Neuss (NGZ). Verwilderte Haustauben besiedeln Städte in aller Welt. Und überall sorgt ihr Dreck für Ärger. Im Umweltausschuss wurde am Mittwoch ein Konzept vorgestellt, wie man die Zahl der Tiere reduzieren kann. Mit "friedlichen" Mitteln.
Die Stadt kündigt den verwilderten Haus- und Rassetauben in der City den Kampf an. Aber nicht Vernichtung oder Verdrängung ist das Ziel, sondern eine friedliche Koexistenz. Für die wirbt Peter Zaun, seit 50 Jahren Taubenzüchter, der im Auftrag der Stadtverwaltung ein Konzept zum Umgang mit diesen so genannten Stadttauben erarbeitet hat. Am Mittwoch hat es den Umweltausschuss beschäftigt – und wird dies spätestens in der übernächsten Sitzung noch einmal tun. Dann allerdings wird schon über konkrete Maßnahmen gesprochen. Und über Kosten.
Er habe das Problem zwar gesehen, gab der Ausschussvorsitzende Michael Klinkicht zu, "aber nicht mit dem Bewusstsein, dass man es angehen müsste." Das schätzen er und der Ausschuss nun anders ein, auch wenn derzeit kaum Tauben zu sehen sind. Aber Zaun weiß, warum das so ist: "Im Moment sitzen die in ihren Nisthöhlen und sorgen dafür, dass wir spätestens im Sommer die doppelte Zahl an Tauben haben." Dann, so der Experte, werden allein auf den Dächern im Hafen bis zu 800 Tiere zu zählen sein.
Taubenhäuser
Standorte Fünf gelten als ausreichend, beschlossen ist keiner. Das Konzept schlägt als Standort das Hafenbecken I, am Hauptbahnhof, am Parkhaus Adolg-Flecken-Straße und am Zeughaus vor.
Betreuung Taubenhäuser bringen nichts, wenn sie nicht betreut werden. Dazu gehören Füttern, Säubern, Überwachung der Gelege und Tierarztkontrollen. Dazu muss Personal bestellt werden.
Vergangenen Herbst hatte Andreas Hamacher (CDU) das Thema angestoßen. Ihm waren nicht zuletzt die Tauben aufgefallen, die sich in der Unterführung am Hauptbahnhof eingenistet hatten. Wie könnte man ihrer Herr werden, ihre Zahl eindämmen und so auch die Schäden und Verschmutzungen durch Taubenkot reduzieren?
"So lange keine Fütterung oder Zentrierung vorgenommen wird, sind Stadttauben eine nicht zu handhabende Vogelart", stellte Zaun in seinem Konzept klar. Alle anderen Maßnahmen können nur begleitend eingesetzt werden – sofern sie überhaupt etwas taugen. So stellte Umweltdezernent Horst Ferfers beim Thema "Taubenpille", einem oft zu hörender Vorschlag zur "Geburtenkontrolle", lakonisch fest: "Im Moment sind keine geeigneten Präparate zugelassen."
Tauben zu töten, verjünge letztlich nur den Bestand, ein Fütterungsverbot auszusprechen, unterdrückt – anders als bei Wildtieren – den Bruttrieb auch nicht. Netze oder "Stacheln" auf Simsen oder Geländern haben nur zur Folge, dass sich das Problem verlagert – und auch Greifvögel wie etwa das Wanderfalkenpaar im Hafen zwingen große Taubenbestände nicht in die Knie. Zaun: "So viel können die armen Teufel gar nicht fressen."
Ansatzpunkt des nun verfolgten Konzeptes ist die Tatsache, dass man diese verwilderten Tiere an einen festen Standort gewöhnen und binden kann. Dazu sollen in der Innenstadt bis zu fünf Taubenhäuser etabliert und den Tieren durch regelmäßige Fütterung als Nistplatz "empfohlen" werden. Ihre Eier allerdings würden durch Gipseier ausgetauscht. "Die Erfahrung anderer Städte zeigt, dass man 80 Prozent der Tauben so aus den Straßen herausbekommt", sagt Ferfers. Vorausgesetzt, man agiert konsequent
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