Neuss (NGZ). Für das Neubaugebiet Südliche Furth hat der Neusser Bauverein jetzt den Deutschen Bauherrenpreis bekommen. Doch wie fühlen sich die Bewohner in ihrem Viertel? Die NGZ hat nachgefragt.
Hintergrund
Ursprung 2007 errichtet.
Wohnformen Zwei- bis Sechs-Zimmer-Wohnungen gibt es genauso wie Gemeinschaftswohnungen für ältere Menschen.
Bau Das Quartier ist an der nördlichen, östlichen und südlichen Seite von einem viergeschossigen, fast geschlossenen Gebäuderiegel eingefasst.
Nordstadt Der Neusser Bauverein dürfte derzeit ziemlich zufrieden sein: Mit dem Konzept für das Neubaugebiet Südliche Furth hat das Neusser Wohnungsbauunternehmen etliche Auszeichnungen bekommen – jetzt auch den Deutschen Bauherrenpreis.
Doch es sind die Menschen, die das Leben in die 255 Wohneinheiten bringen; mehr als 600 Menschen jeden Alters und jeder Herkunft leben dort. So wie die Türkin Albay Nesrin, die mit ihren drei Kindern in einer Vier-Zimmer-Wohnung lebt. Sie schätzt im Quartier vor allem eine Einrichtung, die quasi den sozialen Mittelpunkt der Südlichen Furth-Anlage bildet – den Treff 20 des Diakonischen Werkes. "Dieser Mehrgenerationen-Treff und die Menschen darin sind praktisch meine Familie", so die 39-Jährige.
Wie im Bungalowpark
Hier ist fast täglich auch Erwin Offer: "Meine Frau schickt mich morgens zum Einkaufen, dann hole ich die Zeitung und trinke im Treff eine Tasse Kaffee." Der 73-Jährige ist mit seiner Frau Gerti Selz-Offer im Juli 2009 in ein Appartement gezogen und hat dies bis heute nicht bereut: "Wir leben wie im Bungalowpark, haben einen schönen Blick vom Balkon, können für uns sein, aber auch in der Gemeinschaft." Die Offers kochen selbst.
Nicht wie Sigrid Michels, die nebenan wohnt. Sie ist auf fremde Hilfe angewiesen. Aber allein essen, das mag sie nicht. Und so nutzt sie das Treff-Angebot, mittwochs und donnerstags für wenig Geld eine Mahlzeit zu bekommen. Das Essen allein ist es nicht für die 48-Jährige. Vielmehr schätzt sie es auch, dass es einen Ort gibt, wo man hinkommen und miteinander reden kann. Man kennt sich. Und so werden auch die Neuankömmlinge beim Mittagstisch, Otti Steins und Brigitte Volkmer, mit einem lauten Hallo begrüßt. Dabei wohnen beide noch nicht mal im Quartier, sondern nebenan. Aber auch für beide ist es die Gemeinschaft, die zählt.
Anonym ist das Leben in der Südlichen Furth nicht; wer Kontakt sucht, findet ihn. Spätestens im Servicepoint des Treff. Die Einrichtung des Bauvereins bietet unter der Trägerschaft der Diakonie einiges – vom internationalen Frauenfrühstück über Nachbarschaftstreffs bis zu Spielgruppen oder Hausaufgaben-Betreuung. Die Vielseitigkeit gewährleistet, dass alle Mietergruppen ihr Angebot finden können. Zudem bietet Sozialpädagoge Uli Bräunig – einer von 25 hier ehrenamtlich Tätigen – Hilfe bei Behördengängen oder Formularbearbeitung an. Stephan Butt, Bereichsleiter der Diakonie Neuss: "Wir sind nicht nur da, Alltagsprobleme zu lösen. Im Treff werden auch Familienfeste gefeiert, im Sommer wird unser Quartiersplatz und der Grillplatz aktiviert oder der Kinderspielplatz hergerichtet. Das gehört zu unserem Engagement für ein neues Wohnen".
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