Neuss (NGZ). Neuss „Harry Potter and the Deathly Hallows“ - es ist der Höhepunkt. Das Finale. Und was final ist, das endet - es ist das Ende. Das Ende einer Ausnahmezeit inmitten von Buchstaben, das Ende einer Parallelwelt zwischen Magiern und Muggeln, das Ende dieses erregenden Wartens. Noch tanzt die Vorfreude in ihren Augen, die Vorfreude auf eine weitere Geschichte mit Harry, Ron und Hermine, auf eine alles übertreffende Episode in diesem phantastischen Leben in Hogwarts.
Die Kinder, Jugendlichen und auch Erwachsenen können es kaum erwarten, den letzten Band der Reihe in den Händen zu halten, und dafür sind sie in der Nacht von Freitag auf Samstag um ein Uhr aufgestanden und zur Mayerschen Buchhandlung gepilgert. Die öffnete nämlich wie viele andere Buchläden weltweit zwischen ein und zwei Uhr die Türen, um die Fans nicht eine Minute länger auf die Folter spannen zu müssen.
Um halb eins standen bereits die ersten Ungeduldigen vor der gläsernen Ladentür, hinter der es hell erleuchtet war, und hinter der ein mit einem schwarzen Tuch verdeckter Tisch den lauernden Blick einfing. Liegen sie dort? Die Bücher? Und sind es genug? Kleine Diskussionen um die Frage der Fragen - wer stirbt im siebten Band? - kamen auf, und drei Freundinnen sannen ehrfürchtig darüber nach, dass zur selben Zeit in Japan dasselbe Ereignis ablief. Es waren genug Exemplare für die rund sechzig Leseratten, die „die Mayersche“ angesteuert hatten.
Spürbar waren zwischen den Gleichgesinnten nicht nur Freude und (Ent-) Spannung, sondern auch ein Zusammengehörigkeitsgefühl, ein Hauch von Verschwörung entstanden. Nachts einkaufen - das ist toll. Nachts lesen - das sowieso. Die Wartezeit in der Schlange vor der Kasse wurde von einigen dafür genutzt, gleich mit der Lektüre zu beginnen. Sicherlich haben manche noch in derselben Nacht das Buch mit einem tiefen Seufzer wieder zugeklappt, erleichtert, die Wahrheit nun zu kennen.
Ob jedoch jemand das Lesetempo der 55-jährigen Anne Jones aus Leicester erreichte, die die 607 Seiten in 47 Minuten verschlang, ist fraglich. Der zwölfjährige Daniel, der mit Nachnamen genauso heißt wie sein literarischer Kumpel, nämlich Potter, sah alles etwas gelassener: „Ich fange erst morgen an zu lesen“, meinte er und war damit sicherlich eine Ausnahme.
Der kleinste Fan, der sich brav mit seinem Frauchen anstellte, kann gar nicht viel mitbekommen von den Kriegen und Kämpfen im Zauberland: Mister Darcy, ein Dackel, liebevoll in einen schwarzen Umhang samt Spitzhut gehüllt - und somit als einziger kostümiert. Geduldig ließ er die Hände entzückter Besucher seinen Kopf kraulen.
„Ich bin überrascht über den Andrang“, freute sich Filialleiterin Doris Rademacher, nachdem die nächtlichen Käufer sich mit ihrer kostbaren Errungenschaft verabschiedet hatten. Sie selbst wartet allerdings auf die deutsche Ausgabe. So ist es ihr nicht allzu schwergefallen, die Kartons mit dem wohl gefragtesten Buch unserer Zeit anderthalb Tage lang nicht anzurühren - „Das war bei Todesstrafe verboten“, lachte sie.
Nur vage kann man sich vorstellen, wie die Nacht auf den 27. Oktober verlaufen wird, denn dann erscheint der letzte „Harry Potter“ auf deutsch. Dann geht eine Ära zu Ende, zehn Jahre Freundschaft mit Harry, Ron, Hermine, Hagrid, Dumbledore, den Weasleys. Aber: das menschliche Gedächtnis ist schwach. Und wer ein bisschen geduldig ist, kann schon bald von vorn anfangen - 4128 Seiten einer wunderbaren Geschichte verschlingen.
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