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Quirinus-Gymnasium als Patenklasse: Krass, aber sinnvoll

VON HELGA BITTNER - zuletzt aktualisiert: 11.10.2009 - 21:30

Quirinus-Gymnasium als Patenklasse (NGZO). Die 10c des Quirinus-Gymnasium war die Patenklasse für die RLT-Inszenierung "Die Verwirrungen des Zöglings Törleß". Wie haben die Jugendlichen die Aufführung aufgenommen? Eine Bestandsaufnahme.

Beeindruckend, aber auch verstörend: Roman Konieczny spricht als Basini einen Fremdtext von Bret Easton Ellis.   Foto:  B. Hickmann
Beeindruckend, aber auch verstörend: Roman Konieczny spricht als Basini einen Fremdtext von Bret Easton Ellis. Foto: B. Hickmann

Sie kannten den Roman nicht, aber waren bei einigen Proben dabei. Und dennoch wussten sie nicht, was sie im Theater erwarten würde. Ganz bewusst, so sagt Katrin Holler, habe sie darauf verzichtet, mit ihren Schüler der 10c des Quirinus-Gymnasium Robert Musils Buch "Die Verwirrungen des Zöglings Törleß" durchzugehen, bevor die Klasse in zwei Gruppen an zwei Samstagen als Pate die gleichnamige Inszenierung von Marc Lunghuß im Landestheater besucht hat. "Freiwillig" – darauf legt die Deutsch-Lehrerin großen Wert, was denn auch zur Folge hatte, dass der eine oder andere Schüler nicht dabei war.

Info

Nächste Vorstellung

Die nächste Vorstellung des Stücks nach dem 1903 geschriebenen Roman findet am Dienstag, 27. Oktober, statt (Beginn 20 Uhr). Das Landestheater bietet wie immer Vor- und Nachgespräche an (Kontakt unter Telefon 0 21 31 / 26 99 32). Es spielen Roman Konieczny, Henning Strübbe, André Felgenhauer und Matthias Brüggenolte.

Wie Anne (15), die von ihren Mitschülern so viel gehört hat, dass sie die Aufführung auf jeden Fall noch sehen will, "weil ich auch wissen will, wie ich darauf reagiere". Oder In-won (15), der sich heute ärgert und sich fest vorgenommen hat, das Versäumte nachzuholen. Der Grund: "Ich kann nicht mitreden." Was seine Mitschüler erzählt haben, macht ihn so neugierig, dass er es nicht bei dem Probeneindruck belassen will. Der unterschlägt nämlich jene Passagen der Aufführung, die unter erwachsenen wie jugendlichen Zuschauern für Gesprächsstoff sorgen.

Vor allem die Montage eines Fremdtextes von Bret Easton Ellis, der eine Vergewaltigung unter Männern bis ins Detail beschreibt, schockiert und beschäftigt gleichermaßen. Doch in der Vorbereitung für die Aufführung hat die Patenklasse genau diese Szene nicht präsentiert bekommen – um eine möglichst objektive Rückmeldung abzugeben, wie die Schüler in den Nachgesprächen mit RLT-Theaterpädagogin Stefanie Schnitzler erfahren haben.

Den Monolog findet Jessica (14) denn auch "im ersten Moment heftig und krass", aber weil sie zur zweiten Besuchergruppe der Klasse gehörte, war sie durch die Erzählungen der anderen schon auf einiges gefasst. Und sie hält es für richtig, wie Regisseur Lunghuß das Thema aufbereitet hat: "Jeder weiß, was Vergewaltigung bedeutet, aber man macht sich darüber nicht gerne Gedanken." Dass sich Erwachsene mit der Fäkalsprache schwer tun, kann sich die Schülerin gut vorstellen, aber "für uns Jugendliche ist sie nicht so schlimm".

So sieht es auch Mona (15), die zudem darüber erstaunt ist, dass Gewalt in der Schule schon vor fast 100 Jahren thematisiert wurde. Antonio (15) und David (16) haben zwar gedacht, "Was kommt da auf mich zu?", sagen aber jetzt: "Nachher ist uns klar geworden, dass es so viel besser gewirkt hat." Lukas (16) hat die Aufführung gleich zweimal gesehen, war beim ersten Besuch von dem Monolog geschockt und hat beim zweiten die Zeit gestoppt: Acht Minuten sind dabei herausgekommen "und ein ganz neuer Blickwinkel", wie er sagt.

Länger dürfte der Monolog aber auf keinen Fall dauern – zumindest lässt das kollektive Aufstöhnen der Schüler bei dieser Vorstellung keinen anderen Schluss zu. Kathrin (15) wäre während des Monologs am liebsten aufgestanden und gegangen, "aber ich fand es unhöflich und bin jetzt im nachhinein froh, dass ich das Stück bis zum Ende gesehen habe".

Durchweg aber halten die Schüler die Inszenierung nicht nur für sehenswert, sondern würden sie grundsätzlich auch 15-Jährigen empfehlen. "Oft langweilt man sich im Theater", sagt Konstantin (15), "aber dieses Stück ist spannend und hat auch Musik".

Quelle: RP

 
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