Neuss (NGZ). Neuss Wenn Hannes Schäfer am Sonntag Abend mit der Arbeit fertig ist, geht er in die Kneipe und feiert den Jahreswechsel dort mit Freunden. Vermutlich unterscheidet sich der gebürtige Frankfurter dabei nicht von anderen Menschen, die auch an einem Tag wie Silvester zumindest für eine gewisse Zeit an ihrem Arbeitsplatz anzutreffen sind - aber kaum einem anderen schauen dabei so viele Menschen zu wie Schäfer. Der 56-Jährige ist Schauspieler, steht auf der Bühne des Rheinischen Landestheaters und muss erst seine Rolle in der Komödie „Call the Police“ spielen, bevor er feiern kann.
Letzteres macht er Silvester lieber im privaten Kreis als unter Kollegen im Theater, aber eingeleitet wird der Abend auch dann vom Bühnengeschehen, wenn er daran gar nicht beteiligt ist. Im vergangenen Jahr zum Beispiel hatte Hannes Schäfer spielfrei, ist an Silvester aber zunächst nach Bochum gefahren, ins Schauspielhaus gegangen und nach Ende der Vorstellung nach Neuss zum Feiern zurückgekehrt. „Ich gehe gerne ins Theater“, sagt er und meint damit nicht unbedingt das eigenen Haus, sondern die umliegenden Bühnen, die er regelmäßig als Zuschauer besucht.
An Silvester selbst auf der Bühne zu stehen, ist für ihn jedoch nichts Besonderes - zumal der Privatmensch Hannes Schäfer „völlig unsentimental“ an den Jahreswechsel herangeht. Also gibt’s auch kein langes Gesicht, wenn er seinen Namen auf der Besetzungsliste der Komödie entdeckt, die traditionell zum Jahreswechsels auf dem RLT-Spielplan steht?
„Nö“, kommt es mit entschiedenem Kopfschütteln zurück, „wir haben immer so früh Schluss, dass man danach noch genug feiern kann“. Das Spielen an sich ist für ihn an diesem Abend „ein ganz normales Geschäft“. Gleichwohl gibt Hannes Schäfer gerne zu, dass die Atmosphäre an Silvester doch ein bisschen anders ist als an anderen Abenden: „Das Publikum kommt mit einer anderen Erwartungshaltung ins Theater. Ihm ist festlicher zumute, und das merkt man auch als Schauspieler auf der Bühne.“
Der Künstler, der im Ruhrgebiet aufgewachsen ist und sich vom früheren RLT-Intendanten Burkhard Mauer überreden ließ, nach Neuss zu kommen, hat an seinen früheren Wirkungsorten schon oft an Silvester auf der Bühne gestanden - und dann war manches Mal doch einiges anders. „Meine früheren Kollegen haben sich an Silvester gerne Überraschungen einfallen lassen“, erzählt er lächelnd.
Zum Beispiel einen Schnuller an der Pistole befestigt, die er als Polizist in dem Stück „Arsen und Spitzenhäubchen“ mit Schmackes ziehen musste. Oder Marmelade aufs Mundstück der Trompete geschmiert, die er in der Komödie „Sparschwein“ zu spielen hatte...
„Das bringt einen ganz schön aus der Fassung“, sagt er schmunzelnd und verrät seinen bewährten Trick, um nicht völlig aus der Rolle zu fallen: Sich wegdrehen und die Kollegen weitermachen lassen, bis er sich wieder gefangen hat. Allerdings betont er auch, dass er selbst solche Streiche nie gespielt hat: „Ich weiß viel zu genau, wie sehr man dann lachen muss.“
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