stellen gestrichen.   Foto:  A. Woitschützke
Noch sind sie zu viert: die Streetworker Jochen Baur, Marion Hardegen, Ellen Bente und Ritvan Ucar. Demnächst werden möglicherweise drei Stellen gestrichen. Foto: A. Woitschützke

Die Arbeitsgemeinschaft der Wohlfahrtsverbände hat sich mit der Verwaltung und den Spitzen der Fraktionen von CDU, FDP, SPD und Grünen über die Sparpläne der Stadt im Jugendarbeits- und Sozialbereich (die NGZ berichtete) auseinandergesetzt. Die Verbände fordern von der Politik eine Begründung für die im Haushaltsentwurf vorgesehenen Streichungen. 1,4 Millionen Euro sollen demnach eingespart werden. "Eine befriedigende Antwort", sagt Norbert Kallen, Direktor des Caritasverbands Rheinkreis Neuss, "gibt es bislang nicht." Hintergrund: Weil die Haushaltslage in Neuss extrem desolat ist, sollen Zuschüsse im Jugend- und Sozialbereich gekürzt werden. Die NGZ sagt, welche Einrichtungen und Projekte es am härtesten trifft.

Info

Unruhen befürchtet

Finanzielle Probleme zwingen auch andere Städte dazu, bei der Jugendarbeit zu sparen. In Wuppertal etwa wurden die Gelder für 16 städtischen Jugendeinrichtungen bereits um ein Viertel reduziert. Dagmar Mühlenfeld (SDP), Oberbürgermeisterin in Mülheim a.d. Ruhr, warnt bereits vor sozialen Unruhen.

Streetworker in Erfttal, Weckhoven und in der Nordstadt Vier Streetworkerstellen gibt es derzeit in Neuss. 2010 könnte es nur noch eine geben. Die Sozialarbeiter sind in den Brennpunkt-Stadtteilen auf der Straße unterwegs, knüpfen Kontakte zu Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen, helfen ihnen, Lebensperspektiven zu entwickeln. Stephan Butt vom Diakonischen Werk sagt: "Die Arbeit der Streetworker kommt letztlich allen Bewohnern eines Stadtteils zu Gute, denn sie wirkt auch präventiv." Straftaten gebe es nachweislich weniger, ältere Menschen fühlten sich sicherer. Das sagt auch die Polizei. 2009 standen für Sach- und Personalkosten der Straßensozialarbeit 185 738 Euro zur Verfügung, 2010 sollen es nur noch 69 471 Euro sein.

Drei-Generationen-Haus in Weckhoven Die Förderung des vom Sozialdienst Katholischer Frauen (SKF) betriebenen Hauses im sozialen Brennpunkt Weckhoven fällt nach bisheriger Planung komplett weg. Bislang verbringen dort alte und junge Menschen, Kinder und Erwachsene verschiedener Herkunft Zeit miteinander. Die Angebote nutzen vor allem Alleinstehende, Alleinerziehende und Migranten. Die Mitarbeiter helfen bei Partnerkonflikten, Erziehungsproblemen und bei Schwierigkeiten im Umgang mit Ämtern und Behörden. 2009 wurde das Drei-Generationen-Haus noch mit 30 000 Euro bezuschusst.

Sozialarbeit im Barbaraviertel Der Anteil ausländischer Bewohner im Barbaraviertel liegt bei mehr als 40 Prozent. Jeder vierte Einwohner über 18 Jahren ist überschuldet. Die Stadt will die Ausgaben für die Sozialarbeit im Viertel komplett runterfahren – von derzeit 10 000 Euro auf null.

Schulwerkstätten, zum Beispiel "Blitz" in Gnadental Die Schulwerkstätten kümmern sich speziell um Schüler, die den Schulunterricht aus verschiedenen Gründen verweigern. Die Jugendlichen werden dort motiviert, wieder zur Schule zu gehen oder sich für einen Beruf zu entscheiden. Geplante Kürzung: von derzeit 298 000 auf 111 286 Euro.

Quelle: RP

 
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