Stelle als Kantor gekündigt (NGZO). Der aus Bremen stammende Organist Michael Voigt hat seine Stelle als Kantor der Christuskirchengemeinde gekündigt und geht im nächsten Jahr nach Mecklenburg-Vorpommern.
Direkt nach dem Ende seines Studiums hatte er in Neuss seine erste Stelle bekommen – nach neun Jahren zieht es Michael Voigt nun wieder in den Norden: Der Kantor der evangelischen Christuskirchengemeinde wird ab 1. März im mecklenburgischen Neustrelitz arbeiten.
Wie schon in Neuss hat er dort eine so genannte A-Stelle als hauptamtlicher Kirchenmusiker inne und wird für Konzerte und die musikalische Gottesdienstgestaltung an der großen evangelischen Stadtkirche verantwortlich sein, aber auch noch einige kleinere Kirchen mitbetreuen. Allerdings in komfortableren Umständen als in der Quirinusstadt, denn in Neustrelitz ist die Kantorenposition eine volle Stelle, während sie an der Christuskirche mit 33 Wochenstunden auf 85 Prozent reduziert ist. Letztlich war es auch die Vollzeitstelle, die Voigt den Anstoß für die Bewerbung gegeben hat.
Aber er hat auch schon festgestellt, dass er der eigenen Mentalität wieder ein Stück näher kommt: "Die Mecklenburger ähneln den Bremern eher als die Rheinländer", sagt er lachend. In der Stadtkirche von Neustrelitz erwartet ihn eine "wunderbare spätromantische Barockorgel", erzählt er und gibt auch schmunzelnd zu, dass sich das auch auf seine Programmgestaltung auswirken wird. Er werde stilistisch wohl von einem Samuel Scheidt abrücken, gesteht der Kantor, der in Neuss noch mit dem Anspruch angetreten war, "den breiten stilistischen Raum der Kirchenmusik und nicht nur die Aufführung der altbekannten Hits aus Barock bis zur Romantik" zu präsentieren.
Übergangslösung
Mit Musikreihen mit Kompositionen von Pachelbel oder eben aktuell von Scheidt hat er all die Jahre an seinem Credo festgehalten, aber hat er auch etwas verändert? "Das ist schwer zu messen. Wenn man die Besucherzahlen als Maßstab nimmt: nicht viel", gibt er zu, aber es sei eben wichtig, die zeitgenössischen mit den altmeisterlichen Komponisten zu verknüpfen. So freut er sich darüber, dass er vor seinem Weggang die geplante Scheidt-Reihe zu Ende bringen und in einem großen Konzert auch Johann Sebastian Bach mit dem in Düsseldorf lebenden Oskar Gottlieb Blarr verbinden kann. Und ein bisschen von dieser Haltung will Voigt auch an seinem neuen Wirkungsort pflegen. Allerdings weiß er, dass die Stadt an der Mecklenburgischen Seenplatte zumindest im Sommer andere Prioritäten verlangt: "Dann gibt es in der Stadtkirche viele Konzerte vor allem für die Touristen."
Wie es in der größten evangelischen Gemeinde in Neuss nach dem Weggang von Michael Voigt weitergeht, ist noch nicht endgültig geklärt. Nach Auskunft der Presbyteriums-Vorsitzenden Dr. Brigitte Hinze will man die Situation ohne Zeitdruck beraten. Für eine Übergangszeit soll sich die Kirchenmusikerin Katharina Grulke um die Arbeit mit der Kantorei der Gemeinde kümmern, für die Gottesdienste muss von "Sonntag zu Sonntag) jemand gefunden werden", weiß Michael Voigt. Mit der Verpflichtung von Grulke, die nebenamtlich an der Kirche in Neuss-Gnadental arbeitet und gerade ihr Aufbaustudium absolviert, ist auch gewährleistet, dass die Christuskirche einen Beitrag zur nächsten Kirchenmusikwoche leistet ("Paulus" von Mendelssohn).
Unklar ist hingegen noch, wie es grundsätzlich mit der Kirchenmusikwoche von Stadt, evangelischer und katholischer Kirche weitergeht, nachdem in diesem Jahr der Hauptveranstalter Robert-Schumann-Hochschule Düsseldorf mit einem Eklat ausgestiegen ist (die NGZ berichtete). Michael Voigt jedenfalls will, so lange er in Neuss ist, an der Zukunft der Reihe in der zuständigen Arbeitsgemeinschaft zur Förderung der Kirchenmusikwoche weitermitarbeiten.
Die neuesten Nachrichten und Berichte aus Politik, Wirtschaft, Panorama, Sport, Kultur, Gesellschaft, Wissenschaft, Multimedia, Auto,
Reise und Beruf - im Archiv auch gratis recherchierbar. Dazu die besten Bilder, Live-Ticker, Kolumnen und Hintergrundberichte.