Neuss (NGZ). Den ersten NRW-Bürgerentscheid gab es in Neuss: Mit ihrer Arbeit dazu errangen drei Schüler des Marie-Curie-Gymnasiums einen Landespreis beim Geschichtswettbewerb um den Preis des Bundespräsidenten.
Es war der Aufreger des Jahres 1995 schlechthin: der Bau des Stadthallen-Hotels in Neuss. Als die Hotel-Gegner schließlich scheiterten, sahen viele in ihnen dennoch die "moralischen Sieger" der Auseinandersetzung, "denn Entscheidungen über die Köpfe der Bürger hinweg wird es in Neuss nicht mehr geben", wie unsere Zeitung das Geschehen damals kommentierte.
Vorausgegangen war dem ein Bürgerentscheid – der erste in Neuss, aber auch der erste im Land Nordrhein-Westfalen überhaupt, wie drei Zehntklässler des Marie-Curie-Gymnasiums während ihrer Recherche herausfanden.Janina Bernardy (15), Kalle Goß und Patrick Reinhardt (beide 16) hatten sich unter dem Titel "Die neue Waffe des Bürgers" mit den Ereignissen des Jahres 1995 auseinandergesetzt und ihre 33 Seiten umfassende Arbeit beim Geschichtswettbewerb um den Preis des Bundespräsidenten zum Thema "Ärgernis, Aufsehen, Empörung: Skandale in der Geschichte" eingereicht.
Geschichtswettbewerb
Veranstalter Körber-Stiftung
Teilnehmer Schüler bis 21 Jahre
Grundthema "Ärgernis, Aufsehen, Empörung: Skandale in der Geschichte"
Wettbewerb 2010/2011 Alleine in NRW gingen annähernd 600 Beiträge ein
Marie-Curie-Gymnasium Mit fünf Arbeitsgruppen dabei
Themen u. a. eine Rede des Neusser Bürgermeisters Thywissen 1986 und die Fusion des Schwann-Gymnasiums mit dem MCG
Für die drei jungen Leute ist der Landespreis mit einem attraktiven Förderprogramm verbunden, das europaweite Praktika und Schülerkongresse vorsieht. Zudem wird ihr Beitrag an der bundesweiten Endausscheidung teilnehmen.
Was sich zunächst nach einem Umweltskandal anhörte, bekam zunehmend politische Aspekte. Das Thema Bürgerbeteiligung – hochaktuell vor allem vor dem Hintergrund der Bürgerproteste gegen das Bahnhofs-Bauprojekt "Stuttgart 21". Ein halbes Jahr haben die drei jungen Neusser recherchiert, Zeitzeugen interviewt, sich durch Berge von Ratsprotokollen und Zeitungsartikeln gearbeitet – in ihrer Freizeit.
Das an sich ist schon eine beachtliche Leistung, immerhin gehören sie zum ersten Jahrgang, der nach nur acht Gymnasialjahren das Abitur ablegt, und müssen darüber hinaus ein beachtliches Lernpensum für die Doppelqualifikation bewältigen. "Leider kollidierte mein Stundenplan mit den Öffnungszeiten des Stadtarchivs", schildert Janina Bernardy nur eine Schwierigkeit.
Es ist der dritte Landespreis in Folge für das Nordstadt-Gymnasium. Wird Geschichte neben der Doppelqualifikation und dem bilingualen Zweig allmählich ein weiterer Schwerpunkt? "Das gehört inzwischen, wie ich finde, auch zum Profil der Schule", sagt Direktorin Emmy Tressel und kann darauf verweisen, dass das "Curie" seit 2003 in jedem Jahr mit mindestens einem Preis beim Geschichtswettbewerb bedacht wurde.
Im kommenden Schuljahr wird es darum ein jahrgangsübergreifendes Projekt in Zusammenarbeit mit dem Stadtarchiv geben, bei dem die industrielle Revolution im Neusser Norden thematisiert wird, aber auch Kenntnisse in historischen Hilfswissenschaften vermittelt werden.
Beim aktuellen Wettbewerb war der Zulauf von seiten der Schüler des MCG so groß, dass nur etwa die Hälfte der mehr als 50 Interessierten teilnehmen konnte. "Das ist auch eine Betreuungsfrage", erklärt Michael Kahlki, der den Schülern gemeinsam mit den Kollegen Corinna Röber-Kaminsky und Michael Schmitt als Tutor zur Seite steht.
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