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Neuss: Keine Bestnoten für Einkaufsstadt

VON CHRISTOPH KLEINAU - zuletzt aktualisiert: 12.12.2012

Neuss (NGZ). Neuss punktet vor allem bei Älteren. Jüngere gehen lieber ins Rheinpark-Center.

Jens Tollgaard - Schmidt wird vor allem in Seitenstraßen fündig. Foto: Woitschützke, Andreas (woi)
Jens Tollgaard - Schmidt wird vor allem in Seitenstraßen fündig. Foto: Woitschützke, Andreas (woi)

Die Einkaufsstadt hat viele Freunde, Elisabeth Quasnitza (59) aus Hoisten gehört aber nicht dazu. Auf die Frage: "Ist Neuss für Weihnachtseinkäufe attraktiv?", die die NGZ gestern mit Lesern in ihrer mobilen Redaktion auf dem Weihnachtsmarkt diskutierte, hatte sie nur eine ehrliche Antwort: "Nein. Es fehlt die Abwechslung." Das jedoch blieb eine Einzelmeinung.

Naturgemäß konnten sich jene Kunden nicht zu Wort melden, die Neuss schon den Rücken gekehrt haben und sich andernorts eindecken. Max Moltsen (19) gehört eigentlich auch dazu, gestern aber war er mit seiner Klasse vom Berufskolleg auf dem Weihnachtsmarkt unterwegs und deshalb in der Stadt. Seit es das Rheinpark-Center gibt, gab er zu, hat die Innenstadt ihn als Kunden verloren – und seine Kumpels nickten zustimmend.

Atmosphäre

Lob für den Weihnachtsmarkt

Wenn auch die Innenstadt differenziert betrachtet wird – für den Weihnachtsmarkt finden Neusser und Neuss-Besucher nur lobende Worte. "Der hat sich gemacht, die Qualität stimmt", sagt Herta Reinhart für viele. Der Markt ist noch bis Sonntag, 23. Dezember, auf dem Münsterplatz geöffnet.

Barbara Wierig (59) klang zunächst auch wie ein Center-Kunde. In der City ärgern sie schlecht geräumte Wege an schneereichen Tagen und Werbeaufsteller, findet sie zu wenig Spielgeräte für Kinder – "Und die Schaufenster im Center sind auch schöner dekoriert". Trotzdem kauft sie dort nicht ein: "Ich bin Neusserin."

Ganz Lokalpatriot ist auch Herta Reinhart: "Ich versuche in Neuss einzukaufen, wenn es geht." Oft aber findet sie nicht das Gesuchte – und zählt wie zum Beweis all jene inhabergeführten Einzelhandelsgeschäfte auf, die der Stadt in den letzten Jahren verloren gingen. "Ich habe den Eindruck, Neuss verkauft sich aus", sagt sie.

Barbara Wierig fehlen in der Innenstadt Spielgeräte für die Kinder. Foto: Woitschützke, Andreas (woi)

Jens Tollgaard-Schmidt (45) sieht die Stadt nicht so kritisch. Gerade in den Seitengässchen findet er eine breite Auswahl auch an Geschenkartikeln. Er sei zwar auch Internet-Käufer, gibt der Neusser zu, "aber wenn ich Zeit habe, bummele ich gerne in Neuss".

Dass die Stadt gewonnen hat, seit der Markt autofrei und die Zukunftsinitiative Innenstadt Neuss aktiv ist, betont Jürgen Schuler (75). Früher ging er vornehmlich in Düsseldorf auf Einkaufstour, "aber da ist es mir inzwischen zu voll". Ein Satz, den Heinz Beier (72) oft hört, wenn er mit Menschen aus der Nachbarstadt ins Gespräch kommt. "Früher war Neuss der Treffpunkt im Landkreis. Wenn mehr getan würde, könnten wir das wieder werden", sagt der City-Anwohner.

Sophie Deelsma aus Erfttal hadert nicht nur mit dem Angebot im Neusser Handel ("Für Kleinbürger ist das nichts. Und für kleine dicke Omas wie mich gibt es hier nichts."), aber auch mit der Erreichbarkeit der Umweltzone Innenstadt. "Da kommt man ja nur mit Katalysator rein." Aber trotz dieser Kritik stellen sie und ihr Ehemann Erich fest: "Wir möchten nirgendwo anders leben als in Neuss."

Quelle: NGZ
Foto
"Ist Neuss für Weihnachtseinkäufe attraktiv?", fragte gestern die NGZ. "Flür kleine, dicke Omas wie mich gibt es nichts", diktierte Sophie Deelsma NGZ-Redakteur Christoph Kleinau in den Block. Foto: A. Woitschützke


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