Neuss (NGZ). Unter dem Titel ein "Neusser Quartier im Wandel" präsentiert die Gemeinnützige Wohnungs-Gesellschaft Neuss (GWG) eine Ausstellung in der Sparkasse Neuss. Anlass sind 100 Jahre Kolpingviertel.
Abreißen oder sanieren? Die Entscheidung für den Erhalt einer ganzen Siedlung war 1978, als sich der Gemeinnützigen Wohnungs-Genossenschaft diese Frage stellte, ungewöhnlich. Und mutig. Hätte sie damals die ungleich preiswertere Alternative – Abriss und Neubau – gewählt, die GWG könnte jetzt nicht das 100-jährige Bestehen des Kolpingviertels feiern.
Die Ausstellung "Neusser Quartier im Wandel – 100 Jahre Kolpingviertel Neuss" heißt die Ausstellung, die mit historischen Archivbildern, aktuellen Fotografien und interessanten Hintergrundinformationen einen unterhaltsamen Bogen von der Gründungszeit über die Sanierung in den 1980er Jahren bis hin zu den Menschen spannt, die heute dieses Viertel beleben. Eröffnet wird sie am Donnerstag, 23. September, in der Kassenhalle der Sparkasse an der Oberstraße.
Das Kolpingviertel
Zahlen Die Gemeinnützige Wohnungs-Genossenschaft Neuss (GWG) besitzt 141 Häuser mit 462 Wohnungen im Kolpingviertel, die in die Denkmalliste der Stadt Neuss eingetragen sind.
Anfang Zum offiziellen Festakt 1988 kam der Städtebauminister des Landes Nordrhein-Westfalen, Dr. Christoph Zöpel, nach Neuss. Das erfolgreiche Projekt erregte international Aufsehen. Immer wieder informierten sich Architekten und Städteplaner vor Ort über die Maßnahme.
Das Kolpingviertel Orientierungsdatum für die 100-Jahr-Feier ist die Errichtung von 21 Häusern an der Kettelerstraße im Jahre 1910. Teile des Viertels sind noch älter, denn seit 1908 hatte die GWG, damals "Neusser Arbeiterwohnungsgenos-senschaft", bereits 74 Häuser an der Franken-, Goten-, und Kolpingstraße gebaut. Seinen heutigen Namen erhielt das Quartier, als der Rat der Stadt Neuss das Viertel 1986 unter Denkmalschutz stellte.
Die Sanierung Obwohl die ehemalige Arbeiterwohnsiedlung im Zweiten Weltkrieg stark beschädigt wurde, blieb sie als bauliches Ensemble weitgehend erhalten. In den 1970er Jahren verloren die Wohnungen an Attraktivität. Die GWG war sich jedoch des hohen städtebaulichen Wertes des gewachsenen Wohnquartiers bewusst. Stadt Neuss und das Land NRW, von der Idee einer Komplett-Sanierung überzeugt, förderten das Vorhaben. Mit viel Liebe zum Detail wurde das historische Erscheinungsbild wieder hergestellt, alle Wohnungen erhielten neue Grundrisse. Die Innenhöfe wurden wohnlich gestaltet und Tiefgaragen erstellt. Allein zwischen 1980 und 1988 wurden 468 Wohnungen im Kern des Kolpingviertels saniert, aber noch bis 1993 modernisierte die GWG ihre Bestände in benachbarten Straßen.
Die Menschen Eine große soziale Herausforderung war der Umgang mit den betroffenen Bewohnern. Viele mussten umziehen, damit ein Projekt dieser Größenordnung überhaupt möglich war. Doch es gelang in allen Fällen, einvernehmliche Lösungen zu finden.
Der Wohnungsbestand Das kleinteilige Gefüge des Kolpingviertels steht beispielhaft für die über Neuss verteilten Wohnungsbestände der GWG: "Durchschnittlich wohnen nur je 4,7 Parteien in den 714 Häusern der GWG", sagt Vorstands-mitglied Stefan Zellnig, "auch deshalb haben gute Nachbarschaften in der Genossenschaft einen besonders hohen Wert."
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